Ihre Meisterstücke präsentierten die 18 Absolventen des Kurses 56 der Meisterschule für das Schreinerhandwerker in Ebern und erhielten damit gleichzeitig auch ihre Zeugnisse und den Brief, der das Recht verleiht, den geschützten Titel als "Schreinermeister" zu führen.

Welch hoher Anspruch dahinter steckt, unterstrichen sie auch mit ihren einzigartigen Meisterstücken, die bei Fachleuten und Gästen einen sehr guten Eindruck hinterließen.

18 Absolventen

Von den 18 Absolventen der Meisterschule waren elf aus Bayern, sechs aus Nordrhein-Westfalen und einer aus Hessen. Darunter waren auch zwei Damen.
Aus dem Verbreitungsgebiet dieser Zeitung kommen die "frisch gebackenen" Meister Tobias Bärmann, Untersiemau; Patrick Adelhardt, Königsfeld; Daniel Frisch, Küps; Johannes Fröschlein, aus Busendorf (Markt Rattelsdorf); Philipp Heilingloh, Meeder; Jonas Köhler, Egloffstein; Marcel Mittelbach; Rodach und Bernd Reichelt, Stegaurach.

Als "Abschlussbeste" aus dem Kurs 56 wurden ausgezeichnet:
1. Christoph Dressen, Heimbach/Düren (Notendurchschnitt 1,79)
2. Tobias Bärmann, Untersiemau/Coburg; Tjorven Annika Hofmann, Itzenhausen/Kassel und Marco Rochus, Essen (allesamt 2,07)

Die Meisterschule Ebern gehört mit maximal 60 Schülern in drei Semestern zu den kleinen Fachschulen in Bayern, hat sich aber seit ihrem Bestehen deutschlandweit einen Namen gemacht. Und das merkt man beim Blick auf die Teilnehmer. Insbesondere auch aus dem Raum Köln, Essen Düren und Soest kamen diesmal Schüler.

Zwei Frauen dabei

Andrea Jackermeier aus Poikam in Niederbayern und Tjorven Annika Hofmann aus Witzenhausen/Kassel waren die beiden einzigen Frauen, die sich durchaus in der "Männerwelt" wohl fühlten. "Für mich ist das inzwischen ganz normal, weil ich ja schon in meinen bisherigen Berufsjahren ausschließlich Männer als Arbeitskollegen hatte", meinte Andrea Jackermeier.

Obwohl es auch im Süden von Deutschland noch zwei Meisterschulen gibt, kam sie zur Ausbildung nach Ebern - und das hatte seinen besonderen Grund. "Hier in Ebern war schon mein Chef, bei dem ich gelernt habe. Und auch mein Chef aus meiner Gesellenzeit war in Ebern und machte mich auf diese Schule aufmerksam.
Dabei kommt sie nicht aus einer elterlichen Schreinerei, sondern ist mehr durch Zufall in dieses Berufsfeld gestoßen. "Mein Dad hatte zu Hause eine Hobbywerkstatt und da habe ich ihm immer zugeschaut und ihm auch geholfen. Es machte mir Spaß" und so ist sie Schreinerin geworden. Für die Zukunft schwebt ihr vor, als Ausbilderin in eine Werkstatt oder auch als Planerin in ein entsprechendes Büro zu wechseln.

Sehenswertes Meisterstück

Bei dem jungen Schreinermeister Johannes Fröschlein aus Busendorf/Rattelsdorf verhält sich alles ganz anders und liegt der Umgang mit dem Holz wahrscheinlich schon im Blut. "Schon mein Opa betrieb nämlich eine Wagnerei und als sich die Holzräder nicht mehr so drehten, verlegte er sich mehr auf Holzzäune und Schreinerarbeiten.

Eine modernere Schreinerei mit dem entsprechenden Maschinenpark hat aber dann mein Vater aufgebaut, wobei auch mehr der Treppenbau mit Blickpunkt stand. Nun wollen wir den Schwerpunkt weiter auf den Möbelbau verlagern, wozu auch ein Anbau notwendig ist."

Fröschlein will den elterlichen Betrieb einmal übernehmen. Aber seine Lehrjahre und auch die Gesellenzeit verbrachte er in einem Betrieb in Bamberg. Parallel machte er sogar sein Fachabitur nach, um sich auch noch schulisch weiterzubilden.

Als Meisterstück hatte er sich ein Büromöbelstück ausgesucht und geplant. Es ist an der Wand befestigt ist und besticht durch seine Formen. Der Fachmann wird sofort erkennen, dass das Möbelstück ohne jegliche gerade Flächen und Linien, den Einschüben und der Oberflächenbehandlung eine richtig aufwendige Arbeit war.
Von den drei Semestern an der Meisterschule war Fröschlein begeistert. "Mein Vater hat hier schon die Meisterprüfung im Kurs 3 absolviert und ich war jetzt im Kurs 56. Wir haben sehr viel gelernt, zumal auch der Maschinenpark super ist. Und das Verhältnis von Lehrern und Schülern fand er toll.
Aus einer alten Eibe
Auch für Tobias Bärmann aus Untersiemau bei Coburg lag der Grund für die Meisterausbildung in der späteren Übernahme des Betriebes seines Vaters. Seine Lehrjahre absolvierte er deswegen auch in einem anderen Betrieb, in dem er weitere Gesellenjahre verbrachte, um nun nach drei Semestern an der Fachschule in Ebern seinen Meisterbrief entgegennehmen zu dürfen.
Sein Meisterstück ist etwas Besonderes, denn es ist aus einem alten Eibenstamm gearbeitet. Die Eibe stammt aus dem Garten einer alten Damen, die ihm diesen ältesten heimischen Nadelbaum überließ. Eibenholz gilt als hart, aber elastisch und war deswegen im Mittelalter sehr begehrt für die Herstellung von Bögen und Armbrüsten.

Prädestiniert für den Denkmalschutz

Bärmann hat damit einen Aufbewahrungsschrank auf einem Stahlsockel gebaut, der in seiner Form sehr abstrakt wirkt. Der Stamm der Eibe bricht dabei optisch durch die Platte hindurch und ist individuell behandelt, so dass auch die charakteristische Holzfarbe deutlich zum Ausdruck kommt. Die zwei Korpusse sind eingelassen, auf Gehrung geschnitten und mit Furnier längs umlaufen wie aus einem Guss. Dabei sieht man keine Griffe, sondern über ein Magnetsystem öffnen sich Tür und der Schubkasten.

Beobachter aus dem Bereich Antiquitäten und des Denkmalschutzes stellten fest, dass in diesem Meisterstück ein ganz exquisites Gespür für den Umgang mit außergewöhnlichen Hölzern und eine Affinität zu außergewöhnlicher Form- und Gestaltgebung zum Ausdruck komme. Sie ermunterten den jungen Meister, die Denkmalpflege im Auge zu behalten, zumal hierzu die Aufbaukurse der Meisterschule ein gutes Angebot darstellten.

Bärmann hat klare Ziele. "Natürlich will ich in unseren Betrieb einsteigen und den Möbelbau noch weiter ausbauen, wobei ich gerne auch Einzelstücke fertigen würde."

Auch die übrigen Ausstellungsstücke der jungen Meister zeigten die Vielseitigkeit des Schreinerberufs auf. gg