Ein Mann aus dem Publikum nannte es "eine Verkaufsveranstaltung". Im übertragenen Sinne hatte er Recht, denn bei der Informationsrunde am Mittwochabend, bei der die Gesellschaft zur Umsetzung erneuerbarer Technologieprojekte im Kreis Haßberge (kurz: GUT) ein neues Projekt vorstellte, ging es darum, den Kirchlauterern den geplanten Bau von vier Windrädern in Sichtweite ihres Wohngebiets so schmackhaft wie möglich zu machen.

Ein sehr schwieriges Unterfangen, wie sich herausstellte. Denn die Bürger, die ins Oskar-Kandler-Zentrum nach Kirchlauter gekommen waren, wurden im Laufe des Abends zum Teil richtig wütend.

Zu Beginn der Veranstaltung hatten etwa 80 Männer und Frauen im Saal Platz genommen, um den Vortrag von GUT-Projektleiter Gunter Häckner zu hören. Gegen halb neun Uhr zogen rund eine Stunde nach Beginn etwa 30 Zuhörer von dannen, nicht etwa aus Protest, vielmehr ging es wohl darum, den Anpfiff der Champions-League-Begegnung Bayern München gegen Juventus Turin nicht zu verpassen. Dieses Statement war eindeutig: Fußball ist wichtiger als Windkraft.

Die verbliebenen 50 Bürger teilten diese Auffassung nicht und stattdessen lieber kräftig aus: Häckner musste sich viel Kritik anhören, was das Vorhaben auf dem Tonberg im Bürgerwald Ebern angeht.


Bürger bleiben skeptisch

Teils glitt die Diskussion dabei ins Persönliche ab (so musste sich Häckner in Anlehnung an die ehemalige TV-Sendung "Vorsicht Falle!" als Nepper, Schlepper und Bauernfänger bezeichnen lassen). Der GUT-Projektleiter ließ sich davon nicht provozieren und versuchte, durch ruhige Argumentation die einen oder anderen Bedenken gegen die vier möglichen Windkraftanlagen zu zerstreuen - nur gelang ihm das nicht so ganz.

Was die Kirchlauterer (zudem war eine Gruppe erklärter Windkraftgegner von etwa zehn Leuten aus den Landkreisen Schweinfurt und Rhön-Grabfeld zugegen) im Grunde am meisten auf die Palme brachte, war die Tatsache, dass sie bei der ganzen Sache so gut wie kein Mitspracherecht oder, besser gesagt, keine Entscheidungsgewalt bezüglich des Projekts haben. Denn die Fläche, auf der die vier Windräder gebaut werden sollen, gehört zu Ebern. Demnach ist der dortige Stadtrat Entscheidungsträger, der Gemeinderat Kirchlauter wird zur Sache nur gehört, kann sich etwa für oder gegen das Projekt aussprechen und seine Bedenken äußern.

Wie der Bürgermeister Karl-Heinz Kandler, der mit seinem Stellvertreter Reinhold Stöhr (beide SPD) die Veranstaltung moderierte, erklärte, seien die Kirchlauterer dahingehend betroffen, dass sie die Windräder sehen würden, "wenn sie erstellt werden". Für ihn ging es seinen Aussagen zufolge am Mittwoch darum, die Stimmung in seiner Gemeinde in Bezug auf Windkraft zu erfassen, nach der sich der Gemeinderat richten könne. In dieser Hinsicht hatte der Abend eine eindeutiges Ergebnis gebracht: Das Misstrauen der Bürger gegenüber den Windrädern war deutlich, Befürworter meldeten sich an diesem Abend nicht zu Wort.

Für Gunter Häckner bedeutete das einen schweren Stand. Der Mann hat einiges an Erfahrung vorzuweisen, was die Planung und Umsetzung von Windparkprojekten angeht. Den Bürgerwindpark Sailershäuser Wald, wo sich mittlerweile zehn Windräder drehen, hat der Ingenieur ebenso maßgeblich begleitet wie ganz frühe Projekte, etwa die 1998 erstellte (und mittlerweile nach 16 Jahren Laufzeit wieder abgebaute) erste Windenergieanlage Unterfrankens in Sachserhof (Arnstein im Landkreis Main-Spessart). Seit den Anfängen mit Pioniercharakter (die Anlage in Sachserhof konnte den Erwartungen nicht gerecht werden und warf keinen Gewinn ab) hat sich laut Häckner in Hinblick auf die Anlagentechnik viel getan, Leistung und Effizienz konnten deutlich gesteigert werden. Das Windrad bei Arnstein hatte eine Nennleistung von 500 Kilowatt. Der hier nun geplante Anlagentyp hat hingegen eine Nennleistung von 4200 Kilowatt. Der jährliche Ertrag läge bei über 8,5 Millionen Kilowattstunden, das Sachserhof-Windrad hatte gerade mal eine halbe Million Kilowattstunden geschafft.


Technische Daten

Häckner nannte weitere technische Daten zu den auf dem Tonberg vorgesehenen Anlagen: Die Nabenhöhe beträgt rund 159, der Rotordurchmesser rund 141 Meter, was eine Spitzenhöhe von etwa 230 Metern ergibt. Den Gesamtertrag der vier Anlagen bezifferte Häckner mit 35 Millionen Kilowattstunden pro Jahr.

Dass Windräder Lärm verursachen ist eine Tatsache. Häckner erklärte, die Schallimmission bei Wind in Richtung Kirchlauter sei niedriger als 35 Dezibel (was als Grenzwert für Kurgebiete gilt). Nur im Bereich Goggelgereuth werde dieser Wert um zwei Dezibel überschritten. Von Lärm könne deswegen aber nicht die Rede sein. Auch werde es keinen Schattenwurf der Rotorblätter auf Siedlungsgebiet geben, versicherte Häckner. Die Anlagen würden sich bei entsprechendem Sonnenstand automatisch für diese Zeit abschalten. Gesundheitliche Beeinträchtigungen durch so genannten Infraschall (niederfrequenter Schall unterhalb der menschlichen Hörschwelle) seien nicht zu befürchten, da die Werte in besiedelten Gebieten nicht mehr messbar seien, weil sie den Wert des allgegenwärtigen Infraschalls nicht überschreiten.

Überzeugen konnte er die Zuhörer damit allerdings nicht. Viele Zuhörer waren vor allem enttäuscht, weil sie sich dem Projekt quasi machtlos ausgeliefert sehen. Häckner will größtmögliche Transparenz gewährleisten und interessierte Bürger in die Planung mit einbinden. Hinsichtlich noch offener Fragen etwa zu den genauen Kosten und detaillierten Angaben zu dem Vorhaben konnte Häckner noch keine Antworten liefern. Wie er sagte, steht man am Beginn der Planungen. Einige Antworten will er den Bürgern schriftlich nachreichen, zudem wird es wohl weitere Informationsveranstaltungen geben. Der Windpark soll bis Ende 2017 stehen, womöglich auch erst 2018, wie Häckner erklärte.