Jedes ökonomisch denkende und verantwortlich handelnde Unternehmen versucht, Zahlungs- und Forderungsausfälle bereits im Vorfeld zu vermeiden. Logischerweise liefert es - zumindest bei größeren Projekten - erst dann, wenn der Kunde als seriös eingeschätzt wird. So dachte auch eine Haßfurter Firma aus der Elektrobranche.

Bereits im Frühjahr 2010 lieferte sie einem 29-jährigen Elektroinstallateur für die Verkabelung in einer Brauerei im nördlichen Landkreis und in einem Essener Pflegeheim Waren und Material im Wert von über 30 000 Euro. Der Installateur zahlte nicht und wurde nun in Haßfurt wegen Betrugs zu einer zehnmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt.

Was der Lieferant nicht wusste: Der Elektroinstallateur, der die Waren bestellte, war nicht berechtigt, direkt gegenüber den jeweiligen Bauherren abzurechnen. Vielmehr agierte der Kleinunternehmer nur als Subunternehmer für eine andere am Bau beteiligte Firma. Als dann seine Auftraggeber pleite gingen, konnte der Handwerker die Warenrechnung nicht zahlen. Das Gericht wertete sein Verhalten als Betrug, weil er nicht offen gelegt hatte, dass er nur als Subunternehmer tätig war.

Direkt zur Baustelle nach Essen geliefert

Konkret handelte es sich bei den Arbeiten in der Brauerei um die Installation einer Solaranlage. Der Elektriker sollte die Leitungen von den Wechselrichtern zum Zählerschrank legen. Noch bevor er damit fertig war, kam der wesentlich größere Auftrag in Essen dazu, von dem er sich fetten Reibach versprach. Dort oblag ihm die gesamte Verkabelung eines neu gebauten Pflegeheims. Das dafür nötige Material lieferte das Haßfurter Elektrogeschäft direkt zur Baustelle nach Essen.

Als Zeuge schilderte der 59-jährige kaufmännische Leiter der Lieferfirma die Vorgänge. Wie er ausführte, habe der Elektroinstallateur bei Beginn der Geschäftsbeziehung noch pünktlich gezahlt. Deshalb sei man ihm entgegengekommen und wollte die monatlich aufgelaufenen Rechnungen per Bankeinzug erheben.
Aber das angegebene Konto war nicht gedeckt, und die Einzugsermächtigung lief ins Leere. Ob die geschädigte Firma von ihrem Geld jemals etwas wieder sieht, ist mehr als fraglich. Entsprechende Forderungen müsste sie zivilrechtlich einklagen. Aber einem Nackten kann man bekanntlich nicht in die Tasche greifen.