"Hier beginnt der Süden!" Mit diesem Goethe-Zitat wirbt seit einigen Jahren die Stadt Eltmann - und das traf am Samstag punktgenau auf den Auftakt der 21. Biertage zu. Bei "Backofenhitze" und mit vielen Schweißtropfen eröffnete Bürgermeister Michael Ziegler vor zahlreichen Ehrengästen das bedeutendste Fest der Stadt, während die Gäste sich unter die Schirme zurückzogen, um sich vor der Sonne zu schützen, und es sich bei einem frisch gezapften Bier gut gehen ließen.

Der Sprecher der Vereine, Josef Blößl, kann sich nicht erinnern, dass bei den Biertagen einmal so eine Hitze herrschte, "denn bei mir sind es gefühlte 40 Grad. Das hatten wir noch nie." Michael Ziegler (CSU) verglich seine Stadt sogar mit Mallorca. "Mit dem einzigen Unterschied, dass es bei uns heute noch sechs Grad heißer ist. Es bewahrheitet sich also unser Motto: Hier beginnt der Süden".

Und das machte sich schon beim Festzug vom "Saumarkt" zum Marktplatz unter den Ehrengästen bemerkbar. Hier sah man niemanden mit Krawatte und Jacke. Mehr als manchem Besucher recht war, mussten die Schweißtropfen gewischt werden. Es war heiß.

Nur ein Fass

Die Überraschung war perfekt, als für den Anstich Bürgermeister Michael Ziegler, Stadtpfarrer Thomas Klemm und Festleiter Peter Klein vor der Bühne nur ein Fass Bier vorfanden. Alle drei wollten "das erste Fass anstechen". Aber jeder ein Fass für die drei teilnehmenden Brauereien". Hatte sich jemand einen Scherz erlaubt und das erste Freibier verschwinden lassen?

Nach einigen ungläubigen Blicken wurden schnell zwei weitere Fässer herbeigebracht, und die Erleichterung war groß. Vielleicht wollten die beiden Braumeister ihr Bier erst in letzter Sekunde dem Kühlwagen entreißen, um ein kühles Bier den Gästen anzubieten. Dies gelang auch. "Nur die Maßkrüge selbst sind von der Hitze aufgeheizt", meinte ein Gast beim ersten Schluck.

Auf jeden Fall floss dann der Gerstensaft. Das Bier kam von der Brauerei "Weiss-Rössl" aus Roßstadt, die es seit 1744 gibt, aber jetzt im erweiterten Familienunternehmen brauen lässt, von der Eschenbacher Privatbrauerei Wagner, die seit 1750 besteht, und von der Familienbrauerei Roppelt aus Trossenfurt, die seit 1889 existiert.
Im Jahre 2000 hatte es in Eltmann noch fünf Brauereien gegeben. 1814/15 berichtet die Chronik gar von 39 Brauereien im Stadtgebiet.

Trotz der Entwicklung zeigte sich Bürgermeister Michael Ziegler stolz, dass Eltmann die einzige Stadt im Landkreis sei, die Biertage veranstalte. Diese Tradition wolle man hochhalten, versicherte er.

Der Marktplatz von Eltmann bietet dazu das passende Ambiente als Gaststube zwischen Kirche und Rathaus, zwischen altem Amtsgericht/Stadthalle und den schönen privaten Häusern. Dies schätzen auch Gäste, die alljährlich von weither kommen, um dieses Wochenende in Eltmann mitzuerleben.

Vom ersten Tag an und mit seiner Kegelabteilung dabei ist Markus Scheuring. "Seit auf Initiative von Peter Klein von der SG Eltmann die Biertage ins Leben gerufen wurden, zapfen wir das Bier der Weiss-Rössl-Brauerei. Natürlich war dies beim ersten Male Neuland, aber nach zwei Jahrzehnten sind wir jetzt ein eingespieltes Team. Jeder weiß, wo er hinlangen muss. Das läuft super", betont er.

Im Laufe der Zeit habe man sich entsprechend organisiert. "Am Anfang haben wir praktisch rund um die Uhr unseren Dienst am Zapfhahn geleistet. Heute fahren wir Schichten, aber trotzdem benötigen wir 39 Helfer an den zwei Tagen. Das ist natürlich nicht der Vorstandschaft von sechs Leuten zu bewerkstelligen", weiß Scheuring.
Nach seinen Beobachtungen haben sich die Trinkgewohnheiten in den letzten Jahren verändert. "Wir schenken neben zahlreichen anderen Sorten natürlich Festbier aus, das etwas stärker als normal ist. Was aber deutlich zugenommen hat, ist das Radler und vor allem das alkoholfreie Weizen. Letzteres hatten wir in den ersten Jahren gar nicht im Angebot", erzählt er.

Markus Scheuring schätzt an den Biertagen: "Es haben sich mit Gästen sogar Bekanntschaften und Freundschaften entwickelt. Die Leute kommen alljährlich aus dem Rheinland, Nordrhein-Westfalen und weiter her zu uns und gehören einfach schon dazu. Das ist schön, und das gibt es sicherlich nur auf den Biertagen. Außerdem schweißt es uns im Verein zusammen, und es stoßen auch Leute zu uns, die uns einfach helfen wollen."

So ergeht es auch den anderen Vereinen, die zusammen rund 300 Helfer benötigen, um die vielen Besucher zu versorgen. Das taten sie ohne Zweifel wieder mit ihrem Bier-, Getränke- aber auch Speisenangebot. Dazu sorgten die Bands und Musikkapellen für Unterhaltung auf dem Marktplatz. Die Stimmung war gut, und der kurzzeitige Regen am Sonntag störte wenig, zumal immer noch sommerliche Temperaturen herrschten.