Das Grundthema ist einerseits brandaktuell, andererseits ein Dauerbrenner in der pädagogischen Diskussion: Wie geht man am besten mit "schwierigen Schülern" um? Sind Strenge sinnvoll und das unbedingte Pochen auf Regeln? Oder sind es Verständnis und Beschäftigung, die es den Schülern ermöglichen, Erfolgserlebnisse zu verbuchen? Dies waren die Kernfragen in dem Musical "Die Kinder des Monsieur Mathieu", das die Schulspielgruppe und der Chor der Wallburg-Realschule Eltmann in einem gemeinsamen Projekt aufführten.

Die Handlung des Theaterstücks mit Musik, das die Lehrer Magdalena Walter und Sebastian Franz seit Jahresbeginn mit den Schülern einstudiert hatten, folgte dem bekannten französisch-schweizerischen Kinofilm aus dem Jahre 2004, der zu den erfolgreichsten Filmproduktionen der vergangenen Jahre gehört. Der Chorgesang spielt darin eine besondere Rolle.

Der neue Erzieher Monsieur Mathieu, eindrucksvoll und mit großem Talent gespielt von Vanessa Hübner (6a), kommt in der Nachkriegszeit an ein französisches Internat für schwer erziehbare Jungen, das mit harter Hand von Direktor Rachin (Nike Kutzner, 8d) geführt wird. Der mehr sanfte Musiklehrer Mathieu ist von den brutalen Erziehungsmethoden des Direktors schockiert. Er empfindet eher Mitleid für die Jungen, die nicht nur unter ihrem schweren Schicksal leiden müssen, sondern auch unter ihrer Perspektivlosigkeit. So ist es kein Wunder, dass sie teils kriminell oder gewalttätig reagieren. Schüler, die "nur Geld" stehlen, gehören noch zu den Harmlosen.

Gegen alle Hindernisse

Mathieu gelingt es jedoch gegen alle Hindernisse an der Schule, die Tristesse und den Schrecken zu durchbrechen, indem er einen Chor aufbaut. Mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen schafft er es, aus dem unkoordinierten Haufen von Schülern, der singt wie ein "rostiger Eimer", einen beeindruckenden Chor zu formen. Der Klangkörper weckt sogar die Aufmerksamkeit einer reichen Gönnerin aus dem Wohltätigkeitsverein.

Vielleicht ein bisschen ähnlich wie dem Monsieur Mathieu mag es Magdalena Walter und Sebastian Franz in den vergangenen Wochen und Monaten ergangen sein. Sie studierten die Musik mit den Schülern ein. Dazu gab es sogar drei gemeinsame Probentagen im Schullandheim. Die Mühen lohnten sich aber.

Auf hohem Niveau

Der Schulchor, bestehend aus Schülern der Klassen fünf bis neun, sang und spielte auf beeindruckend hohem Niveau. Eine tolle Leistung. Und dies umso mehr, da das Theaterstück nicht nur wegen der vielen französischen Begriffe und Namen als schwierig gilt.

Dank der erfolgreichen Aufführung gelang es den Zuschauern, unter denen auch Frauen und Männer aus dem Seniorenheim "Senivita" waren, sich auf das Stück und die stimmungsvolle Musik einzulassen und sich davon in Bann ziehen zu lassen. Einhellig waren deswegen die begeisterten Kommentare des Publikums: "Ganz große Klasse" hieß es zum Beispiel. Und das Stück berührte die Menschen. Nicht nur eine Dame war so bewegt von der traurigen Geschichte des Stücks, dass sie verstohlen ein Taschentuch zückte.

Wie im wahren Leben erleidet Mathieu als Pädagoge jedoch mehrere Rückschläge, den heftigsten sicherlich, als das Internat von einem Schüler in Brand gesteckt wird. Und es gibt für den liebevollen Idealisten, der sich mit dem hartherzigen Direktor auseinandersetzen muss, auch kein "Happy End".

Tröstlich scheint auf alle Fälle die reelle Hoffnung, dass der Chor der Wallburg-Realschule einer rosigeren Zukunft entgegen sieht als die Vorlage aus dem Film und seine Zuhörer in Zukunft mit weiteren grandiosen Vorstellungen beglücken wird.