Die Anklagepunkte, die Staatsanwalt Ralf Hofmann dem 34-jährigen Angeklagten vorwirft, hört man im Amtsgericht Haßfurt nicht alle Tage. Am 30. November 2013, so Hofmann, habe der Mann sich erst einmal bei seiner Festnahme durch die Polizei aggressiv gewehrt, sodann die Beamten übelst beleidigt und zum krönenden Abschluss nachts die Arrestzelle in der Polizeiinspektion in Haßfurt in Brand gesteckt. Der spektakuläre Fall fand nun seinen Abschluss: Das Schöffengericht am Amtsgericht verurteilte den Mann unter anderem wegen schwerer Brandstiftung und Widerstandshandlungen zu einer dreijährigen Haftstrafe, verbunden mit der sofortigen Unterbringung in einer Entziehungsanstalt zum Zweck einer Suchttherapie.


Nochmals aufgerollt

Da die erste Verhandlung in dieser Sache mehr als ein halbes Jahr zurücklag, musste das Geschehen nochmals vollständig aufgerollt werden. Was sich an jenem Winterabend vor mehr als zwei Jahren abspielte, geschah im Anschluss an einen Kneipenbesuch in der Kreisstadt. Der Beschuldigte bezog sich ausdrücklich auf das, was er Mitte 2015 schon gesagt hatte. Damals antwortete er auf Nachfrage der Vorsitzenden Richterin Ilona Conver, was und wie viel er an dem Tag getrunken hatte, offen und ehrlich: "Es war an der Grenze zum Vollsuff." Zusätzlich habe er an dem Abend Drogen geschnupft, gab er zu.

Laut Anklageschrift ging der heute in Schweinfurt lebende Mann aus der Gastwirtschaft, ohne die Zeche von 29,90 Euro zu bezahlen. Der Wirt rief daraufhin bei der Polizei an und kurz darauf stellte eine Streife den Zechpreller in der Oberen Vorstadt. Als die Ordnungshüter den Betrunkenen kontrollierten, hatte er keinen Ausweis dabei und weigerte sich, seine Personalien anzugeben. Er dachte gar nicht daran, der Aufforderung zu folgen und in das Polizeiauto einzusteigen. Vielmehr wehrte er sich mit Leibeskräften, schlug unkontrolliert um sich und beleidigte die Polizisten mit nicht druckreifen Kraftausdrücken. Der damals 32-Jährige steigerte sich dermaßen in Rage, dass er einem der Uniformierten sogar ins Gesicht spuckte.


Hinter Gittern gelandet

Natürlich half dem Wüterich die ganze Gegenwehr nichts und kurz vor 23 Uhr landete er in der Arrestzelle der Polizeiinspektion in Haßfurt. Nach einer kurzen Ruhephase zündete er dann mit einem Taschenfeuerzeug die Matratze an. Es gab kein offenes Feuer, sondern dichter Rauch verbreitete sich in mehreren Räumen und im Flur. Wie der Staatsanwalt vortrug, erlitten der Zündler und zwei Beamte eine leichte Rauchgasvergiftung und der Sachschaden betrug mehr als 13 000 Euro.

Wie schon bei der ersten Verhandlung zeigte der Angeklagte keine Einsicht oder Reue. Vielmehr sieht er sich als Opfer der Staatsmacht. Er sei damals nur auf dem Weg zum Geldautomaten der Bank gewesen, um sich Bargeld für seine Zeche zu holen, erklärte er. Er wiederholte seine Version vom Tatgeschehen, wonach die Streifenpolizisten ihn überfallen, zusammengeschlagen und ausgeraubt hätten. "Sie haben mir den Kopf auf die Motorhaube geknallt und wollten mich absichtlich quälen", stieß er mit sichtlich erregter Stimme hervor. In seinen Augen "reine Willkür."


Zweite Straftat

Im jüngsten Verfahren wurde eine zweite Straftat gleich mitverhandelt. Diese hatte sich kurz vor dem Silvestertag 2014 ebenfalls in Haßfurt abgespielt. Da ging es um den Rabatz, den der Arbeitslose vor einer Dönerbude abgezogen hatte. Ähnlich wie bei dem Zellenbrand wehrte er sich vehement und aggressiv gegen seine Festnahme und beschimpfte die Uniformierten mit ähnlich unflätigen Ausdrücken wie bei der ersten Tat. Ganz offensichtlich sind die Ordnungshüter ein rotes Tuch für ihn.

Als die Brandstiftung Mitte 2015 das erste Mal am Amtsgericht in Haßfurt verhandelt worden ist, wurde der Strafprozess ergebnislos abgebrochen, um mittels eines Gutachtens zu klären, ob der Mann überhaupt schuldfähig oder psychisch krank ist. Dieses ausführliche Attest wurde nun verlesen.


Persönlichkeitsstörung festgestellt

Demnach leidet der 34-Jährige zwar nicht unter einer dauerhaften psychischen Erkrankung wie beispielsweise einer Schizophrenie oder einer Depression. Allerdings stellte der Psychiater eine "manifeste Persönlichkeitsstörung mit emotionaler Instabilität und überhöhter Impulsivität" sowie eine Alkoholabhängigkeit fest. Eine Langzeittherapie sei eventuell hilfreich, so der Tenor der Expertise.

Diesen Fingerzeig nahmen sowohl das Schöffengericht als auch der Staatsanwalt und der Pflichtverteidiger Tilman Fischer dankbar auf. Wenn der Verurteilte das Urteil annimmt und die nun folgende zweijährige Suchttherapie erfolgreich absolviert, kann ihm das restliche Jahr auf Bewährung erlassen werden. Vielleicht gelingt es ihm so, sein verpfuschtes Leben in Ordnung zu bringen, und vielleicht glaubt man ihm dann, was er bei der Verhandlung mit fast wehmütiger Stimme beteuerte: "Ich bin kein böser Mensch."