Viele Weggefährten und Freunde fanden sich im Zeiler Rathaus ein, um dem Ehrenbürger und früheren Landtagsabgeordneten Heiner Schneier zu seinem 90. Geburtstag zu gratulieren. Obwohl Heiner Schneier eine Gallionsfigur der SPD war und noch immer ist, waren darunter viele Vertreter anderer parteipolitischer Couleur. Denn eines war Heiner Schneier immer wichtig: "Wir haben um die Sache gestritten, aber das ist nie persönlich geworden", betonte er - und sein ehemaliger Landtagskollege Albert Meyer (CSU) stimmte zu.

Zeils Bürgermeister Thomas Stadelmann (SPD) übernahm die Laudatio auf Heiner Schneier im Namen aller SPD-Ebenen, des Landkreises und der Stadt sowie der vielen Vereine, für die Schneier tätig war. Als aktiver, quirliger, vor allem aber hartnäckiger Politiker war Schneier bekannt, der sich auch um das kleinste Anliegen eines Bürgers kümmerte.

Mit einem solchen Anliegen war der junge Regierungsrat Walter Keller 1962 in der Rhön beschäftigt. "Wir konnten das unbürokratisch regeln", erinnerte sich Keller am Montag. Zwei Dinge hätten ihn damals beeindruckt: "Da ist einer ganz nah bei die Leut", dachte er sich beim Eingang des ersten Schreibens vom damaligen Landtagskandidaten Schneier. "Und nach dem Bescheid kam ein Dankbrief - so was habe ich vorher nicht erlebt", so Keller. 18 Jahre lang waren er und Schneier als Landrat und Stellvertreter später über die Parteigrenzen hinweg ein gutes Team.

Seine Umtriebigkeit bescherte Heiner Schneier viele Spitznamen bei der Landtagspresse: Vom "unterfränkischen Maschinengewehr" bis zum "Roten Wirbelwind" reichten die Attribute, doch auch als fleißigster Abgeordneter wurde er geadelt.

Unermüdlich setzte sich "der Heiner", wie er liebevoll genannt wurde, für seinen Stimmkreis ein und für seine Stadt. Als Kreis- und Ortsvorsitzender der Arbeiterwohlfahrt war er entscheidend für den Bau des Altenheims in Zeil verantwortlich.

Nach dem Motto "Nichts ist unmöglich" sei Heiner Schneier unterwegs gewesen und habe nicht selten der Ministerialbürokratie nachdrücklich aufgezeigt, wer ihr Souverän ist, skizzierte Stadelmann in seiner Laudatio. "Angeblich gingen manche Bescheide nur deshalb positiv aus Ministerien, weil die Beamten den wadlbeißenden Volksvertreter endlich loswerden wollten", sagte Stadelmann.

Unglaubliche 50 Jahre lang gehörte er dem Kreistag Haßberge an. Seine Kollegen Erich Heß, Emil Däschner, Günter Lipp und Erich Heß erinnerten sich am Montag gerne an manche Debatte, die es in solcher Form heute nicht mehr gibt. So ging es 1954 um die maximale Bettenzahl im neuen Haßfurter Krankenhaus. Heiner Schneier hatte in Bamberg Zehn-Betten-Zimmer erlebt und wollte solche Zustände auf keinen Fall in dem Neubau im eigenen Kreis. Er plädierte für drei, ein anderer Kreisrat für vier Betten - mit dem (womöglich nicht ganz ernst gemeinten) Argument, dass die Patienten dann einen Schafkopf karten könnten. Heiner Schneier erklärte kategorisch, dass man für den Schafkopf auch jemanden in den Nachbarzimmern finden könnte, und brachte die Mehrheit des Kreistags hinter seinen Antrag.

Schneier ist ein überzeugter Christ und Katholik. Der ehemalige Zeiler Stadtpfarrer Alfred Östreicher erinnerte sich am Montag amüsiert, dass er nach seinem Wechsel nach Zeil aus seiner vorherigen Gemeinde gefragt wurde, ob das stimmt, dass in Zeil der SPD-Vorsitzende regelmäßig in den Gottesdienst geht. Das stimmte. Obwohl Schneier 1964 die politischen Frühschoppen am Sonntag einführte, blieb er seiner Linie treu - sie wurden nämlich auf die Gottesdienstordnung abgestimmt.

Pfarrer Michael Erhart und auch der evangelische Kollege Hans-Christian Neiber würdigten dieses Bekenntnis zur Religiosität und Heiner Schneiers Bemühen, jeden Zeiler Verstorbenen auf seinem letzten Weg zu begleiten. "Das gehört zu den sieben Gaben der Barmherzigkeit und ist gerade heute nicht mehr selbstverständlich", lobte Pfarrer Erhart.

Zuverlässigkeit zeichnet Heiner Schneier bis heute aus. So verschickt er jährlich Weihnachtsgrüße - auch an Staatssekretär a.D. Albert Meyer. Als der Gruß im vergangenen Jahr ausblieb, klingelte bei Thomas Stadelmann im Rathaus das Telefon. Dran war der CSU-Grande aus Haßfurt und erkundigte sich besorgt, "ob der Heiner denn gesund ist".

Viele Menschen hat Schneier für die SPD geworben, viele motiviert, für politische Ämter zu kandidieren, so auch die Pfarrersgattin Susanne Kastner, die 1973 nach Maroldsweisach kam, dann für den Gemeinderat kandidierte und schließlich Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages wurde.

Heiner Schneier dankte für die vielen Lobesworte, "vor allem dafür, dass nur Positives erwähnt wurde", und unterstrich nochmals die Prämissen seines Handelns: immer bei der Wahrheit bleiben, anpacken, was angepackt werden muss, auch wenn es unangenehm ist - und sparsam bleiben. Der Gemeinnutz müsse im Vordergrund stehen, über alle Parteigrenzen hinweg, und jedermann müsse man so akzeptieren, wie er ist. Auch mit 90 versicherte er: "So lange ich kann, setze ich mich für jeden ein, der in Not ist."