Ist der zusätzlich angedachte Bus nach Ebelsbach wirklich besser?, diskutiert sie mit einer Kundin. "Dann bleibt eine Linie auf der Strecke", sind sich die beiden einig. Auch die Arzneimittelpreise der unterschiedlichen Apotheken werden genau durchleuchtet. In manchen Fällen lohne sich ja schon die Fahrt nach Bamberg ...

Dabei sollte Erika Schlereth ganz andere Sorgen haben: die 77-Jährige betreibt auf ein paar Quadratmetern noch einen Mini-Dorfladen, der auch als Kommunikationszentrale dient

"Hier wird über das geplaudert, was sie gestern erfahren haben", beschreibt Altbürgermeister Peter Kirchner die Aufgabe des Treffpunktes in der Hauptstraße, der alle 14 Tage von einer Gesellschaft aus Würzburg mit Nachschub beliefert wird. Den Gesprächsstoff liefern die Kirchlauterer selbst. Und davon gibt es genug.

"Zehn Leute kommen unter der Woche am Vormittag vorbei, am Samstag sind's viel mehr", erzählt die Chefin, die seit 1959 täglich im Laden steht. Zunächst gab's Backwaren aus eigener Fertigung, dann aus Reckendorf, nun aus Neubrunn.

"Die Nachbarin kommt jeden Morgen Punkt 7 Uhr und holt sich zwei frischa Brötla", weiß die "Bäcka", die um diese Zeit schon taufrisch hinter der Theke steht, um ihre Stammkundschaft. Die Backwaren halten "das Geschäft hoch", beschreibt Erika Schlereth dieses Standbein.

Dabei ist das übrige Sortiment überraschend groß: Nudeln, Waschpulver, Schnupftabak, Öllichter und eine Flasche Eierlikör stehen unter anderem in den Regalen. Peter Kirchner kauft Blockschokolade, Back-erbsen und einen Laib Brot, weil "die Enkel kumma".

Und wenn er seine Seniorenrunde zusammentrommelt, "bestellen wir immer auch ein paar Kuchen". Wenn es dann so weit ist, hängt auch Erika Schlereth einen handschriftlichen Zettel an die Eingangstür: "Heute Nachmittag geschlossen." Dann hat sie ihre 30 Brötla längst an den Mann oder die Frau gebracht, weil "am Nachmittag tut sich nicht mehr viel."

Höchstens ein paar Vergessliche schauen noch vorbei. "Die kommen doch tatsächlich reingeschneit und fragen: Host nuch a Sahne, ich war grad' beim Aldi und hab's vergessen?", weiß eine Kundin, die dazu heftig mit dem Kopf schüttelt.

Früher seien die Kinder mit "am Fünferla kumma und habn sich a paar Bonbon gholt", zeigt die Chefin einen Wandel auf: "Jetzt haben sie alle ein Zehn-Euro-Schein in der Hand." Und noch ein Indiz für steigenden Reichtum hat die "Bäcka" ausgemacht: "Ein Schuldenbuch wie früher brauch' ich nimmer."