"Wer mich hören will, soll zuhören, die anderen können zu Hause bleiben." Walter Dold, der fast auf den Tag genau seinen 77. Geburtstag feierte, sieht das am "Ende seiner Karriere", wie er selbst sagt, ganz locker. Es ging ja "nur um Luther" bei seinem Vortrag im Rentweinsdorfer Marktsaal. Verwundert blickt er sich dann aber im Saal um und staunt über die große Besucherzahl. Man weiß eben, dass sich ein Besuch "beim Dold" rentiert!
Es ging um den "Sendbrief vom Dolmetschen", ein Thema, das ihn schon fast ein Leben lang beschäftige und mit dem der frühere Lehrer sich nach eigenem Bekunden auch sehr gerne auseinander setze.

Karikaturen von damals

Unterstützt von Matthias Kreyer, der mittels Beamer Karikaturen an die Leinwand schmiss, wie zum Beispiel den "Dudelsack des Teufels" oder "Mönch und Esel" sprach er zur Einführung und Verdeutlichung über eine Zeit, die wir nur noch aus den Geschichtsbüchern kennen. Er redete über Ablasshandel, tot geschwiegene Päpste und vor allem redete er über Martin Luther. Um das Jahr 1500 herum, habe dieser selbst noch nicht gewusst, wer er eigentlich sei und später habe er dann versucht, sich "in den Himmel zu beten."

Mehrfach geflohen

Dold berichtet von Verfolgung und von Staupiz, dem Abt des Klosters, dem Luther angehörte und der ihn auf den Weg gebracht habe. Die Zeit sei reif gewesen für eine Reform und ein Funke habe ausgereicht, um diese anzufachen. Luther wäre einfach nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen, meinte der Sendelbacher. Mindestens einmal habe der Reformer "bei Nacht und Nebel in Unterwäsche auf dem Gaul gehockt," um seiner Verfolgung zu entgehen.

Wie aber kam es zum Sendbrief? Das sei wohl Wenczeslaus Linck, dem Nachfolger von Abt Staupiz, zu verdanken, erklärte der Referent. Nachdem Luther die Bibel "gedolmetscht", also übersetzt hatte, gingen zahlreiche, schriftliche Fragen bei ihm ein, die er akribisch beantwortete und deren Inhalt Linck dazu veranlasste, diese Schriftstücke vielen Menschen zugänglich zu machen. Daraus entstand dann der Sendbrief, der ohne das Zutun Luthers an die Öffentlichkeit gelangte. Im Wesentlichen ging es in diesem um die Übersetzung aus dem Lateinischen und den Umgang mit der deutschen Sprache. Damals schien man der allgemeinen Auffassung gewesen zu sein, dass Gott Latein besser als alles andere verstünde.

Luther habe sich erfolgreich bemüht, eine "Bibel für das Volk" zu schreiben, also auch für die einfachen Menschen, die auf dem Feld oder im Stall arbeiteten und denen vieles von den bis dahin veröffentlichten Bibeln unverständlich geblieben war.

Ihren großen Erfolg habe die Lutherbibel maßgeblich seiner Art der Übersetzung zu verdanken, war sich auch Walter Dold sicher. Und damit begann ihr Siegeszug in fast jeden Haushalt, sie bildete die Grundlage unserer Sprache, als einziges Schulbuch über lange Zeit.

Aber nicht nur den Jungen sollte es ermöglicht werden, lesen zu lernen. Auch Mädchen wurden weggeholt von Küche und Herd und drückten von nun an die Schulbank.

"Jetzt muss ich aber ins Bett," mit diesen Worten beendete der fesselnde Redner seinen Vortrag, wie immer unkonventionell und liebenswert - ein typischer Dold eben, auch ohne Musik.