Warum steht man mitten in der Nacht auf, fährt mit dem Auto einige hundert Kilometer, um um 7 Uhr morgens in Eltmann zu sein? "Ich bin leidenschaftlicher Etikettensammler, und da fährt man auch gerne mal ein Stück weiter", begründete Norbert Knorr seine Teilnahme an der "Stüchtl FvB-Tauschbörse" - einer "Bierkrugsammelbörse der "Fördergemeinschaft von Brauerei-Werbemittel-Sammlern" am Samstag. "In der Hoffnung, dass ich 'was Schönes erwische", ergänzte er.

Die knapp 300 Kilometer lange Strecke, die Knorr bereits um vier Uhr in Angriff nahm, machte ihm also nichts aus. Er hatte auf zwei Tischen in der Stadthalle seine Utensilien ausgebreitet. Volle Bierflaschen unterschiedlichster Brauereien, Bierdeckel sowie auch einige Ordner von Etiketten. Die sammelt der Sachse aus Colmitz, einem Ortsteil von Klingenberg, "seit 18 Jahren. Rein zufällig" ist er dazu gekommen. Angefangen hat er nämlich mit Maßkrügen, doch mit der Zeit "wurde es sehr eng", lachte der 52-Jährige.


Fast 90 000 Exemplare

Irgendwann ist er bei Etiketten gelandet. "Die nehmen nicht so viel Platz weg." Doch mittlerweile ist es diesbezüglich auch schon recht eng geworden: In 100 dicken Ordnern befinden sich immerhin schon knapp 90 000 Exemplare. Spaß macht ihm die Sammlerei immer noch. "Es kommt immer wieder was Neues."

Zwar hat Peter Wauer zu Hause auch Briefmarken. Doch noch größer ist seine Leidenschaft für Bügelverschlussflaschen. "Ich habe zurzeit über 3000 verschiedene", sagte der 50-Jährige aus Münchberg. "Die Köpfe biete ich zum Verkauf an, natürlich nur die Doppelten."

Seine einfache Begründung: "Man kann nicht soviel sammeln, ich habe zuhause noch 300 000 Bierdeckel, und irgendwann reicht der Platz nicht mehr aus", grinste Wauer, der auf seine übervolle, zehn mal sechs Meter große Garage verwies. "Die ist auch unterkellert. Dort stehen meine Krüge und meine Flaschen. Und im Dachboden habe ich meine Bierdeckelsammlung."


Mit sechs Jahren begonnen

Kein Wunder aber, dass der Oberfranke bereits so viel gesammelt hat, schließlich hat er bereits als Sechsjähriger angefangen. "Das hat mir damals einfach gefallen", erinnert er sich. Wie findet das seine Ehefrau, wenn er jährlich "zwischen fünf und sechs Tauschtreffen" besucht und in Eltmann - angesichts seiner vierten Teilnahme - sozusagen Stammgast ist? "Die Bierdeckel sind später einmal für den Ofen gut."

Wer jetzt glaubt, das Sammeln von Brauerei-Werbemitteln ist eine reine Männerdomäne, der irrt. Mit ihrem Mann Heinz war Margarete Stellwag gekommen, aus Neuhof nahe Ansbach. Auch das Ehepaar war bereits um 7 Uhr in der Wallburgstadt, um erste Tauschgeschäfte vorzunehmen. "Ich bin eigentlich nur Begleitperson", machte die 68-Jährige zwar deutlich. Doch mittlerweile hält sie die Stellung am Verkaufsstand, wenn sich Heinz um neue Bierdeckel bemüht. Die stehen bei den Stellwags hoch im Kurs.

Im Kellerraum sowie in der Garage haben sie ihre Brauerei-Artikel sortiert. Spaß macht ihr das Hobby ihres Mannes schon, auch wenn sie "immer die gleichen" antrifft. Im Schnitt fahren die Mittelfranken "dreimal im Jahr" zu ähnlichen Veranstaltungen. "Öfter nicht. Es sind ja doch immer weite Strecken zu fahren." Getauscht wird meist mit Gleichgesinnten aus dem Bayerischen Wald, Baden Württemberg oder auch Schleswig-Holstein - per Post. "Die schicken sich immer gegenseitig Sachen zu."


Lauter gute Bekannte

Der Eltmanner Herbert Bott, Hauptorganisator der "Stüchtl FvB-Tauschbörse", zeigte sich mit der Resonanz "vollauf zufrieden. Ich habe gar nicht mit so vielen Besuchern gerechnet", freute sich der 73-jährige Rentner über Sammler aus Franken, Böhmen, Köln, Hamburg. "Es sind viele Bekannte da. Ich muss sagen: echt super", so der gelernte Brauer und Mälzer, der selbst seit Jahren sammelt, kauft und tauscht und somit in der Szene bestens bekannt ist.