Der Sauerbraten und die Schweinskopfsülze dürfen heute vielerorts in Franken schon als exotische Gerichte gelten, denn die Küche hat das Globale entdeckt, Fast Food inklusive. So gesehen geht es auch in Köslau sehr exotisch zu: Lehm, Kalk und vor allem sehr viel Zeit. So, wie früher immer in Franken gebaut wurde, geht Thilo Walter sein Sanierungsprojekt an.
Gleich zwei Fachwerkhäuser hat sich der Sanierungsfachmann vorgenommen, der nach Lehr- und Wanderjahren und neben seinem Arbeitsplatz im eigenen Baubüro in Bamberg in Köslau genau das gefunden hat, was er nach eigenen Worten schon immer gesucht hat: unverdorbene, sprich nicht durch unsachgemäße Sanierung "verdorbene" alte Bausubstanz.

Langsam, aber sicher


Beim Blick auf das mit Planen bedeckte Fachwerkhaus in Köslau würde der Laie meinen, dass wohl nur das Gerüst das "Gerümpel" noch zusammenhält und vor dem Einsturz bewahrt. Vor allem fragt sich der Laie, was Thilo Walter eigentlich in den zwei Jahren getan hat, seit er die "Ruine" beim "Tag des offenen Denkmals" erstmals der Öffentlichkeit präsentiert hat.
Walter singt das hohe Lied der Entschleunigung. Während neue Häuser heute in wenigen Wochen von der Bodenplatte bis zum Einzug aus dem Boden gestampft werden, nähert sich der Exot in Köslau der alten Bausubstanz mit den alten Methoden. "Wer ein altes Haus sanieren will, braucht nicht viel Geld", sagt Walter. Mit viel Eigenleistung und vor allem reichlich Zeit und Geduld schafft man auch heute das, was armen Bauern vor Jahrhunderten gelang: Es waren ja keine Millionäre, die einst die Bausubstanz schufen, die heute bewundernde Blicke auf sich zieht. Bezahlt wurden in der Regel nur der Zimmermann und der Ofensetzer, den Ausbau des Hauses mit Lehm und Stroh übernahmen die Bauherren selbst. Es ist kein Zufall, dass in vielen Dörfern der Haßberge ein kleines Häuschen und ein stattliches Gehöft oft direkte Nachbarn sind: In der kleinen Hütte wohnten die Bauherren, bis der "Palast" nach Jahren fertig war.

Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 9. September


Köslau, zwei Bauernhäuser im Stadium der Renovierung mit traditionellen Methoden, Thilo Walter, 0176/10073330.
Beim "Tag des offenen Denkmals" am Sonntag, 9. September, öffnen sich im Landkreis Haßberge wieder zahlreiche Türen. Die Besucher können staunen und viel über die Baugeschichte oder Sanierungsmaßnahmen erfahren. Schwerpunktthema ist heuer der Naturstoff Holz. Geöffnet sind am Sonntag:
Burgruine Altenstein (11 bis 18 Uhr, Führungen um 13, 14, 15, 16 und 17 Uhr durch Mitglieder des Burg- und Heimatvereins, Kinderprogramm, Mittagessen, Kaffee und Kuchen, Getränke, Ausstellungen zum Thema Brotbacken und alte Berufe. Ansprechpartner Nicolaus Kapp, 09535/1211.
Alte Schule Birkenfeld (10 bis 18 Uhr, Führungen). Als Schule genutzt: 1807 bis 1911. Danach Gendarmerie-Station bis 1963. Info: Familie Dommach, Telefon 09532/1770.
Heimatmuseum Eltmann (13 bis 17 Uhr, Führung nach Bedarf). Vortrag: "Holz; so viel, dass wir es verkaufen müssen. Die Bedeutung von Holzhandel und Flößerei in Eltmann." Irmgard Schneider, Verein für Heimatgeschichte Eltmann, Telefon 09522/6754, und Willi Lediger, Telefon 09522/1000.
Ehemaliger Bezirksfriedhof der jüdischen Kultusgemeinden Kleinsteinach (11 bis 18 Uhr, 14 Uhr Führung durch Israel Schwierz, sonst nicht geöffnet): für den Haßfurter Bezirk 1453 angelegt, erster lesbarer Grabstein von 1604, ursprünglich 1200 Grabsteine, heute 1004 Grabsteine. Cordula Kappner, 09521/958512.
Weinhaus Nüsslein in Zeil (14 bis 17 Uhr), historischer Fachwerkbau, Roger Nüsslein, Telefon 09524/279; Rathaus Zeil (Führungen 10.30 und 14.30 Uhr). Spätgotischer Fachwerkbau mit der Jahreszahl 1540. Beide Führungen starten im Rathaus und gehen in einen Rundgang durch die Altstadt über. Beate Reinhardt, Telefon 09524/9490, und Ludwig Leisentritt, Telefon 09524/6555.