Dieser Spätsommerabend im stimmungsvoll beleuchteten Klenze-Saal wird vielen Besuchern noch lange in Erinnerung bleiben. Die Gitarren-Virtuosen Jan Pascal und Alexander Kilian eröffneten ihrem Publikum die Musik der Flamenco-Gitarre, wobei sie auf der Bühne Unglaubliches zeigten, jeder für sich als Solist, aber auch genialem Zusammenspiel.
"Café del mundo" nennt sich das inzwischen weithin bekannte Künstler-Duo. Am Wochenende kamen die Gitarristen aus Frankreich direkt nach Eltmann, um hier ihre neue und dritte CD mit dem Titel "La Perla", die in 25 europäischen Ländern erschienen ist, vorzustellen und ihre ganze Leidenschaft auf den Flamenco-Gitarren aufzuzeigen.
Die beiden "Gitanos" haben sich mit Haut und Haar der Musik des spanischen Südens verschrieben und ihre Kompositionen basieren auf Jahrhunderte alten Flamencos. Dabei sind ja beide keine Spanier, sondern stammen aus dem süddeutschen Raum. Die Musik scheint ihnen aber in die Wiege gelegt zu sein, sonst könnten sie sie nicht so vollendet oder zumindest mit diesen Superlativen darbieten.

Die langen Finger

Ein Konzertbesucher meinte, "um die Musik so darbieten zu können, muss man einfach auch die anatomischen Voraussetzungen erfüllen. Ich denke, die Finger sind bei diesen Gitarristen doppelt so lange wie meine - außerdem so beweglich, als wenn sie aus Gummi wären."
Natürlich ist das nicht so. Der 27-jährige Alexander Kilian verrät aber ein Geheimnis. "Am besten fängst du sehr früh in der Kindheit damit an. Dazu musst du viel trainieren und Zeit aufwenden, um die Technik zu pflegen. Bei mir waren es bis zu acht Stunden am Tag. Alles ist nämlich vielfältiger als beim Spielen der Konzertgitarre.
Der typische Klang der Flamencogitarre entsteht hauptsächlich durch die niedrige Saitenlage, durch eine kraftvolle Spielweise und den Alzapua, die Lautbildung mittels Daumenschlag. Aber du brauchst auch eine echte Flamenco-Gitarre, aus dem entsprechenden Holz wie Zeder und bei der die Saitenlage ganz anders ist."

Musik mit fränkischen Wurzeln

Dass man mit all dem schon am besten im frühen Kindesalter anfängt, bestätigen ihre Biographien. Jan Pascal war vier Jahre alt, als seine Mutter bei einem Badeunfall tödlich verunglückte. Sie war Liedermacherin. Seine Großmutter, die sich dann um ihn kümmerte, studierte Kirchenmusik und war Sopranistin. Als Jan sechs Jahre alt war, schenkte ihm sein Großvater, der sich in Spanien aufhielt, eine Gitarre aus einer dort ansässigen Manufaktur. So tastete sich Jan Pascal an die Musik heran und erhielt während seiner Schulzeit Klavierunterricht bei Pater Domenikus Trautner im Benediktinerinternat in Münsterschwarzach, lernte Gesang und Gitarre in Heidelberg.
Auch der 27-jährige Alexander Kilian genoss eine außergewöhnliche Ausbildung, die er von dem Georgier Zaza Miminoshvili erhielt. Mit 15 Jahren gewann er seinen ersten internationalen Wettbewerb beim Gitarrenfestival in Osnabrück, verbunden mit einem Plattenvertrag. Sein künstlerisches Diplom absolvierte er an der Hochschule für Musik in Würzburg im Fach Jazz-Gitarre.

Das Duo

Seit dem Jahre 2007 spielen Jan Pascal und Alexander Kilian im "Flamenco-Gitarrenduo" im In- und Ausland zusammen und haben sich einen besonderen Namen gemacht. Sie sind zwei preisgekrönte Flamenco-Nuevo-Gitarristen aus dem Süden Deutschlands, wobei Jan Pascal teilweise im Odenwald und teilweise in La Nucia/Spanien lebt.
Gefunden haben sich die beiden damals bei einem Flamenco-Workshop. "Da kam ein junger Mann in roten Schuhen herein, setzte sich und spielte einfach so schwierige Stücke so leicht von der Leber weg. Das beeindruckte mich und seitdem sind wir ein Duo", erzählt Jan Pascal.

"Sanbinha para Angela"

Im Juli haben die Beiden ihre dritte CD an Bundeskanzlerin Angela Merkel im Berliner Reichstagsgebäude überreicht. Das Duo hat der Kanzlerin auf dieser CD nämlich ein Instrumentalstück mit dem Titel "Sanbinha para Angela" gewidmet, "eine "kleine Samba für Angela", ein heiteres Stück, das der bahianischen Musiktradition nachempfunden ist.
In Eltmann präsentierten die beiden "Gitanos" traditionelle Flamenco-Rhythmen, aber auch mitreißende Latin-Jazz-Impressionen. Für ihre neue CD "La Perla" seien sie dabei an die "Perlen" gereist und hätten vor allem Geschichten in Spanien und seinen zahlreichen Städten und Landschaften aufgespürt.

Perfektes Spiel

Wohltuend war der Klang ihrer Flamenco-Gitarren schon vom ersten Ton an mit "Viajeros", einer Suite mit wechselnden Stimmungen, und "One fine day" ("ein schöner Tag"), den sie in Eltmann ohne Zweifel boten. Allein mit freundlichen Blicken und ihren Gitarren verständigten sich Pascal und Kilian und bezogen dabei ihr Publikum mit Erklärungen zu ihren Stücken und zur Musik mit ein, "weil es uns am meisten Spaß macht, so zu spielen".
Von Anfang begeisterte die Zuhörer die Musik, aber auch die Fingerfertigkeit der beiden beim Saitenspiel. "So schnell kann man gar nicht gucken, wie die beiden ihre Instrumente bespielen und noch dazu ohne sichtbare Anstrengung", meinte ein Zuhörer.
Den Musikern gelang es, ihre Zuhörer auf eine musikalische Reise in den warmen Süden Europas mitzunehmen. Sie boten ein atemberaubendes Festival zweier Gitarren, wobei der Titel "La Fiesta" auch für die beiden ein Fest im Laufwerk ihrer Finger darstellt. Und dieses wurde nur durch den Beifall immer wieder unterbrochen.
Aber auch ruhige Titel, wie "Jueves", das von der Einsamkeit erzählt, wurden geboten.. Bei weiteren Stücken setzten sie den Klangkörper ihrer Gitarre auch als Rhythmusinstrumente oder Geräuschkulisse ein und boten Tänze oder lateinamerikanische Rhythmen. Ebenso gehörten Stücke aus der Osterzeit sowie klassische Arrangements zu ihrem Repertoire. Wunderbar die melancholische Ballade "Leon dormido" (der schlafende Löwe) und die aus Cadiz stammte "Alegria" (übersetzt im Flamenco-Stil Freude). Ein weiterer Höhepunkt war der Klassiker von Paco de Lucia "Rio Ancho", ein Flamenco-Jazz als melodisches Stück mit Solomelodie und Dialog des Begleiters und beeinflusst von Gipsy-Jazz.

Stehende Ovationen

Bei der Zugabe drehten Kilian und Pascal zum Schluss noch einmal richtig auf und zeigten, dass ihnen der atemberaubende Ritt auf ihrem Griffbrett-Parcours richtigen Spaß bereitet. Dies zeigten sie mit dem Titel "Dance of Joy", bei dem sie mit ihren gitarristischen Glanzleistungen den richtigen Schlusspunkt setzten.
Das Publikum war begeistert von diesem Abend. Fred Söldner, einst selbst Gitarrist in einer Band und mit seinem Instrument auch Leiter des "Doppelsextett" der Sängerlust Eltmann, brachte es mit wenigen Worten auf den Punkt: "Was die beiden boten, war wirklich großartig und von einer einmaligen Virtuosität. Ich habe auch schon das eine oder andere Stück auf meiner Gitarre gespielt, aber dabei war ich ja sechs Klassen langsamer. Wirklich außergewöhnlich!"