Der Landkreis Haßberge ist auf dem besten Weg zur "Bildungsregion in Bayern". Nach dem einstimmigen Votum des Dialogforums, das in der Ganztagesstätte am Schulzentrum in Haßfurt stattfand, wird er sich als erster Landkreis in Unterfranken um das Gütesiegel bewerben.

"Nach dem Pisa-Schock 2001/2002 waren wir überzeugt, dass wir vor Ort einen Beitrag zu einer besseren Qualifizierung unserer Kinder leisten müssen", sagte Landrat Handwerker zu Beginn. "Schon 2002 hatten wir alle Bildungsträger eingeladen und den Arbeitskreis Schulentwicklung Landkreis Haßberge gebildet, der in der Folge wichtige Beiträge zur Entstehung einer kommunalen Bildungslandschaft geleistet hat."

Ein Schulabschluss ist für alle Buben und Mädchen möglich

Im Wesentlichen habe der Arbeitskreis die Ziele, dass alle Kinder die Schulen mit einem Abschluss verlassen und dass die Kinder soweit ausgebildet werden, wie sie qualifizierbar sind, verfolgt. So gab es bereits viele Verbesserungen in der Bildungslandschaft. Insbesondere das breite Angebot von Jugendsozialarbeit an Schulen hat die Situation für Schüler und das Schulklima verbessert.

Die Leistungsfähigkeit des Landkreises auf dem Bildungssektor sei auch im Deutschen Lernatlas 2011 der Bertelsmannstiftung dokumentiert, führte der Landrat aus. So habe der Kreis im Bereich des sozialen Lernens den ersten Rang unter den ländlichen Regionen erreicht. "Dennoch schien es uns wichtig, dass wir uns am Prozess der Bildungsregionen Bayern beteiligen und anhand der fünf Säulen analysieren, wo wir denn konkret stehen", erklärte der Landrat.

"Ich freue mich, dass wir die intensive Vernetzung aller am Prozess beteiligter Kooperationspartner wie Kommunen, Schulen, Jugendhilfe, Arbeitsverwaltung und Wirtschaft weiter vertiefen konnten."
Eine Zertifizierung der intensiven Arbeit als Bildungsregion in Bayern würde dieses gemeinsame Bemühen besonders würdigen. Die Initiative "Bildungsregionen in Bayern" will die Zukunft der jungen Menschen in der Region mit einem passgenauen Bildungsangebot sichern. Sie basiert auf fünf Säulen, zu denen Ende 2012 Arbeitskreise gebildet wurden.

Vom Kindergarten in die Schule in den Beruf

Der erste Arbeitskreis, dessen Ergebnisse und Projekte Stephan Bauer mitteilte, beschäftigte sich damit, wie die Übergänge der Kinder vom Kindergarten in die Schularten bis hin zum Beruf organisiert und begleitet werden können. Unter der Leitung von Schulamtsdirektorin Ulrike Brech befasste sich der zweite Arbeitskreis damit, wie die Schulen durch Kooperation - insbesondere mit der Jugendhilfe - geöffnet werden können. Beispielsweise durch die Koordination der Berufsinformationsmessen, wie Matthias Weinberger als Geschäftsführer des Arbeitskreises Arbeit/Wirtschaft mitteilte. Oder durch die Institutionalisierung der Zusammenarbeit zwischen den Schulen und der Jugendhilfe, wie die Schulpsychologin Sabine Kröner erläuterte.

Aber auch durch die Einrichtung einer "Bildungs-Homepage", die die Rektorin der Mittelschule, Gabriele Förster, vorstellte. Kontakt zwischen Landkreis, Kommunen, Schulabgängern und Studenten will ein ganz spezieller Newsletter per Email herstellen. Den stellte unter dem Titel "Hast scho g'hörd?"der Geschäftsführer der Volkshochschule Landkreis Haßberge, Holger Weininger, vor.

Wie man jungen Menschen in besonderen Lebenslagen helfen kann, war das Thema des dritten Arbeitskreises unter Leitung des Geschäftsführers des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) Haßberge, Dieter Greger. Er berichtete, welche Angebote es gibt zur Integration, Inklusion, bei Schule und Jugendhilfe sowie in der "Arbeitsbezogenen Jugendsozialarbeit".

Kinderbetreuung und Ferienbetreuung

Ebenfalls sehr umfangreich stellte sich der vierte Arbeitskreis, "die Bürgergesellschaft stärken und entwickeln", dar. Dessen Leiterin Caroline Mehringer-Räth (Landratsamt) ging vor allem auf den weiteren Ausbau der Kinderbetreuung und die flächendeckende Ferienbetreuung, die Weiterentwicklung des gebundenen Ganztagsangebotes und der Ehrenamtskultur sowie die Einrichtung einer internetbasierten Freiwilligenbörse ein. Der fünfte Arbeitskreis unter der Leitung des Geschäftsführers des Schulzweckverbands, Horst Hofmann, stellte sich der Frage, wie der demographische Wandel angenommen werden kann. Dabei ging es um die Sicherung der Bildungsangebote, ein zukunftsweisendes Schulgebäudemanagement und um die Bedeutung der Bildung für die Haßberge.

"In einer Bildungsregion arbeiten die Kindertagesstätten, Schulen und Kommunen, die Jugendhilfe, die Arbeitsverwaltung, die Wirtschaft, die Erwachsenenbildung und weitere außerschulische Organisationen zusammen, um die Bildungsqualität in ihrer Region zu verbessern", sagte Bernhard Butz, Leitender Ministerialrat im Kultusministerium.

In ganz Bayern überlegten sich in 51 der 96 Landkreise und kreisfreien Städte Arbeitsgruppen, wie sie ihren Landkreis in ausgewählten Themenfeldern weiterentwickeln und konkrete Verbesserungen für die jungen Menschen in der Region erzielen. Das Bildungsministerium verleihe das Qualitätssiegel "Bildungsregion in Bayern" für ein regionales Konzept. Bildung als Standortfaktor sprach Regierungsvizepräsident Andreas Metschke an und die Wichtigkeit der Vernetzung von Bildungsangeboten.

Bildungs- und Sozialministerium entscheiden über die Verleihung des Gütesiegels. Es soll kein "Strohfeuer" sein, vielmehr sollen die in der Bewerbung aufgeführten Projekte nachhaltig umgesetzt werden. Deshalb begleitet die Konferenz der Schulaufsicht den Prozess.

Die Bewerbungsbroschüre wird nach Fertigstellung auf der Internetseite des Landratsamtes zu finden sein.