Indem er über einen Zaun kletterte und am Gebäude dahinter eine Scheibe einschlug, verschaffte sich ein 43-jähriger Mann aus dem nördlichen Landkreis Haßberge Zutritt zu dem Verkaufsraum eines Geschäfts in Hofheim. Dort entwendete er laut Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Bamberg Waren im Wert von rund 100 Euro, darunter einen Hammer und mehrere Taschenlampen. Vor Richterin Ilona Conver gab der Mann die Tat zu. Er habe sie unter dem Einfluss von Drogenersatz-Stoffen begangen, also im Rausch, erklärte er. Ein DNA-Test hatte die Ermittler auf die Spur des Mannes gebracht.

Die Verhandlung am Amtsgericht in Haßfurt war die Fortsetzung eines Strafverfahrens, das sich weiter in die Länge zu ziehen drohte. Denn Stefan Wagner, der Verteidiger des 43-Jährigen, machte unmissverständlich klar, dass er notfalls durch alle Instanzen gehen würde, wenn sein Mandant eine in seinen Augen zu hohe Strafe erhielte, sprich: eine Freiheitsstrafe, die nicht zur Bewährung ausgesetzt wird. Nach Meinung des Anwalts wäre sogar eine Geldstrafe ausreichend.

Richterin Ilona Conver und die Vertreterin der Staatsanwaltschaft, Christina Gerig, sahen das etwas anders. Während seitens der Staatsanwaltschaft wegen der elf Vorstrafen des Angeklagten eine Bewährung nicht in Frage kam, ließ Richterin Conver den Mann noch einmal davon kommen: Sie verurteilte ihn am Ende der Verhandlung zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung - und der 43-Jährige muss eine Drogentherapie machen.

Außerdem verhängte die Richterin eine Geldbuße in Höhe von 500 Euro im Zuge dieser "sinnlosen Tat im Drogenrausch", bei der zwar weder großer Entwendungsschaden noch sonstiger Schaden entstanden sei. Allerdings sei das "kein normaler Diebstahl" gewesen, sondern ein Einbruchdiebstahl. Wegen der vielen Vorstrafen komme eine Geldstrafe nicht in Frage. Ob es richtig war, die Freiheitsstrafe zur Bewährung auszusetzen, müsse die Zukunft zeigen. Zweifel hatte die Richterin durchaus: Wenn man sich die elf Vorstrafen (unter anderem wegen Diebstahl, Beleidigung, Drogenbesitz und -schmuggel) anschaue, führe das dazu, "dass man den Eindruck gewinnen kann, dass das bei Ihnen gar nichts nutzt".

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft, Christina Gerig, sah das auch so und hatte in ihrem Plädoyer eine Freiheitsstrafe von einem Jahr ohne Bewährung gefordert, denn der Angeklagte habe sich bis jetzt von den vielen Vorstrafen nicht abhalten lassen, weiter Drogen zu nehmen und weitere Taten zu begehen. Die Anklagevertreterin behielt sich nach der Urteilsverkündung vor, in Berufung zu gehen.

Verteidiger Stefan Wagner hatte bei seinen Ausführungen betont, dass das Geständnis seines Mandaten sehr hoch zu bewerten sei. Der DNA-Test sei nicht als eindeutiger Beweis zu sehen. Zum Hintergrund: In dem Verkaufsmarkt in Hofheim nutzte der Einbrecher einen Meißel, um Schubladen aufzubrechen. Der Meißel war Teil des Sortiments gewesen und neu verpackt, weswegen die Polizei in Haßfurt einen DNA-Test veranlasste. Das Ergebnis führte die Beamten dann zu dem 43-Jährigen, der in der behördlichen Datenbank vermerkt war.
Vor Gericht sagte der Verteidiger nun, dass das DNA-Material deswegen kein eindeutiger Beweis sei, weil es auch bei einem "normalen" Besuch seines Mandaten in dem Hofheimer Geschäft an den Meißel gelangt sein könnte.

Jedenfalls, so betonte der Anwalt, hätte man die Gerichtsverhandlung aufblähen können. "Aber der Angeklagte zeigt sich geständig." Auch sehe er keine Anzeichen dafür, dass sein Mandant weitere Straftaten begehen werde. Richterin Ilona Conver war sich da nicht so sicher, kam dem Verteidiger allerdings entgegen. Und zwar in der Hoffnung, dass ihrem Urteil keine weiteren Straftaten des 43-Jährigen folgen und dass dieser Strafprozess das Ende dieser Serie an Straffälligkeiten bedeute.