Wilde Gerüchte und Spekulationen haben in den vergangenen Wochen und Monaten die Runde gemacht. Von halsbrecherischen Aktionen der Finanzbehörden und schwindelerregenden Zahlen war die Rede. Im Mittelpunkt aller Gerüchte stand und steht der FC Sand. Die Übertreibungen darf man ins Reich der Fabel verweisen. Dafür gibt es keine Belege und schon gar keine Bestätigung.

Dass zum Beispiel angeblich Schweinfurter Zollfahnder den Verein "hochgenommen" haben, wie es aus dem Umfeld des Vereins immer wieder hieß, stimmt nicht: Die Pressestelle des Hauptzollamts Schweinfurt teilte auf Anfrage des Fränkischen Tags mit, dass den "von Ihnen aufgeführten, vermeintlichen Begebenheiten keine Ermittlungen des Zolls" zugeordnet werden könnten.

Aber es gibt Fakten, die deutlich machen, dass der FC Sand, der mit seinen Fußballern in der Bayernliga spielt und das Aushängeschild im Sport des Landkreises Haßberge schlechthin ist, erheblich unter Druck steht. Wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung führt die Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft Hof "im Zusammenhang mit dem FC Sand Ermittlungen". Die Anklagebehörde bestätigte die Untersuchungen schriftlich auf Anfrage unserer Zeitung. Weitere Informationen geben die Strafverfolger allerdings nicht. "Das Steuergeheimnis verbietet die Erteilung weiterer Auskünfte", heißt es wörtlich in dem Schreiben aus Hof.


Vereinsführung äußert sich nicht

Was bedeutet das für den Verein? Gerne hätte unsere Zeitung dazu eine Antwort von der Vereinsführung bekommen. Aber die hüllt sich in Schweigen. "Von der Vorstandschaft gibt's keine Auskunft", teilte die FC-Führung auf Anfrage mit. Wegen des laufenden Verfahrens wolle und könne der Verein keine Angaben gegenüber der Presse machen. Vieles sei noch offen, vieles sei noch ungeklärt, hieß es weiter.

Unklar ist bislang, was im Verein möglicherweise schief gelaufen ist, um welche Personen es bei den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen geht, um welchen Zeitraum und um welche Summen. Aus Vereinskreisen war zu vernehmen, dass es um eine Größenordnung geht, die der FC Sand verkraften könnte. Und wenn nicht? Darüber kann man nur spekulieren.

Die möglichen Konsequenzen für einen Verein im Falle solcher Ermittlungen hat die Staatsanwaltschaft Hof unserer Zeitung erklärt. Der Leitende Oberstaatsanwalt Gerhard Schmitt betonte ausdrücklich, dass er diese Auskunft unabhängig von den Ermittlungen gegen den FC Sand erteile, denn zu speziell diesem Fall werde sich seine Behörde erst äußern, wenn die Ermittlungen abgeschlossen sind.


Oft werden Verfahren eingestellt

Zunächst handelt es sich bei Steuerhinterziehung um eine Straftat, die einen besonderen Fall des Betrugs "zum Nachteil der Öffentlichkeit" darstelle, sagte Schmitt. Es drohe im Falle einer Anklage eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren, wenn sich der Verdacht bewahrheitet. Bei einem Verein, der als solcher keine natürliche Person darstellt, würden im Falle einer Gerichtsverhandlung die Vereinsverantwortlichen herangezogen.

Zur Anklage muss es aber nicht kommen: So könnte es auch einen Strafbefehl geben, oder aber die Ermittlungen werden eingestellt. Das passiert übrigens häufig, wie Schmitt erklärt: Zwei Drittel der Verfahren wegen Steuerhinterziehung würden eingestellt. Dass die Staatsanwaltschaft zu laufenden Verfahren keine Auskünfte gebe, diene auch dem Schutz des Persönlichkeitsrechts. "Es gilt ja auch die Unschuldsvermutung bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung", betont Schmitt. Es gilt also abzuwarten, bis im Fall des FC Sand die Ermittlungen abgeschlossen sind. Sollte die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen einstellen, würde das bedeuten, dass offenbar kein strafrechtliches Verhalten vorliegt. Mögliche Forderungen der Finanzbehörden wären damit aber nicht zwingend vom Tisch.


Verein plant für die Zukunft

An der Zukunft bastelt der Verein jedenfalls schon. Nach dem angekündigten Weggang des Trainers Bernd Eigner zum Saisonende hat der FC die Verpflichtung des neuen Trainers Uwe Ernst bekanntgegeben. Er kommt aus den eigenen Reihen. al/ks/nof