Wenn Christen den Kreuzweg beten oder gehen, dann reflektieren sie immer auch das eigene Leben, das eigene Verhalten. In besonderer Weise dazu eingeladen wird der Betrachter von den Kreuzwegstationen von Bildhauer Michael Scholl, die bis zum Karfreitag, 14. April, in der Stadtpfarrkirche in Eltmann ausgestellt ist. "Angeblickt - mein Kreuzweg", hat der Limbacher Künstler als Überschrift gewählt. Die Eröffnung gestaltete am Montag Gemeindereferentin Isabella Friedrich mit Texten zu den Stationen. Michael Scholl selbst und Angelika Eirich umrahmten musikalisch mit Klangsteinen und anderen Instrumenten.


Für Breitbrunner Wettbewerb

Die 14 Stationen hat Michael Scholl eigentlich als Wettbewerbsbeitrag für die Ausschreibung des Kreuzwegs in Breitbrunn geschaffen. "Dass sie einmal zu einer Wanderausstellung werden, das hat mich selbst erstaunt", erklärt er heute. Weil viel Arbeit in den Modellen steckt, wollte er sie einmal öffentlich zeigen und seitdem gibt es immer wieder Anfragen. Im Bibelturm in Haßfurt, in Schweinfurt und anderen Orten war der Kreuzweg in den vergangenen Jahren zu sehen. "Und es ist sehr spannend, welche Projektionsfläche die Szenen bieten", erzählte Scholl.

Er hat bei der Gestaltung den Schwerpunkt weniger auf Jesus, sondern vor allem auf die innere Dramatik des Geschehens gelegt, auf die Gefühle bei den Männern und Frauen, die Jesus auf seinem Kreuzweg begegneten und begleiteten.

"Angeblickt" wird der Betrachter dabei an verschiedenen Stationen von sich selbst, weil die jeweilige Figur mit einem Spiegel hinterlegt ist. So etwa bei der Station "Jesus wird seiner Kleider beraubt." Isabella Friedrich dazu: "Nackt, gedemütigt und doch mit stolz erhobenem Haupt und starker Brust - dieser Jesus begegnet uns hier. Man hat ihm das Letzte genommen, seine Kleider. Letzte Objekte seiner Würde. Jetzt wird er bis zur letzten Faser zur Schau gestellt. Die Spiegel beziehen uns mit ein. Wir werden Teil der gaffenden Menge. Voyeure, Spanner ... Und heute: Ergötzen wir uns nicht auch manchmal an der Demütigung des anderen? Die Medien machen es uns vor. Grenzüberschreitungen, das Spiel mit der Geschmacklosigkeit ist zum Verkaufsschlager geworden ... Schauen auch wir zu?", fragte sie.


Die Lasten jedes Einzelnen

Einige der Stationen sind im Eltmanner Kirchenraum der jeweiligen Station des zur Kirche gehörigen Kreuzweges zugeordnet und bilden einen reizvollen Kontrast. Die drei Stationen des Fallens Jesu hingegen sind in der Sakramentskapelle zusammengefasst. Sie stehen für die Lasten jedes Einzelnen, aber auch der ganzen Welt in Form von Krieg, Terror, Klimakatastrophen.

Hier ließen sich die rund 30 Teilnehmer der Vernissage einladen zum Nachdenken bei den sanften Tönen der Klangsteine, der Flöte und von Klangschalen. Die Ausstellung kann jedermann täglich in der Stadtpfarrkirche besuchen, die einzelnen Stationen sind mit erläuternden Texten versehen. Zwei weitere Führungen wird es geben am Samstag, 8. April, um 17 Uhr mit Pfarrer Bernhard Öchsner und am Mittwoch, 12. April, um 15 Uhr mit Pfarrer Ottmar Pottler; diese Führung ist besonders auf Senioren ausgerichtet.