Nur selten erlebt die Filialkirche St. Georg in Weisbrunn einen Pontifikalgottesdienst mit einem Bischof. Viele Gläubige aus der Pfarreiengemeinschaft Main-Steigerwald feierten mit.

Anthony Adaji ist Bischof der Diözese Idah in dem westafrikanischen Land. Fünf Priester seiner Diözese halten sich derzeit in Deutschland auf, und alle paar Jahre besucht der Bischof sie. Einer dieser nigerianischen Priester ist Mark Odah. Er kam in die Diözese Würzburg, um seine Doktorarbeit zu schreiben, seit dem Herbst 2015 hilft er in der Pfarreiengemeinschaft als Seelsorger aus. Kurz nachdem 2015 Pfarrvikar Thomas Drexler eine neue Stelle angetreten hatte, war erkrankte der Eltmanner Pfarrer Thomas Klemm. In dieser personellen Notsituation verlegte Mark Odah seinen Wohnsitz nach Eltmann, übernahm die Stelle als Aushilfspriester und ergänzte das Seelsorgeteam. Vor allem in der Pfarrei Oberschleichach, aber auch in der Filiale Weisbrunn feiert er regelmäßig Gottesdienste. Und da Mark Odah am Samstag 36. Geburtstag hatte, gab es bei dem Gottesdienst einen weiteren Grund zum Feiern.


Viel Geistlichkeit

Gemeinsam zelebrierte der Bischof diesen Gottesdienst mit Stadtpfarrer Thomas Klemm, Ruhestandspfarrer Ottmar Pottler, Pfarrer Blaise Okpanaschi aus Elfershausen, Seelsorger Mark Odah, Diakon Joachim Stapf und Pastoralreferentin Barbara Heinrich.

In seiner Predigt betonte der Bischof die Kraft des Christentums, Menschen auf der ganzen Welt zu verbinden. "Die Liebe Christi ist es, die uns alle zusammenführt", übersetzte Pfarrer Blaise die auf englisch gehaltene Predigt. Demut, Barmherzigkeit und Dankbarkeit stellte Bischof Anthony in den Mittelpunkt seiner Worte. Dankbar sei er dafür, wie gut Mark Odah hier in der Pfarreiengemeinschaft aufgenommen sei, dankbar sei er dafür, was Deutschland für die Flüchtlinge tue und sehr dankbar nahm er die Kollekte des Abends entgegen, die für die Arbeit in der Diözese Idah gesammelt wurde.

Nach einem gemeinsam gesungenen "Zum Geburtstag viel Glück" für Mark Odah und einem Geschenk vom Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Martin Christa gab es anschließend trotz Regens noch die Gelegenheit, mit Bischof Anthony und den Pfarrern ins Gespräch zu kommen.


Seit zehn Jahren in Deutschland

Seit zehn Jahren wirkt Blaise Okpanachi in Deutschland, bei ihm im Pfarrhaus von Elfershausen wohnt der Bischof während seines zweiwöchigen Aufenthalts.
Mark Odah erklärte im Gespräch mit unserer Zeitung, dass er sich sehr gut aufgenommen fühle in der Pfarreiengemeinschaft Main-Steigerwald. "Eine wunderbare Erfahrung" sei es für ihn, neben seinem Doktoranden-Studium den priesterlichen Dienst hier wahrzunehmen. Ein bisschen Orientierung brauchte er anfangs, wenn er nach dem 9-Uhr-Gottesdienst in Oberschleichach weiter musste nach Trossenfurt für die 10.30-Uhr-Messe, aber Aufregung oder Nervosität merkt man ihm nie an. "An meiner deutschen Aussprache arbeite ich intensiv", erklärte er.


Wie sieht es in Nigeria aus?

In Nigeria gibt es über 500 Sprachen und Dialekte, die Amtssprache ist Englisch. Die Diözese Idah gehört zum Erzbistum Abuja. Abuja ist die Hauptstadt Nigerias, des mit Abstand bevölkerungsreichsten Landes Afrikas. In etwa jeweils die Hälfte der 150 Millionen Einwohner sind Moslems, die andere Hälfte Christen, allerdings sind unter den Christen 65 Prozent protestantisch und nur 25 Prozent katholisch.

Der Norden Nigerias ist überwiegend islamisch, der Süden christlich geprägt, doch auch in Nigeria gibt es seit Jahren islamistischen Terror unter anderem durch Boko Haram. Im Norden des Landes wurde bereits vor Jahren die Scharia eingeführt.

Nigeria hat reiche Ölvorkommen, doch wegen der weit verbreiteten Korruption im Land kommt von diesen Einnahmen bei der Bevölkerung nur wenig an. Zudem kämpft das Land seit Jahren nach einer langen Zeit der Militärdiktatur um eine Demokratisierung. Die Lage ist durch politische, wirtschaftliche, religiöse und ethnische Auseinandersetzungen instabil, das Auswärtige Amt warnt vor Reisen nach Nigeria, wo Entführungen ebenso an der Tagesordnung sind, wie rebellische Auseinandersetzungen oder Piraten-Überfälle im Golf von Guinea.

Das Niger-Delta, so groß wie Bayern, ist durch unsachgemäße Ölförderung und die Explosion von Öl-Pipelines großflächig verseucht. Ebola gilt in Nigeria zwar offiziell als überwunden, doch es existiert noch.