Was ist regional? Diese Frage lässt sich nicht leicht beantworten. Denn es gibt Supermärkte, die ihre Produkte als "regional" bewerben, nur weil die Waren irgendwo in Deutschland hergestellt wurden. Wenn Waren bei ihrem Transport 300 bis 400 Kilometer zurücklegen, bis sie beim Kunden landen, dann "ist das für mich nicht mehr regional", sagt Franziska Endres, Juniorchefin des Familienbetriebs Weiki-Hof in Zell am Ebersberg.

Um "regional" anders, beziehungsweise genauer zu definieren und konkret auf den hiesigen Standort zu beziehen, hat der Landkreis Haßberge vor über zwei Jahren die Direktvermarktermesse "Kulinea" ins Leben gerufen. Die Veranstaltung, die im Februar 2013 erstmals in der Franz-Hofmann-Halle in Knetzgau stattfand, war nach Angaben der Organisatoren und der teilnehmenden Direktvermarkter ein Erfolg. Im zwei Jahresrhythmus sollte sie weitergeführt werden. Doch die geplante Kulinea 2015 musste abgesagt werden, weil die Franz-Hofmann-Halle wegen Sicherheitsmängel im Bereich Brandschutz nicht mehr weiter genutzt werden durfte und sich kurzfristig keine Ersatzhalle organisieren ließ.


Landkreis will die Fortsetzung

Das hat sich jetzt geändert: Im Februar 2016 soll wieder eine Kulinea stattfinden. Diesmal in der Mehrzweckhalle am Tuchanger in Zeil. Der Wirtschaftsauschuss des Landkreises Haßberge, der am Donnerstagnachmittag im Schüttbau in Rügheim tagte, hat die Verwaltung damit beauftragt, die Kulinea 2016 zu organisieren und zu veranstalten. Die notwendige Kofinanzierung in Höhe von circa 2000 Euro will der Landkreis laut Beschluss übernehmen. Michael Feiler von der Abteilung Kreisentwicklung im Landratsamt in Haßfurt, sprach von einer Messe mit "überregionaler Ausstrahlung" (wie man hier sieht, ist das Wort regional reine Definitionssache, denn gemeint waren hier vorrangig die Nachbarlandkreise des Kreises Haßberge)."Beim letzten Mal ist es sehr gut angenommen worden", sagte Landrat Wilhelm Schneider (CSU). Über 5000 Besucher an drei Tagen sprechen für sich.

Franziska Endres sieht die Kulinea als gute Chance für Direktvermarkter, sich zu präsentieren. Ihr Familienbetrieb ist Mitglied des Vereins "Natürlich von hier", dem 14 Direktvermarkter aus der Region Haßberge und Steigerwald angehören. Der Weiki-Hof ist darin eines der größeren Unternehmen und will laut Endres einen eigenen Messestand betreiben, aber "gerade kleinere Betriebe, auch im Nebengewerbe" hätten durch die Kulinea gute Chancen, sich zu zeigen und sich ins Gespräch zu bringen, denn oft wüssten Kunden gar nicht, was es an regionalen Angeboten gibt.

Klar ist aber auch: Kleine (Ein-Mann)-Betriebe können es sich womöglich zeitlich wie finanziell gar nicht leisten, drei Tage auf einer Messe vertreten zu sein und Standgebühren zu bezahlen (die Standgebühren für 2016 sind noch nicht festgelegt). Da wiederum hilft es, in einem Netzwerk wie "Natürlich von hier" organisiert zu sein. Denn: Der Verein wird als offizieller Partner an der Messe teilnehmen. So erklärt etwa Ralf Zapf, der in Salmsdorf (Rentweinsdorf) eine Fischzucht betreibt, dass er keinen eigenen Stand auf der Kulinea haben wird, aber als Mitglied von "Natürlich von hier" an einem Messetag den Verein - und somit auch sein Unternehmen - repräsentieren wird.


Kulinea 2013 zeigte Wirkung

Auch Andreas Klement aus Wagenhausen schafft es nur an einem auf die Kulinea, weil er nicht einfach drei Tage seinem Bauernhof fernbleiben kann. Trotzdem unterstützt er die Messe, indem er ebenfalls für den Verein "Natürlich von hier" vor Ort sein wird. Nach der ersten Kulinea im Jahr 2013 habe er festgestellt, dass eine solche Veranstaltung durchaus etwas bewirkt: Als Reaktion darauf und einem allgemeinen Trend entsprechend, habe eine Supermarktkette im Kreis Haßberge die "regionale Theke" eingeführt, in der zum Beispiel regelmäßig Klements Produkte zu finden sind. Außerdem könne man im Gespräch mit Messebesuchern die Vertriebswege der regionalen Direktvermarkter erklären. Und das geht recht einfach: Produzent - Kunde (ganz direkt) oder eben Produzent - Einzelhändler - Kunde (fast direkt). Groß- und Zwischenhändler braucht es da nicht.

Aber: Wann ist denn nun ein Produkt regional, und wann nicht? Franziska Endres würde als regional bezeichnen, was zum Beispiel aus dem Landkreis Haßberge und den Nachbarlandkreisen wie etwa Bamberg, Schweinfurt oder Coburg stammt. Aber auch Franken wird gern als Region bezeichnet. Doch irgendwo müsste die Grenze geografisch gezogen werden. Im Umkehrschluss würden Produkte aus dem Weiki-Hof, der vor allem für sein Trockenobst eben auch überregional bekannt ist, etwa im Norden Deutschlands oder in Österreich natürlich auch nicht mehr als regional gelten.


Konkurrenz untereinander?

Trotzdem: Mit Hofladen und dem Kundenkontakt direkt vor Ort setzt das Familienunternehmen generell auf eine regionale Präsenz. Dass sich Direktvermarkter, die untereinander womöglich sogar wegen gleicher oder ähnlicher Produkte konkurrieren, dennoch zusammenschließen, ist laut Endres gewinnbringend, denn es sei eine "gemeinsame Werbung" für die Sache. Und dabei geht es auch ein bisschen um das Prinzip "Leben und leben lassen" anstatt sich im Umkreis von hunderten Kilometern sämtliche Marktanteile alleine zu sichern.