"Hyvää päivää, Suomi! - Guten Tag, Finnland!" Auf große Fahrt begaben sich Vertreter der Gemeinde Knetzgau und des Landkreises Haßberge, von Schule und Schulamt.
Ziel war die Gemeinde Pertunmaa in Finnland, 200 Kilometer nördlich der Hauptstadt Helsinki, inmitten der finnischen Seenplatte. Hier verbringt Bürgermeister Stefan Paulus seit Jahren den Sommerurlaub mit seiner Familie. Diesmal dienstlich unterwegs, besuchten unter anderem Paulus und Landrat Rudolf Handwerker sowie Dritter Bürgermeister Bernhard Jilke mit den Gemeinderäten Susanne Haase-Leykam und Fred Schmalz, Schulamtsdirektorin Ulrike Brech, Rektorin Hannelore Glass und Lehrer Roland Mayer sowie Kindergartenleiterin Cornelia Enke die Gemeinde Pertunmaa. Die Schwiegermutter von Bürgermeister Paulus stammt von dort. So kam der Kontakt zum finnischen Bürgermeisterkollegen Juha Torniainen und der Deutschlehrerin Anne Tonteri zustande. Vera Paulus, die Frau des Bürgermeisters, kennt Land und Leute, beherrscht die finnische Sprache fließend und erwies sich - nicht nur deshalb - als belebendes Element der Reisegruppe.

Was machen die Finnen besser?

Die Deutschen waren gekommen, um von den Finnen zu lernen: In der PISA-Studie rangiert Deutschland stets hinter Finnland. Die deutsche Delegation wollte nun genau wissen, worin sich das finnische vom deutschen Bildungssystem unterscheidet, was die Finnen besser machen als die Deutschen. Die Praxis schauten sie sich vor Ort in Pertunmaa an, das theoretische Hintergrundwissen wurde später durch einen Besuch im Bildungsamt in Helsinki vertieft.

An der Schule in Pertunmaa wurden die Besucher von Bürgermeister Juha Torniainen und Rektorin Sari Mäkeläinen empfangen. Bürgermeister Torniainen freute sich über das deutsche Interesse am finnischen Schulsystem. Er stellte als wichtig heraus, die Grundversorgung vor Ort aufrecht zu erhalten. Für eine kleine Gemeinde wie Pertunmaa bedeute es eine besondere Herausforderung, in die Schule zu investieren. Vier Millionen Euro hatte der Neubau gekostet, der 2008 fertig gestellt worden war und gute Möglichkeiten für Lehrer und Schüler bietet. In heimeliger Atmosphäre werde Familiäres bewahrt, in kleinen Gruppen wird das Lernen besonders gefördert. Neuen Entwicklungen stehe man aufgeschlossen gegenüber. Wenn kleinere Einheiten zusammengefasst würden, gingen diese Vorteile verloren, äußerte Bürgermeister Torniainen seine Zukunftsängste, nachdem die Gemeinde viel Geld in Ausbildung, Ausstattung und neue Technologien investiert habe.

Rektorin Sari Mäkeläinen versprach sich vom Besuch den Beginn einer fruchtbaren internationalen Beziehung. In einem kurzen Rückblick schilderte sie das Schulwesen in Pertunmaa. Zurzeit besuchen 160 Schüler die Gemeinschaftsschule. Die Befürchtungen wegen Schülerrückgang und der damit verbundenen Auflösung der Schule seien nicht eingetreten. Das neue Gebäude sei zeitgemäß, freundlich und praktisch; man habe die Vorschule integrieren können.

Knetzgau im Porträt

"Wir sind nach Pertunmaa gekommen, um Schule und Gemeinde kennenzulernen, aber auch, um unsere Gemeinde und die Schule in Knetzgau vorzustellen", erklärte Bürgermeister Stefan Paulus zu Beginn seines Portraits von Knetzgau. Er beschrieb die Aufteilung der Verwaltung in Bayern, zählte bekannte Firmen auf, erklärte die Infrastruktur, verwies auf Freizeitmöglichkeiten, zeigte die politische Situation auf, stellte die Bedingungen für Kinder in Kindergarten und Schule vor. Am Ende sammelte Bürgermeister Paulus Pluspunkte als er Finnland als "kalt, aber schön" charakterisierte und mit den Worten schmeichelte: "Finnland ist das beste Land der Welt."
Wie soll es nun zwischen Knetzgau und Pertunmaa weitergehen? Wie es scheint, ist man auf einem guten Weg, denn an Ideen mangelte es nicht. Brieffreundschaften gibt es schon seit längerer Zeit, angedacht sind eine gemeinsame Homepage und Videobotschaften. Im Oktober wird eine finnische Delegation zu Besuch in Knetzgau weilen, dann sollen die Vorstellungen weiter konkretisiert werden. Sicher ist, dass die Dreiberg-Schule eine Projektwoche veranstalten wird, bei der Informationen über Finnland erarbeitet und vorgestellt werden. Vorläufiger Höhepunkt soll ein Schüleraustausch sein, bei dem im Mai 2014 erstmals eine Gruppe Schüler aus Knetzgau die Partnerschule in Pertunmaa besuchen wird.

Am dritten Tag hieß es für die deutsche Delegation Abschied nehmen von Pertunmaa. Am Mittag stand ein Besuch im Bildungsamt Helsinki an. Kristina Ikonen, Leitende Referentin für Schulentwicklung im Finnischen Zentralamt für Unterrichtswesen, informierte über den grundlegenden Unterricht in Finnland. Eine der wichtigsten Stärken des finnischen Schulsystems sei die Garantie gleicher Bildungschancen für jeden Schüler, unabhängig von sozialer Herkunft und Vermögensverhältnissen. Der Schwerpunkt im Grundunterricht liegt demnach nicht auf Leistungskonkurrenz und Schülervergleich, sondern auf individueller Förderung und Anleitung des Schülers. Erst im fünften Schuljahr werden die Leistungen der Schüler benotet. Die Motivation der Schüler erfolgt durch Ermunterungen, zwischen Lehrern und Schülern herrscht ein lockeres und herzliches Verhältnis, erzählte Kristina Ikonen. Vom Budget des finnischen Staates und der Kommunen werden zwölf Prozent für Bildung aufgewendet. Finnland gehöre zu jenen Ländern mit dem geringsten Niveauunterschieden zwischen Schulen.