Es ist eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Männer und Frauen, die sich im Landkreis Haßberge ehrenamtlich um die derzeit knapp 860 Asylbewerber und Flüchtlinge mit viel Eifer kümmern, bewegen sich oft zwischen den Fronten von Gastfreundlichkeit der fremden Kulturen und Forderungen hinsichtlich Wohnen, Versorgung und Mobilität.
Frust tut sich bei den deutschen Helfern auf, wenn auch nach der zehnter Erklärung die Pünktlichkeit bei den Flüchtlingen kein bisschen Wertschätzung findet. Große Freude, wenn die Kinder aus Syrien, Afghanistan und dem Irak schon nach wenigen Schultagen die ersten Sätze grammatikalisch richtig über die Zunge bringen.


Kein Zuckerschlecken

Das Ehrenamt in diesem Bereich ist nicht immer ein Zuckerschlecken. Begleitet bei ihrer Arbeit werden die Helfer im Landkreis Haßberge von dem Caritas-Mitarbeiter Christian Hellermann. Zu einem gemeinsamen Austausch hatte er die Helfer nach Ebern eingeladen.
"Der Kreis wird nicht kleiner", konnte Anke Schäflein, Geschäftsführerin des Caritasverbandes Haßberge, bei ihrer Begrüßung an diesem Abend freudig feststellen. An die 50 Männer und Frauen, die die Flüchtlinge und Asylbewerber im Landkreis begleiten, waren zu dem Treffen gekommen, dem zweiten dieser Art. Austausch, Begegnung und Informationen standen im Mittelpunkt.
Dass der Kreis an Menschen, die sich in Sachen Asyl engagieren, nicht schrumpft, gilt nicht nur für das Ehrenamt. Auch der Caritasverband konnte mit finanzieller Unterstützung der Diözese und anderen Fördermitteln das Personal in der Asylsozialberatung aufstocken. Derzeit sind es sieben Mitarbeiter, ab dem 1. März kommt eine weitere Kollegin dazu, die für die Flüchtlinge und ihre Anliegen Ansprechpartner sind.


Start ins Berufsleben

Außerdem starten bei der Caritas Haßberge auch bald zwei anerkannte Flüchtlinge ins Berufsleben: "Sie werden als Sprachvermittler mit einem normalen Arbeitsverhältnis zunächst für ein Jahre eingesetzt", informierte Anke Schäflein.
Das Spektrum an Aufgaben, das die Ehrenamtlichen übernehmen, ist groß. "Ich komme mir so vor wie ein Opa, der seinem Enkel die Welt erklärt", formulierte es Adolf Kunzmann, der bereits in Ebern und jetzt in Untermerzbach als Deutschlehrer den Neuankömmlingen unter die Arme greift. Wenn einer der Flüchtlinge zum Arzt muss, dann lässt er sie nicht hängen. Er fährt sie mit seinem Privatauto. Das kostet Zeit und Geld.
Und eigentlich ist genau diese eine Pflichtaufgabe des Landkreises, machte Dieter Sauer, Leiter des Sozialamtes am Landratsamt, beim Treffen in Ebern deutlich. "Wir müssen die ärztliche Versorgung sicherstellen. So steht es im Gesetz."
Der Kreistag hat bereits am 12. Oktober vergangenen Jahres einen Beschluss gefasst, damit die Ehrenamtlichen nicht mehr auf ihren Kosten sitzenbleiben, wenn sie Fahrten zum Arzt übernehmen. Natürlich ist das mit einem bürokratischen Aufwand verbunden und bleibt letztendlich "beim Landkreis hängen", so Sauer.


Hilfe zur Selbsthilfe

Leistungen des Asylbewerberleistungsgesetzes hingegen, nämlich Ernährung, Kleidung und Unterkunft, können mit dem Freistaat Bayern abgerechnet werden. "Man muss die Asylbewerber zur Selbsthilfe bringen", ist Sauer überzeugt, um die Ehrenamtlichen nicht zu überfordern und den Kostenrahmen nicht zu sprengen. "Nicht jede Fahrt muss von einem Ehrenamtlichen mit einem Privatauto übernommen werden. Man muss die Leute auf den Bus verweisen. Die Termine danach legen. Manchmal muss man halt dann zwei Stunden in Haßfurt warten. Die Fahrt durch Ehrenamtliche soll eine Ausnahme bleiben."


Das System bewährt sich

In Ebern wurde durch den Asylhelferkeis schon vor mehreren Monaten ein System entwickelt, um "Taxi-Fahrten" für Asylbewerber und Flüchtlinge fair zu gestalten. "Wir verlangen eine monetäre Selbstbeteiligung von den Flüchtlingen für jede Pkw-Fahrt. Und wir nehmen an, es ist gerechtfertigt", erklärt Franz Josef Zeheter, der Koordinator der Ehrenamtlichen in Ebern. Der Erfolg dieser Abmachung? "Sie zahlen es ohne Murren. Manchmal winken sie schon mit dem Schein. Wenn sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, zahlen sie ja auch."
Die aktuelle Ausländerquote im Landkreis Haßberge beträgt 3,5 Prozent. "Das ist zu meistern", ist Dieter Sauer überzeugt. Unter einer Bedingung jedoch: "Die Anstrengungen müssen koordiniert sein." Dazu soll auch ein zukünftiger Bildungskoordinator im Integrationscenter in Haßfurt beitragen.
"Es geht darum, die Flüchtlinge zu bilden und Bildungsangebote nutzbar zu machen", umreißt Sauer diese Position. Von interkultureller und schulischer Bildung, über Wertebildung bis hin zu Umwelt- und Gesundheitsbildung soll an dieser Koordinationsstelle alles zusammengetragen werden.


Er soll Arabisch sprechen

"Viele Organisationen rücken dabei zusammen. Auch die Selbsthilfestruktur unter den Flüchtlingen soll angetrieben werden", sagt Sauer. Für die Vollzeitstelle, die spätestens im Sommer besetzt sein soll, werden Akademiker mit einschlägigen Fremdsprachenkenntnissen in arabischer Sprache gesucht.