Der Anfang ist geschafft: Die bayerischen Schüler haben gestern ihre erste Abiturprüfung, Mathematik, geschrieben. Am Regiomontanus-Gymnasium (RMG) in Haßfurt haben um kurz nach 12 Uhr die ersten Schüler den Prüfungsraum an der Turnhalle verlassen. Um 13 Uhr hieß es dann für alle Schüler: Stifte weg, die Zeit ist um. Die Schüler waren erleichtert, die erste Hürde Richtung Abitur hinter sich zu haben. Die meistgestellte Frage vor der Turnhalle lautete: "Und, wie war's?"

Vier Stunden hatten die Abiturienten Zeit für Aufgaben aus den Teilbereichen Analysis, Geometrie und Stochastik. Das Abitur in Mathematik ist in zwei Prüfungsteile, A und B, aufgeteilt. Die erste Bilanz bei den Schülern fällt positiv aus.

"Die Prüfung war gut und fair", sagt Max Kachelrieß. Mathe gehört sonst nicht zu den Lieblingsfächern des 18-Jährigen. Deshalb war er erleichtert, die Prüfung hinter sich zu haben. "Am Anfang war die Aufregung groß. Das hat sich aber nach und nach gelegt."

Maria Eirich, die stellvertretende Schulleiterin und Lehrerin für Mathematik, äußerte sich ebenfalls zufrieden über die Aufgaben. "Es ist nie nur leicht. Stolperfallen sind immer dabei", sagt Eirich. Thomas Lux, der Oberstufenkoordinator am Regiomontanus-Gymnasium, bezeichnete die Aufgaben ebenfalls als "machbar".

Wie es in einer Pressemitteilung des bayerischen Kultusministeriums heißt, treten in diesem Jahr rund 40 000 Schüler an den bayerischen Gymnasien die Abiturprüfung an. Die Schüler in Bayern legen drei schriftliche Abiturprüfungen ab: am 3. Mai im Fach Mathematik, am 9. Mai im Fach Deutsch und am 12. Mai in einem frei wählbaren Fach. In zwei weiteren Fächern müssen die Abiturienten mündliche Prüfungen (Kolloquium) ablegen. Eines davon muss ein gesellschaftswissenschaftliches Fach wie Geschichte, Religion oder Geographie sein.


Die Lehrer fiebern mit

Martin Pöhner, der stellvertretende Schulleiter des Friedrich-Rückert-Gymnasiums (FRG) in Ebern, kann sich gut in die Lage der Abiturienten hineinversetzen: "Auch die Lehrer fiebern mit den Schülern. Alle sind mit aufgeregt." Einen Favoriten bei der Wahl der restlichen Abiturfächer habe es am Eberner Gymnasium nicht gegeben. Alles sei bunt gemischt. Einzige Voraussetzung für die Schüler: Sie müssen eine Fremdsprache im Abitur ablegen, egal ob in der dritten schriftlichen Prüfung, oder in einem Kolloquium.

Am Gymnasium in Haßfurt fällt die Wahl für das dritte schriftliche Fach oft auf Englisch, wie Oberstufenkoordinator Lux sagt. So auch bei Patrick Werb. Seine beiden Kolloquienfächer sind Biologie und Geschichte. Mit alten Abituraufgaben und Nachhilfestunden hat sich der 19-Jährige auf die gestrige Matheprüfung vorbereitet. "Erst war ich voll aufgeregt. Du stürzt dich auf die Aufgaben, dann legt sich die Aufregung", sagt Werb.

In diesem Jahr gibt es außerdem eine Neuheit: Die schriftlichen Abiturprüfungen 2017 enthalten in den Fächern Deutsch, Mathematik, Englisch und Französisch erstmals Aufgaben oder Aufgabenteile aus einem Aufgabenpool, der gemeinsam mit allen anderen Bundesländern entwickelt und abgestimmt worden ist, erklärt das Kultusministerium in seiner Pressemitteilung. Durch die länderübergreifenden Aufgaben sollen die Bildungsarbeit und die Schulabschlüsse zwischen den Bundesländern besser vergleichbar sein, wie es in der Pressemitteilung weiter heißt.

Martin Pöhner vom Eberner Gymnasium begrüßt ein solches Vorgehen: "Der Vorteil des Aufgabenpools liegt darin, dass man sich an anderen Bundesländern orientiert und das Abitur vergleichbar macht."


Noten verbessern

Schüler, die in den schriftlichen Abiturprüfungen schlechter abgeschnitten haben als erwartet oder hinter den Prüfungsvorgaben zurückbleiben, können ihre Noten in diesen Fächern bis zum 23. Juni in mündlichen Zusatzprüfungen verbessern. Laut Oberstufenkoordinator Lux müssen Schüler in die Nachprüfung, wenn sie zum Beispiel in zwei Abiturfächern weniger als vier Punkte haben. Bei null Punkten in einem Kolloquium fällt der Schüler sofort durch.


Ab 30. Juni kann gefeiert werden

Laufen die Prüfungen für die Abiturienten gut, verlassen sie das Gymnasium mit dem Zeugnis der allgemeinen Hochschulreife. Damit können die Abiturienten ein Studium an einer Universität beginnen. Oder sie schließen eine Ausbildung an ihre Schulzeit an.

Am 30. Juni entlassen die Schulen ihre Abiturienten feierlich. Dann können die Schüler sich von der stressigen Zeit erholen. Wer sich für ein Studium entscheidet, startet ab Oktober in das Wintersemester.