Mit Kartons kennt man sich bei Aldi aus. In Ebern kommen demnächst Umzugskartons hinzu. Der Discounter zieht vom jetzigen Standort an der alten Ziegelei in einen Neubau auf dem Gelände um, wo bis Ende Februar das Bamberger Autohaus Mercedes Scholz eine Werkstatt betrieben hat. Trotz einiger Bedenken stimmte der Stadtrat in seiner Sitzung am Donnerstagabend im Schulungsraum des Feuerwehrhauses bei drei Gegenstimmen (aus Reihen der Freien Wähler) diesem Vorhaben zu.

Die Handelskette rückt damit an die Seite des Rewe-Marktes und geht mit dem neuen Nachbarn beim Thema Parkplatz - ähnlich wie in Breitengüßbach - über den aktuell vorhandenen Grünstreifen sogar eine Kooperation ein. Das Gebäude mit einer Verkaufsfläche von 1200 Quadratmetern rückt an die Südseite des Areals, eine Ausweitung in Richtung des dort angrenzenden Wertstoffhofes steht nicht mehr zur Debatte.

Viele Gespräche hatte es im Vorfeld dennoch gegeben, wie aus dem Bericht von Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD) deutlich wurde. Und er ließ durchblicken, dass er mit dem Aldi-Umzug gar nicht so glücklich ist. "Wir haben versucht, über den Eigentümer ein Gewerbe anzusiedeln, in dem mehr Leute beschäftigt werden. Aber am Ende wurden wir eines Besseren belehrt."

Dazu gehörte auch die Drohung, dass Aldi komplett aus Ebern abzieht. Hennemann: "Uns wurde gesagt, dass Aldi seit 1986 in Ebern vertreten ist, die Umsätze im Vergleich zu anderen Märkten der Handelskette um 30 bis 40 Prozent hinterher hinken." Deshalb wolle Aldi mit seinem neuen, modernen Markt-Konzept an die B 279. Hennemann stellte abschließend fest: "Aus den Gesprächen wurde deutlich, dass es keine Alternative gibt."


Was wird aus altem Markt?

Des Bürgermeisters größte Sorge ist es, dass der alte Aldi-Markt an der alten Ziegelei weiter belegt bleibt. "Der gehört Aldi und die Firmenvertreter haben uns erklärt, dass sich noch für jeden Aldi-Markt ein Nachnutzer gefunden hat."

Seitens der Regierung von Unterfranken gebe es klare Signale, dass der Umzug genehmigt werde. Dazu müsse aber das Einzelhandels-Entwicklungskonzept aus dem Jahr 2006 überarbeitet werden. Die Kosten dafür übernimmt der Autohausbesitzer Michael Eidenmüller, der seinen Antrag bereits Mitte Juni stellte. Er zahlt auch die notwendigen Bebauungsplan-Änderung, wofür die Bamberger Planungsgruppe Strunz den Auftrag erhielt.

Die Vorbehalte im Stadtrat, über die unsere Zeitung mehrfach berichtete, auch wenn sich die Beteiligten sehr bedeckt gaben, klangen bei Manfred Fausten, Isabell Kuhn und Thomas Limpert an.

Fausten (CSU) sorgte sich um das Gewerbegebiet an der Ziegelei. "Die hätten schon noch etwas warten können", wünschte er sich in Richtung Aldi-Chefs. Isabell Kuhn (Junge Liste) hätte lieber wieder eine Autowerkstatt gehabt, fand aber: "Wir werden's nicht aufhalten." Limpert (Freie Wähler) kritisierte, dass eine Nachnutzung für den bisherigen Markt nicht sicher sei. "Ich nehme denen auch nicht ab, dass sie Ebern - wie angedroht - verlassen würden."

Dazu beruhigte der Bürgermeister, dass seitens der Handelskette versprochen worden sei, dass alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, einen Nachnutzer zu finden, wenn der Stadtrat die Bebauungsplan-Änderung auf den Weg bringt.

Fabian Weber (CSU) erkannte in den Aldi-Plänen einen klaren Vorteil. "Damit haben wir einen Leerstand an der Bundesstraße weg." Außerdem solle der Stadtrat nicht in unternehmerisches Handeln eingreifen, wenn "sich die beteiligten Parteien doch schon einig sind".

Der Plan sieht für den neuen Aldi-Markt neben 1200 Quadratmeter an Verkaufsfläche noch Sozialräume, Toiletten und ein Lager sowie 100 Parkplätze auf dem eigenen Gelände vor, sowie zwei Zufahrten zum benachbarten Rewe-Markt.