Im ersten Moment klingt es gewöhnungsbedürftig: Fremde Menschen in die eigene Wohnung zu lassen. Doch mit eben dieser Idee ist die Onlineplattform Airbnb erfolgreich, weltweit bekannt und deren Betreiber reich geworden.

Das Konzept ist denkbar einfach: Privatpersonen - die Gastgeber - vermieten ihre Wohnung oder einen Teil davon an Reisende. Die Betreiberseite Airbnb erhält sowohl vom Gast als auch vom Gastgeber einen Teil der Übernachtungskosten für die Vermittlung - rechtliche Verpflichtungen übernimmt Airbnb allerdings keine.


Airbnb-Zimmer im Landkreis

"Für uns ist das trotzdem eine gute Sache", sagt Marco Pfister aus Stettfeld. Er und seine Frau Steffi sind wie einige, noch wenige, andere Anbieter aus dem Landkreis, auch Gastgeber bei Airbnb. Seit April 2015 vermieten sie ihre Einliegerwohnung über Airbnb. "Bis dahin war die Wohnung fest vermietet", sagt Marco Pfister. Der Mieter war nur selten da und das empfanden die Eltern zweier Mädchen als sehr angenehm.

"Da man durch unseren Garten gehen muss, um zur Wohnung zu kommen, wollten wir lieber selbst entscheiden können, wann dort jemand wohnt und wann nicht", erklärt Steffi Pfister die neue Lösung. Die Idee, die Zimmer als Ferienwohnung zu vermieten, war geboren. Bekannte erzählten von Airbnb. "Wir sind dann ganz locker an die Sache 'rangegegangen und wollten es einfach mal ausprobieren", sagt Marco Pfister. Erst war das Ehepaar unsicher, ob eine Ferienwohnung in Stettfeld überhaupt gesucht wird.


Menschen aus aller Herren Länder

Zehn Monate und rund 50 Gäste später sind die Pfisters schlauer: "Dass es so gut angenommen wird, damit haben wir nicht gerechnet", resümiert Marco Pfister. Die Familie konnte Gäste aus Brasilien, Chile, Australien und Südkorea begrüßen. "Holländer, Belgier und Franzosen waren bei uns", zählt Steffi Pfister auf. Insgesamt kommen laut Pfisters rund Dreiviertel der Gäste aus dem Ausland.

Doch was sind das für Leute, die im Landkreis Urlaub machen? "Manche sind nur auf der Durchreise, andere wollen eigentlich Bamberg, Würzburg und Rothenburg besichtigen", sagt Pfister. Eigentlich? "Ja, die meisten sind ganz überrascht, wie schön es hier im Landkreis ist, und fahren dann gar nicht mehr in die Städte", erklärt Steffi Pfister. Viele wollen vor allem die Ruhe hier genießen. "Manche bleiben fast den ganzen Tag auf der Terrasse und genießen die Ruhe", sagt Marco Pfister.


Interessante Gespräche

Da kommt man natürlich ins Gespräch mit den Gästen. "Klar, mit manchen kann man sich stundenlang unterhalten und gemeinsam im Garten sitzen", sagt Steffi Pfister. Bisher hatte die Familie immer Glück mit den Gästen. "Manche sind natürlich ordentlicher als andere, aber im Großen und Ganzen hat immer alles gepasst."

Neben all den schönen Erfahrungen gibt es aber auch ein paar Einschränkungen. Denn Airbnb macht es Gast und Gastgeber mitunter schwer. "Ein Gast hatte seine Jacke bei uns vergessen", erzählt Marco Pfister. Er musste einen Riesen-Aufwand betreiben, um dem Gast die Jacke zuschicken zu können. Denn Airbnb geht mit den Daten der Gäste und Gastgeber eigenwillig um. Ein Grund, für den das Unternehmen auch immer wieder in der Kritik. Airbnb fordert viele Daten ein, vor allem von den Mietern. Doch sind die Daten nach der Abreise des Gastes für den Vermieter nicht mehr zu sehen. Für die Pfisters war es daher kaum möglich, die Adresse des Gastes herauszufinden. "Leider hat man auch keinen Ansprechpartner bei Airbnb", kritisiert Pfister.


Arbeit nicht unterschätzen

Doch alles in allem sind die Pfisters mit der Lösung zufrieden. Denn ins richtige Hotelgewerbe wollen sie nicht einsteigen. "Unsere Gäste kümmern sich selbst um ihre Verpflegung, wir stellen lediglich den Raum zur Verfügung", sagt Steffi Pfister.

Arbeit haben sie damit trotzdem genug: "Was man definitiv nicht unterschätzen sollte, ist der Arbeitsaufwand", sagt Steffi Pfister, die in Teilzeit als Arzthelferin arbeitet. Sie putzt nach der Abreise der Gäste die Wohnung und bereitet sie für die nächsten vor. Das kann stressig werden. Zum Beispiel, wenn sie nach der Arbeit mal eben innerhalb einer Stunde die Wohnung für den nächsten Gast vorbereiten muss. "Außerdem sollte man mindestens einmal am Tag nach Buchungsanfragen gucken, damit man den Status als Superhost nicht verliert", fügt Marco Pfister hinzu. Denn mit diesem Status wird man besser gelistet und häufiger gebucht.

Doch das mindert für die Pfisters nicht den Spaß an der Sache. Nach nun knapp einem Jahr wollen sie weitermachen. Denn im Vordergrund stehe der Kontakt mit den Menschen. Und sie versuchen nun auch, über andere Plattformen Gäste zu akquirieren. "Wir werden dieses Jahr auch beim Tourismusverband des Landkreises mit aufgelistet. Mal gucken, wie es weitergeht."