Vor Bürgermeistern, Bauhofleitern, Vertretern des Jobcenters und des "ZAK-Teams" ("ZAK" steht für "Zukunft mit Arbeit im Kreis Haßberge") stellten Holger Weininger, Geschäftsführer der Landkreis-VHS, und Uwe Blos, Leiter der ZAK-Geschäftsstelle, die Ergebnisse aus gut drei Jahren mit dem Projekt "Bürgerarbeit" vor. Diese Tätigkeit ist auf Arbeitslose gerichtet, die Hilfe bei der Bewältigung ihres Lebens benötigen, trotzdem in der Lage sind, erwerbstätig zu sein, aber längere Zeit nicht in den ersten Arbeitsmarkt vermittelt werden konnten. Die Maßnahme "Bürgerarbeit" wird mit Ende des Jahres 2014 auslaufen.

Ein Musterfall

Weininger hatte für die abschließende Präsentation das Umweltbildungszentrum des Kreises (UBIZ) ausgewählt, denn hier konnte er sogleich ein lebendiges und äußerst überzeugendes Beispiel der erfolgreichen "Bürgerarbeit" vorstellen. Der "Bürgerarbeiter" Besic Tevzadze ist einer von insgesamt 56 Teilnehmern, die seit Januar 2011 erfolgreich im Projekt betreut werden. Vor zehn Jahren kam er aus Georgien nach Deutschland, fand aufgrund fehlender Voraussetzungen keinen Job und erhielt im UBIZ einen "Bürgerarbeitsplatz". Unter Anleitung der pädagogischen Mitarbeiterin Dr. Brenda Pfenning legte er einen Lehr- und Demonstrationsgarten an und betreut seitdem die Außenfläche des Zentrums.

Anschaulich erläuterte er den Veranstaltungsteilnehmern seine Vorgehensweise und dankte für die Hilfe, die er als Projektteilnehmer erhalten habe. Die Arbeit wirke sich positiv auf sein gesamtes Befinden aus, er sei zu einem wichtigen Mitglied des UBIZ geworden und fühle sich für sein Aufgabengebiet verantwortlich. Von seiner wieder gefundenen Lebensfreude profitiere auch seine Familie. "Die beiden elf- und 13-jährigen Töchter packen mit an im UBIZ-Garten", wie dieser Tage, wenn große Hitze täglich mehrmaliges Gießen erforderlich mache.
"Wie wird es weitergehen?", fragte ihn der Oberauracher Bürgermeister Thomas Sechser (CSU), "wissen Sie das schon"? Kopfschütteln und ein hoffnungsvoller Blick des "Bürgerarbeiters" ließen erkennen, wie sehr er auf Fortsetzung hofft.

Geht es weiter?

Auf Weiterführung des Projektes, wenn nicht in dieser, dann in anderer Form, hoffen auch die Engagierten der VHS und des ZAK-Teams, die Bürgermeister und die Bauhofleiter, das wurde deutlich.
Seit März 2011 hat das ZAK-Team unter Leitung von Blos die Bürger betreut, die in vielen Bauhöfen der Landkreisgemeinden beschäftigt und teilweise in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse vermittelt werden konnten.

Die Leiterin des UBIZ, Bettina Stroh, verwies auf "viele Jahre Zusammenarbeit mit dem Jobcenter" und arbeitspolitische Maßnahmen, wie vormals Arbeitsbeschaffungs-Maßnahmen (ABM), "ohne die es das UBIZ vielleicht nicht geben würde".

Der Vorsitzende der Landkreis-VHS, Bürgermeister Holger Baunacher aus Wonfurt (CSU), bezeichnete neben anderen Projekten der VHS das der "Bürgerarbeit" als herausragend. "Bürgerarbeit war ein großer Erfolg", sagte er und verlieh dem Projekt das Prädikat "Spitze".

Neue Herausforderungen werde die VHS auch zukünftig mit flexiblem Handeln und dienstleistungsorientiertem Denken meistern, unter anderem im "Bewerbungsbüro" oder im Projekt "Zukunftscoach". Gleichzeitig werde sie ihre Kernaufgaben wahrnehmen. "Die Tätigkeiten der ‚Bürgerarbeiter‘ kommen den Menschen im Landkreis zugute" betonte Baunacher. Er hoffe auf "Nachfolgemaßnahmen, die Perspektiven für langzeitarbeitslose Bürger bieten".

Positive Effekte

ZAK-Geschäftsstellenleiter Blos machte den Erfolg der Maßnahme "Bürgerarbeit" an weiteren Beispielen deutlich: "Wilde Müllkippen am Ufer des Mains und an der Brücke Horhausen wurden erfasst und beseitigt, Sitzgruppen in der Natur neu angelegt und viele sinnvolle Tätigkeiten verrichtet". Die Menschen, die fast ausschließlich einen niederen oder keinen Schulabschluss hätten, haben laut Blos dazugelernt.
Defizite in der Bildung, teilweise Suchtprobleme, problematische Familienverhältnisse oder gesundheitliche Schwierigkeiten führten dazu, dass häufig nur einfache Aufgaben zu lösen seien. Trotz langsamer Arbeitsweise und mangelnder Belastbarkeit hätten sie im Verlauf der Begleitung wichtige soziale Kompetenzen, darunter Pünktlichkeit, Teamfähigkeit oder Flexibilität, erworben. "80 Prozent aller Teilnehmer haben stabil durchgehalten und konnten ihre Leistungsfähigkeit steigern", berichtete Blos. 17 der 56 Personen seien zurück in den Bezug von Arbeitslosengeld-II gefallen.
"Mangelnde Qualifikation und fehlende Mobilität" nannte Blos die Hauptursachen für das Scheitern der Bemühungen. "Einige Menschen fallen nach der Maßnahme wieder zurück in ein Loch", sagte Blos, aber für die Mehrheit sei eine Steigerung des Selbstwertgefühls zu verzeichnen. "Man soll die Leute einfach da einsetzen, wo sie Freude an der Arbeit haben", gab der Projektleiter die Meinung einiger Bürgermeister wieder. Auf Befragen hätten die "Bürgerarbeiter" übereinstimmend angegeben, sie fühlten sich an ihrem Arbeitsplatz im Bauhof wohl, sähen sich als Teil der Gemeinde und würden das Gefühl, gebraucht zu werden, sehr schätzen. "Eine Person sagte", so Blos, "die Maßnahme ist mein persönlicher Rettungsschirm".