Nach erholsamen Tagen bei der Familie von Manfred Wagners Schwiegertochter begann die Tour in Mexiko-City. Die Strecke führte über Gebirgszüge zum Pazifik, dann in den Norden zum Mexikanischen Golf, anschließend durch die tropischen Regenwälder Guatemalas und durch Belize, um schließlich in Cancun auf der Halbinsel Yucatan zu enden.

Montezumas Rache


Der Anfang war alles andere als leicht, denn Inge Wagner litt heftig unter Montezumas Rache: Bauchkrämpfe und Durchfall machten ihr so schwer zu schaffen, dass sie weder die Sonnen- noch die Mondpyramide von Teotihuacan nahe der Hauptstadt besteigen konnte. Erst nachdem die beiden den 25-Millionen-Moloch Mexiko City auf endlosen Highway-Straßen durchquert hatten, schloss der letzte Mayaherrscher Frieden mit den Deutschen.

Eine riesige Achterbahn


Schnell merkten die Radler, dass die zentralmexikanische Topografie einer riesigen Achterbahn gleicht: Von der Metropole, die auf 2200 Höhenmetern liegt, führt die Straße in unzähligen Serpentinen bis auf Zugspitzhöhe von 3000 Metern, danach geht es in langen Abfahrten auf 900 runter, und gleich danach wieder auf 1700 Meter.
Für die Strapazen entschädigt die grandiose Bergwelt - Kakteengewächse von sechs oder sieben Metern Höhe sind keine Seltenheit. Früh stieg das Duo in den Sattel, um möglichst viel vom Tagespensum vormittags abzuradeln - denn am Nachmittag flimmerte die Luft bei über 36 Grad.

Göttliche Fladen


Restlos begeistert sind beide von der Küche Mexikos. Kleine dünne Maisfladen - Tortillas - dienen als Brotersatz; darauf landen neben Fleisch schwarze Bohnen, Kakteenblätter, Kürbisblüten oder Käse. Gewürzt mit scharfen Chilis, versteht sich. Überall wird frisches Obst angeboten. Außer Mangos, Papayas und Avocados gibt es Sorten wie Mamey, die man in Europa nicht kennt.

Geckos, Spinnen, Kakerlaken


Die Unterkünfte dagegen entsprechen mitunter keinem deutschen Sauberkeits-Standard. Öfter als einmal müssen die Wagners ihr Quartier mit Geckos, Spinnen oder gar Kakerlaken teilen.

Die Radler steuerten historische Azteken-, Zapoteken- und Mayastätten an. Neben bekannten Ausgrabungsstätten wie Palenque, Uxmal und Chichen Itza gibt es unzählige andere Ruinenstätten mit Tempelanlagen und Pyramiden. Sie liegen teilweise urwaldüberwuchert und weitgehend unerforscht im Dschungel.

Ein Glutofen


Der tropische Regenwald gleicht einem Glutofen, gepaart mit Schwüle und fast hundertprozentiger Luftfeuchtigkeit. Da fließt der Schweiß ständig in Strömen. Und wenn es regnet und blitzt und donnert, glaubt man, die Welt ginge unter. Überall schwirren Schwärme von Moskitos - dagegen hilft nur Spray und nachts ein Netz.
Nachdem die Globetrotter das ärmliche Guatemala größtenteils auf Sand- und Geröllpisten durchquert haben, erwartet sie in Belize eine neue "Grenzerfahrung": Die Fahrräder werden im Pass eingetragen, damit man sie nicht im Lande verkaufen kann. Auf einem Marktplatz unterhalten sie sich auf plattdeutsch mit deutschstämmigen, wie hier die Urgroßeltern gekleideten Mennoniten.

Schließlich erreichen sie die mexikanische Halbinsel Yucatan. Am Golf von Mexiko beobachten sie große Flamingo-Kolonien, dann führt die Reise an die Endstation zur Karibikküste von Cancun. Sonnengebräunt und trotz sommerlicher Temperaturen leicht fröstelnd landen die Franken wieder in Deutschland - ihr Körper hat sich auf tropische Verhältnisse umgestellt.