Wenn's um ihr Bier geht, verstehen die Franken keinen Spaß. Denkste! Friedvoll wurde das Kriegsbeil zweier Jugendgruppen zum Auftakt des Altstadtfestes in Ebern zu Grabe getragen. Nun laben sie sich gemeinsamen an den Biersorten, die zum Ausschank kommen. Im Vorfeld hatten sie die (Aus-) Wahl gehabt - per Abstimmung im Internet, einer genialen Marketing-Idee von Dominik Eichhorn, dem neuen Festwirt und Geschäftsführer der Schlossbrauerei aus Reckendorf. Über 26 000 Klicks kamen auf diese Weise zusammen.

Zwischen Kellerbier und Hellem-Export galt es zu entscheiden. Zwei Philosophien prallten aufeinander. "Wer sind denn bloß die Helle-Trinker? Bei uns in der Gegend werden doch dunkle Biere getrunken", wunderte sich am Ausschank beim Altstadtfest noch Stephan Walter, der von der Stand-Chefin Petra Elflein "so gerne ein Kellerbier" gekauft hätte.

Klappte aber nicht, denn mit über 70 Prozent fiel das Online-Votum zu Gunsten des Export-Bieres aus. "Dann trink' ich halt Weizen", fand Walter für sich einen Kompromiss.

Ganze Nacht über geklickt

Den strebten auch die Mitglieder des Baunacher Stammtisches "Werkstatt" an. 14 Tagen lang hatten sie sich fürs Kellerbier die Finger wund geklickt, letztlich aber nicht obsiegt.

Zu zehnt hatten sie sich ereifert, erzählt Daniel Lösel aus Baunach. "Aber eigentlich mögen wir alle Recken-Biere. Deswegen fühlen wir uns auch nicht als Verlierer. Ein Spaß war die Abstimmung auf jeden Fall. Und wichtig ist, dass die frühere Brauerei weg ist. Darauf legten wir großen Wert."

Durchgesetzt hat sich eine "bunt zusammen gewürfelte Truppe" (Selbstdarstellung) unter Leitung von Stefan Horn aus Treinfeld, die sich aus 51 jungen Frauen und Männern zusammensetzt, die aus Lind, Rentweinsdorf, Treinfeld, Heubach, Ebern und Eichelberg kommen. "Man kennt sich halt, übern Fußball und so", beschreiben die 51 Export-Trinker ihren Gemeinschaftsgeist.

Höchstleistungen

Über Facebook und eine Whatsapp-Gruppe hat man sich gegenseitig zu Höchstleistungen angestachelt. "Der Kevin Holzwarth war unser Bester, der hat eine ganze Nacht durchgevotet und so haben's die anderen nicht geschafft, uns 51 Hanserla zu übertreffen", freut sich Timo Stepputat aus Lind.

Export-Stolz prangt auf Brust

Dieser Stolz muss natürlich auch zum Ausdruck kommen und so ließ man sich unterstützt von einem Sponsor T-Shirts drucken und marschierte darin am Samstag auf dem Altstadtfest auf.

"Wir hatten zwar etwas Bammel, dass es Ärger geben könnte, denn schließlich gab es eine Anti-Export-Allianz auf Facebook mit 170 Mitgliedern. Aber jetzt ist es richtig cool, dass uns alle anstarren. Man kommt sich richtig wichtig vor", beschreibt Patrick Bock die Freude über den zum Ausdruck gebrachten Korpsgeist.