So voll war die Stadtpfarrkirche St. Laurentius an ihrem Namenstag wohl noch nie. Kein Wunder. Schließlich war Bischof Friedhelm Hofmann angereist, um das Patrozinium mit der Gemeinde zu feiern und die Messe zu zelebrieren. Dass es ihm Ebern und die hiesige Gemeinde angetan haben gab der Bischof unumwunden zu. "So schön hatte ich Ebern gar nicht in Erinnerung", schwärmte er nach der Prozession über den Marktplatz.

Dazu trug auch das Wetter bei, weswegen der Bischof nach dem Gottesdienst noch lange beim Laurenzifest saß und eine Bratwurst genoss.

Doch vor dem Vergnügen steht, auch bei Bischöfen, die Arbeit. So zelebrierte er in einer beeindruckend intensiven und überzeugend ehrlichen Art und Weise den Gottesdienst. Das schlug sich auch in der Predigt nieder. Ein Manuskript hatte der Bischof zwar, doch mehr als die ersten Sätze brauchte er nicht.

Er berichtete von seiner eigenen Jugend, in der der Namenstag noch eine ganz andere Bedeutung hatte als heute. "Die Verbindung, die ein gemeinsamer Name zwischen zwei Personen schafft, ist etwas Besonderes", stellte er fest.

Einen Laurentius gefunden

Und umso überraschter war er, als sich auf seine Frage unter den Ministranten gar ein junger "Laurentius" fand. Dann berichtete er von seinem Besuch in Brasilien, erst in der Partnerdiözese Óbidos, im Amazonasgebiet, dann auf dem Weltjugendtag und wie nicht nur ihn der Papst in Rio und besonders die einfachen Gläubigen in Óbidos beeindruckt haben.

"Ziel aller Gläubigen ist es, den Glanz des Himmels unter sich sichtbar zu machen", egal mit welchen Mitteln finanzieller oder gestalterischer Art, stellte er dabei fest. "Auch hier in dieser wunderschönen gotischen Kirche, haben Ihre Vorfahren das getan", lobte er sich in die Herzen der Gemeindemitglieder angesichts des Jubiläums einer umfassenden Renovierung vor 125 Jahren.

Im Anschluss trug sich der Bischof in das goldene Buch der Stadt ein. Dabei freute sich Bürgermeister Robert Herrmann (CSU) besonders, dass "der 88. Bischof von Würzburg - ich hab's nachgelesen" und Nachfolger der früheren Landesherren Eberns der Kleinstadt die Ehre erweise.

Der Bischof stellte im Gegenzug fest, er sei froh, dass er die weltliche Macht nicht mehr habe. Die Aufgabe der "geistlichen Herrschaft" sei besonders in der heutigen Zeit, wo die Jugendlichen immer schwerer den Weg zu Gott fänden, Herausforderung genug.

Zudem stellte er fest "Sie haben es so schön hier, sie müssten glatt Kultursteuer zahlen", was den Stadtverantwortlichen Labsal für ihre heimatliche Eitelkeit war.

Kirchenmusik begeistert

Erfreut zeigte sich der Bischof, der in der Diözese für die Kirchenmusik zuständig ist, auch davon, dass er Eberns neuen Kirchenmusiker Wolfgang Schneider in sein Amt einführen konnte. "Sie haben hier eine gute musikalische Gemeinde", befand der Oberhirte, denn "bisher dachte ich nur die Gemeinde in Mömbris singt so laut und voller Eifer, doch hier ist die Gemeinde mindestens genauso gut".

Für jeden ein nettes Wort

Auf dem Laurenzifest im Anschluss begrüßte der Bischof alle Gäste an den Tischen persönlich und sprach mit vielen. Das beeindruckte. Auch über ein kleines Mädchen, das mutig nach der Kette des Bischofs griff und sie untersuchte, freute sich Friedhelm Hofmann. Ganz dem Leitspruch Jesu folgend "Lasset die Kinder zu mir kommen, denn ihrer ist das Himmelreich", genoss er diese Aufmerksamkeit.

Eine Überraschung hatte Türmer Michael Hofmann für seinen Namensvetter Friedhelm Hofmann. Er trug in bester Türmer-Manier ein Gedicht, welches er eigens für den hochwürdigen Herren geschrieben hatte, vor. Der Bischof hatte daran sichtlich seine Freude, was wiederum den Ebernern gefiel.

So ein Bischof zum Anfassen ist halt doch etwas Seltenes. Auch wenn er, wie Pater Rudolf Theiler feststellte, etwas länger gebraucht hat, bis er endlich den Weg an die "Ostfront" seines Bistums gefunden hatte. Umso erfreuter war der Stadtpfarrer, dass die Zusage zum Patrozinium so schnell und spontan erfolgte.