Die Sanierung des Schulzentrums in Haßfurt bleibt eine Mammutaufgabe - sowohl zeitlich als auch finanziell. Trotz der rückläufigen Schülerzahlen braucht das Schulzentrum am Tricastiner Platz für seine steigenden Anforderungen insgesamt mehr Platz. So soll noch in den großen Ferien mit dem Abbruch des Hauswirtschaftstraktes und der Erneuerung der ehemaligen Klassenräume der Realschule im Westtrakt begonnen werden.

"Das Schulzentrum wird nie fertig werden oder höchstens nur vorläufig." Mit diesen Worten machte der Geschäftsführer des Zweckverbandes Schulzentrum, Horst Hofmann, vor den Mitgliedern der Verbandsversammlung klar, dass das Schulzentrum eine Dauerbaustelle ist.

Über 30 Millionen Euro

Die vorläufige Kostenberechnung für die neue Baumaßnahme bezifferte er mit 30,06 Millionen Euro, wobei der aktuelle Schuldenstand von 6,9 Millionen Euro nicht beunruhigend sei. "Wir werden aber im Jahre 2016 mit circa acht Millionen Euro an die Grenze kommen", betonte Hofmann.

Unmittelbaren Einfluss auf das Raumprogramm und die Sanierung der Schulen des Zweckverbandes in Haßfurt haben die Schülerzahlen (siehe nebenstehenden Info-Kasten). Diese sind in den drei weiterführenden Schulen des Schulzentrums zwar rückläufig, dennoch steigt der Platzbedarf. So gibt es eine Mehrung in den Klassenzahlen beim Gymnasium von 28 auf 33, in der Realschule von 31 auf 38/40 und in der Mittelschule einen Rückgang von 35 auf 29/30.

Dadurch benötige man also zehn Klassenräume mehr (vier für das Gymnasium und sechs für die Realschule). Außerdem bräuchte man für Ganztagesschule und andere Anforderungen noch einmal acht bis zehn Räume mehr, wodurch man auf insgesamt 20 Räume komme, so Hofmann. Die Realschule sei dabei die Schulart mit den höchsten Übertritten und hier lasse sich die weitere Entwicklung schwer voraussagen.

Gestiegene Baukosten

Die Bauvorhaben seien also durch folgende Vorgaben bestimmt: erstens mehr Räume, zweitens eine höhere Flexibilität, drittens eine Verbesserung der Belüftung und Belichtung, viertens der Bedarf durch die Ganztagesschule, fünftens die Optimierung der Arbeitsräume für die Lehrer. In diesem Zusammenhang nannte Hofmann am Schulzentrum 250 Lehrer, von denen ein Drittel auch nachmittags anwesend sei. Bei den Kosten spiele der Baukostenindex eine Rolle, der seit 1994 um 24 Prozent gestiegen sei.

Vor diesem Hintergrund wurde eine geänderte Planung vorgelegt. Ganz konkret müssten nach den Worten von Hofmann also bei der Realschule die ehemaligen Klassenräume erneuert werden. Im bisherigen Hauswirtschaftstrakt werde der Eingriff durch Brandschutz und Rettungswege groß, hier entstehe auch der Trakt für die Schulleitung und die Arbeitsmöglichkeiten für die Lehrer.

"Sportliches Ziel"

Bei der zeitlichen Planung gehe man davon aus, dass man noch in den großen Ferien mit dem Abbruch des Hauswirtschaftstraktes beginne. Bei der Sanierung des Westtraktes mit der Realschule gehe man von einer Bauzeit von eineinhalb Jahren aus, wobei eine längere Auslagerung des Unterrichts und der Schüler erfolgen müsse. Geschäftsführer Hofmann sprach aber die Hoffnung aus, dass man Ende 2017, spätestens Anfang 2018 fertig werde. Das sei ein "sportliches Ziel". 2018 wolle man mit den Außenanlagen beginnen und sie 2019 fertigstellen.

Landrat Wilhelm Schneider (CSU) ging auf die Finanzierung ein: "Wir versuchen möglichst viel herauszuholen. Wir haben eine höhere Förderung beantragt und wollen zumindest für die neuen Bauabschnitte auf eine Förderung von 50 Prozent bis Mitte 50 Prozent hoffen. Wir wollen also 50 Prozent plus x erreichen. Mal sehen, wie hoch das x ausfällt." Man habe neben dem Schulzentrum in Haßfurt ja auch noch die großen Maßnahmen in Ebern und an der Berufsschule in Haßfurt, womit man insgesamt auf über 50 Millionen Euro Investitionen komme. Mit dieser großen Summe wolle er noch einmal beim Finanzministerium vorsprechen, um eine gute Förderung zu erhalten.

Nach den Ausführungen von Geschäftsführer Horst Hofmann erwarten Landkreis und Stadt Haßfurt, die zusammen den Schulzweckverband bilden, hinsichtlich der Finanzierung vor allem für 2016 ein schwieriges Jahr, weil hier Sondertilgungen anstehen. Derzeit betrage, so Hofmann, die Tilgung jährlich zwischen 693 000 Euro und 824 000 Euro. Dabei sei es ohne Zweifel derzeit ein Vorteil, dass die Zinsen sehr niedrig seien. Wenn alles gut gehe und keine unvorhergesehenen Probleme auftauchten, könnte man bis auf die KfW-Kredite mit längerer Laufzeit sogar zu einer Null-Linie bis 2016 kommen.

Im weiteren Verlauf ging es um die Unterbringung von Schulklassen aus der Mittelschule im Schulzentrum in Haßfurt, was durch die Sanierung der Schule in Knetzgau bedingt ist. Rektorin Susanne Vodde teilte hierzu mit, dass seit Februar drei Klassen mit rund 60 Schülern der Jahrgangsstufe sieben bis neun in Haßfurt untergebracht seien. Den Sportunterricht erhielten sie nachmittags weiter in Knetzgau. Das funktioniere tadellos und Schüler wie Lehrkräfte hätten sich gut eingelebt, sagte sie.

Im Vorfeld der Zweckverbandssitzung besichtigten die Verbandsräte die Erneuerung der Außenanlagen an der Grundschule, die mit Rutschen, Kletterstämmen und Sitzmöglichkeiten ausgestattet wurden.