Seit der Sanierung der Haßfurter Mittelschule (Albrecht-Dürer-Volksschule) verursachen Buntspechte jedes Jahr enorme Schäden an der Fassadendämmung. Der Zweckverband Schulzentrum Haßfurt als Träger der Schule zeigt sich aber spechtfreundlich und lässt die Löcher, die die Vögel in die Fassade hämmern, jedes Jahr aufs Neue schließen. Den Zweckverband bilden der Landkreis und die Stadt Haßfurt.

Die Westseite der Mittelschule ist ein regelrechtes Vogelparadies, wie das Landratsamt Haßberge in Haßfurt mitteilte. Zumindest für die Vögel, die Jahr für Jahr an die Schule zurückkehren und dort die Gebäudefassade löchern.

Horst Hofmann, Geschäftsführer des Landratsamtes und des Schulzweckverbandes, berichtet von mehreren Buntspechten, die an zehn bis 15 Stellen die Dämmung herausklopfen. Jedes Jahr aufs Neue werden die Löcher wieder verschlossen und verputzt. Das verursacht Kosten in Höhe von 1500 Euro. Hofmann nimmt's mit Humor: "Spechte stehen unter Naturschutz. Uns bleibt also nichts anderes übrig, als die Löcher wieder zu verschließen." Alles andere helfe nicht. Man habe schon versucht, die Vögel mit aufgehängten CDs abzuschrecken. Aber auch das habe nicht geholfen, erklärt Thomas Will vom Hochbauamt des Landkreises.

Warum verwechseln Spechte die Häuser mit Bäumen? Auf die Frage gibt Ludwig Lipp, Vogelexperte an der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Haßberge, die Antwort: "Das kann man so sagen. Die Spechte fliegen an die Hauswand, bevorzugt an die Ecken des Hauses. Durch die Struktur des Putzes verwechseln sie die Wand mit der Borke an Bäumen und finden's da eigentlich auch ganz interessant. In Borken suchen die Spechte nach Nahrung - Insektenlarven. Sie wissen leider vorher nicht, dass sie in der Hauswand nichts finden werden."

Die Vögel lernen nichts aus der Erfahrung, dass sie vergeblich angeklopft haben. "Sie merken sich das nicht unbedingt", erklärt Lipp. "Spechte sind dann anscheinend penetrant und versuchen jedes Jahr aufs Neue, dort Nahrung zu finden."

Was kann man denn tun, um die Spechte von der Fassade fernzuhalten? Ludwig Lipp empfiehlt, Flatterbänder aufzuhängen oder Spiegel. Spechte hätten in der Regel vor allem Angst, "was sich bewegt", erläutert Lipp.
Eine elegante Methode ist nach seiner Darstellung die Anbringung von Rankgittern und Seilsystemen, an denen man Pflanzen hochwachsen lässt. Die Spechte scheuten Dickicht. Wenn man die Ecken der Häuser mit "Dickicht" bepflanzt, sähen sie ihren Baum, also die Hausecke, die sie dafür halten, nicht mehr und flögen daran vorbei.

Drastischere Methoden darf man nicht ergreifen. Ludwig Lipp: "Das geht nicht, weil der Specht, wie alle Vogelarten, geschützt ist. Deswegen darf man ihn nicht verfolgen. Und es wäre natürlich auch eine komische Sache, wenn auf dem Schulgelände Spechte von einem Jäger abgeschossen würden. Auch für die Kinder wäre das gefährlich."

Für den Vogelexperten ist es nicht überraschend, dass die Vögel in bebaute Gebiete kommen, obwohl sie eigentlich im Wald leben. "Sobald ein paar alte Bäume irgendwo stehen, kommen auch die Buntspechte. Vor allem suchen sie in besiedelten Gebieten nach Nahrung oder Brutplätzen", erklärt Lipp.

Der Fachmann rechnet jedoch mit keiner Specht-Invasion. Die Spechte paaren sich in der Regel einmal im Jahr und vermehren sich deshalb auch in Haßfurt oder anderen Orten nicht stärker als anderswo.

Allerdings scheinen die Buntspechte tatsächlich einen Narren an der Mittelschule gefressen zu haben. Denn in dieser Woche sind, wie die Landkreisbehörde in Haßfurt weiter informierte, drei neue Löcher an der Fassade aufgefallen.