Die Fallschirmspringer hängen direkt unter dem Rumpf des Flugzeugs. Der Motor des Flugzeugs brummt, als das Gerät abhebt. In einer Höhe von 400 Metern werden die Sportler abgeworfen. Sie sind furchtlos, obwohl bei einer unsanften Landung manchmal ein Arm dran glauben muss. Deshalb stehen auf dem Prappacher Modellflugplatz auch Zelte, um die Springer zu verarzten oder besser: zu reparieren, denn es handelt sich um Puppen, die abspringen. In Prappach findet die 31. Internationale Deutsche Meisterschaft im Modellflug-Fallschirmzielspringen statt.
72 Teilnehmer aus Deutschland, Österreich, Slowenien, Belgien, Tschechien, der Niederlande und der Schweiz treten gegeneinander an oder eher miteinander, wie Sportreferent Udo Straub aus Bad Neustadt an der Saale betont. "Wir sind wie eine große Familie, hier ist quasi ein Familientreffen", erklärt er. Die 57 Männer, neun Frauen und sechs Jugendlichen helfen sich gegenseitig, wenn etwas repariert werden muss. Falls ein Springer zu sehr beschädigt wird, hat jeder Pilot noch eine Ersatzpuppe.

Optisch wie die echten Springer


Die Springer sind aus Sperrholz, dürfen nicht mehr als zwei Kilogramm wiegen und sind etwa 40 Zentimeter groß. Optisch sind sie echten Springern nachempfunden. Sie haben Gesichter, Arme und Beine. Außerdem tragen sie einen Helm, Gurte, Steuerleinen und eine Springeranzug. Dennoch sieht jedes Männchen ein bisschen anders aus. Da wird schon einmal das Logo der Lieblingsfußballmannschaft auf den Anzug genäht.
Der Springer von Tobias Rogg trägt einen blauen Anzug. Der Elfjährige ist einer der jüngeren Teilnehmer. Doch was das Fallschirmspringen in Miniatur betrifft, ist er schon sehr erfahren. Mit drei Jahren begann er zu üben, er ist amtierender deutscher Jugendmeister. Zusammen mit seinem Vater Michael ist er aus dem Allgäu angereist. Für einen Probeflug legen sie den Fallschirm zusammen, denn schließlich soll dieser auch aufgehen. "Die Fallschirme haben ein Gedächtnis", erklärt Michael Rogg. Liegt der Schirm zu lange zusammengefaltet im Rucksack, kann er verkleben.
Die Springer werden unter den Flugzeugen angebracht. Ein Schlepppilot am Boden steuert die Maschine. Wenn Tobias und sein Vater ein Signal geben, werden die Springer abgeworfen. Das Flugzeug und der Springer haben eine Steuermechanik im Inneren. Die Piloten können mit ihren Fernbedienungen dann den Fallschirm öffnen. Dabei müssen sie den Springer genau beobachten. Aus welcher Richtung kommt der Wind? Die Piloten können die Arme der Springer bewegen, um sie ins Ziel zu dirigieren.

Schnell zu lernen


Außerdem ist es möglich, die Arme des Springer zu bewegen, so steuern die Piloten die Landung, denn die sollte möglichst mit den Füßen voran, gegen den Wind und in der Mitte des Zielkreises (Durchmesser fünf Meter) gelingen. Dann wäre der Sprung perfekt. Es gibt sechs Durchgänge, von denen die besten fünf gewertet werden. Einzeln und im Team. Frauen und Jugendliche werden extra gewertet.
Timo Kademann ist ein Neuling bei dem Wettbewerb. Der 30-Jährige aus der Nähe von Münster flog Modellflugzeug und hat die Variante des Fallschirmspringens aus Spaß ausprobiert. Mit ein wenig Übung kann das Steuern innerhalb weniger Wochen gelernt werden.
Am Wochenende zeigt sich in Prappach, wer sein Handwerk am besten beherrscht. Der Sieger wird am Sonntag zum Deutschen Meister gekürt.