Der Geschäftsführer der GUT, Winfried Neubauer, und der stellvertretende Leiter des Haßfurter Stadtwerks, Sebastian Sahlender, gaben wichtige Informationen, wie die Wirtschaftsjunioren informierten.

Die GUT ist die Gesellschaft zur Umsetzung erneuerbarer Technologienprojekte, eine Art Agentur zur Umsetzung der Energiewende unter Federführung des Landkreises. Die beiden Fachleute diskutierten mit den jungen Führungskräften aus der Wirtschaft über die Frage, ob die Energiewende zu schaffen sei und ob sie sich als Kostentreiber für die heimische Wirtschaft erweisen wird.

Sowohl Neubauer als auch Sahlender bezeichneten das Tempo der Energiewende als überhastet und deshalb wohl nur schwer zu schaffen. "Der schnelle Atomausstieg war von der Bevölkerung gewollt, jetzt müssen wir damit vor Ort umgehen", erklärte Neubauer.

Den Kreis Haßberge sieht der Experte als gut aufgestellt und in einer Vorreiterrolle für andere Landkreise. Die Energiewende ist nach Ansicht von Neubauer nur zu schaffen, wenn man mehr Energie einspart, die Energieeffizienz und Wirkungsgrade der Produkte erhöht und mehr erneuerbare Energien einsetzt.

"Derzeit versuchen wir zehn Windkraftanlagen bei Kleinmünster umzusetzen, was ein Investitionsvolumen von zirka 50 Millionen Euro ausmacht", erläuterte Neubauer.

Dabei setze die GUT auch auf das Engagement der Bürger. So solle eine Genossenschaft zur Umsetzung der alternativen Energieprojekte im Landkreis gegründet werden, bei der sich auch Privatleute unternehmerisch beteiligen können. "Für weniger risikobereite Bürger legen wir eine Art Umweltsparbrief auf, mit einer festen Verzinsung", erklärte Neubauer.

Ziel sei es, insgesamt 30 bis 45 Windkraftanlagen im Kreis zu installieren und damit bis zu 200 Millionen Euro zu investieren.

Wer profitiert?


Der Kreissprecher der Wirtschaftsjunioren, Steffen Vogel, fragte in diesem Zusammenhang nach, inwieweit die lokale Wirtschaft von dem Investitionsvolumen profitiere. Nüchtern stellte Neubauer fest, dass dies wohl eher nicht der Fall sei, weil die Hersteller der Windkraftanlagen feste Partner hätten und dementsprechend nur wenige Aufträge an Firmen aus der Region gehen würden.

Hinsichtlich der Strompreisentwicklung prognostizierte der Fachmann nur eine leichte Steigerung in den kommenden fünf bis zehn Jahren, da die Stromproduktion nur sechs Cent pro Kilowattstunde ausmache. Der Rest fließe in Netzentgelte, den EEG-Anteil oder in die Mehrwertsteuer, sagte er.

Neubauer machte deutlich, dass er die Energiekosten nicht als Bedrohung für den Wirtschaftsstandort einschätze. Der eine oder andere Teilnehmer zeigte sich dagegen eher skeptisch.

Sebastian Sahlender sieht die Energiewende als Chance, von der zentralen Energieversorgung über große Kraftwerke zu einer dezentralen Energieversorgung vor Ort zu kommen. Sahlender unterstrich, dass beim Thema Energieverbrauch weniger Potenzial beim Strom vorhanden ist. "Mit der Wärmedämmung der Gebäude kann das größte Einsparpotenzial erreicht werden, was wiederum die lokale Wirtschaft ankurbelt."

Die größte Herausforderung sieht er in der Energiespeicherung. Dazu erläuterte der Fachmann, dass man auf einem guten Weg sei, bei Energieüberschuss Wasserstoff zu produzieren, diesen zu speichern und dann bei Energiebedarf beizumischen. Auch könne man Wasserstoff mit überschüssigem Kohlendioxid vermengen und damit ein synthetisches Erdgas produzieren, das gespeichert werden könne.