Dorothee Bär "im textilfreien Bad", "die FT-Schlagzeilen", "Geburten mit Feuerwehrhelmen in Neubrunn" und die "Fastenpraktiken der Politgrößen im Kreis". Dies und noch viel mehr standen im Mittelpunkt des "Starkbieranstiches" der "Dorfgemeinschaft", die am Samstagabend mit einem abwechslungsreichen Programm für teilweise ausgelassene Stimmung in der "Heilig-Länder-Halle" sorgte.

Das begann schon mit dem Anstich, da Bürgermeister Karl-Heinz Kandler (SPD) und Landrat Wilhelm Schneider (CSU) ein Missgeschick widerfuhr. Bei Bürgermeister Kandler gelang dies mit dem zweiten Hieb, aber er machte das so schnell, dass er gar nicht daran dachte, dass ein Krug unter den Zapfhahn gehalten werden muss und weil der Zapfhahn nicht ganz geschlossen war, strömte der kostbare und hochprozentige Gerstensaft auf den Boden. Landrat Wilhelm Schneider hielt zwar den Glaskrug in der Hand, aber neben den Zapfhahn und wertvolle Tropfen des guten Starkbiers ergossen sich auf den Boden.

Mit Casting zum Ausscheller

Höhepunkt des Starkbierfestes ist das kritische Spiegel-Vorhalten gegenüber Personen des öffentlichen Lebens und davon waren viele von Untermerzbach bis in den Steigerwald gekommen. In den letzten Jahren hatte der "Ausscheller" Horst Gehring aus dem politischen Geschehen berichtet. Eine "Krankheit" machte es diesmal aber nicht möglich und die Besucher erfuhren den Grund. "Bei seiner peniblen Recherche im Vorfeld hat er seine Nase so tief in manche Angelegenheit gesteckt, dass er an selbiger operiert werden musste", meinte der neue Ausscheller Hans-Jürgen Derra.

Die "Dorfgemeinschaft Neubrunn" habe deswegen ein "Casting" veranstaltet, um Ersatz zu finden. Zugelassen wurden nur Personen mit der Schulbildung V 9 (neun Jahre Volksschule).

Derra stapelte anfangs tief und meinte, dass sein politisches Interesse bis vor einer Woche völlig brach gelegen habe. Zum Glück gebe es die Seiten der lokalen Presse. "Und da stößt man unweigerlich in Neubrunn auf den Reporter Ralf Kestel, einem Mann des geschliffenen Wortes. Mit spitzem Bleistift wird da eine Schlagzeile gemacht, da denkst du, was ist denn bei denen wieder im Gemeinderat los?"

Auswirkungen des Starkbiers beschrieb der Ausscheller mit einer "Bitumophie", der Asphalt-Anziehungskraft oder auch dem "Bockbierhämatom". Damit hätten sich auch die "Heinzelmännchen aus Neubrunn" angesteckt. "Der Stretz Heinz fällt mit einer Regelmäßigkeit vom Fahrrad, da kannst die Uhr danach stellen."

Polit-Prominenz veräppelt

Da reichlich Prominenz aus dem Landkreis erschienen war, wurde der kräftig die Leviten gelesen, zumal viele von ihnen ihr Verhalten in der Fastenzeit in der Zeitung ausgebreitet hatten. Frau Kastner mache Heilfasten und es falle ihr auch nicht schwer. "Das glaube ich gern. Wenn man seit frühester Kindheit in Bayern der SPD verschrieben ist, dann gehören Entbehrungen und Durststrecken zum Alltag."

Bei der CSU scheinen Saunabesuche verbreitet und Dorothee Bär habe im Berliner Vabalibad sogar der "Welt" ein Interview gegeben. "Das ist ein textilfreies Bad und Frau Bär hätte eigentlich wie bei ihrer Hochzeit ihren Mantel ablegen müssen. Mit Sondergenehmigung durfte sie jedoch einen pink-gepunkteten Bikini tragen. Darüber haben sich einige Gäste beschwert und die Dorothee wurde so zum Problembär."

Auch Landkreisgrößen wurden "derbleckt", zumal es auch Probleme mit dem Mindestlohn gab. So zitierte Hans Jürgen Derra Eberns Bürgermeister Jürgen Hennemann, der überzeugter Gewerkschaftler sei mit den Worten "auch die Stadt Ebern muss ihre Beschäftigten auf den Mindestlohn umstellen". Die Meinung des Ausschellers dazu: "Also Herr Hennemann, ich finde, das ist eine niedliche Umschreibung für die Entlassung der Gemeindediener".

Die Kommunalwahlen wirkten noch nach. "In Maroldsweisach hat der Wolfram Thein, seines Zeichens Zahntechniker, mit 51 Prozent seinem CSU-Kontrahenten den Zahn gezogen. Und unser Landrat musste auch mit einer Stichwahl in die Verlängerung - ja mit den Russn war noch nie gut Kirschen essen. Zur Ehrenrettung der CSU muss man sagen, dass der Armin Postler aus Lauter mit 88,16 Prozent ein Wahlergebnis erreicht hat, das man sonst nur vom Honecker gekannt hat."

Ganz schwer habe es die SPD im Steigerwald. "Im Gemeinderat von Rauhenebrach ist die SPD nämlich überhaupt nicht vertreten. Das grenzt schon fast an schwarze Magie. Die Finger könnte da die schwarze Hex vom Steigerwald im Spiel ham. Die Monika Weinbeer tritt ja im Fasching gern als solche auf."

Dann kam er noch auf die guten Verbindungen der Jungen Liste von Neubrunn nach Wonfurt mit ihrem Bürgermeister Baunacher zu sprechen. "Er scheint ein guter Mann zu sein, sofern man unserer Dritten Bürgermeisterin Eva-Maria Glauben schenken kann. Die zwei sind nämlich nicht nur in der gleichen Partei, sondern stecken praktisch unter einer Decke."

Rotstift des Bürgermeisters

Natürlich musste sich auch der eigene Bürgermeister einiges gefallen lassen, der gleich seinen roten Stift ansetzte und bei der Feuerwehr einsparte, besonders in Kirchlauter. "Jetzt, wo die Anzahl kräftig dezimiert ist, kann auch das neue Feuerwehrauto kleiner ausfallen."

Mit stürmischen Applaus wurde "Ausscheller" Hans Jürgen Derra verabschiedet und der nächste Höhepunkt ließ nicht lange auf sich warten. Er entpuppte sich als kleines Singspiel und tollen Auftritten des "schrägen Theaters Neubrunn" unter dem Motto "dümmer geht`s ümmer". Bauchredner Bernie (Bernd Stretz) entwickelte sich mit seiner "heißen Puppe Moni" (Ramona Schneiderbanger) zu einem absoluten Highlight und einer fernsehreifen Darstellung.

Dabei wurde auch der Landrat als "tapferes Schneiderlein" einbezogen. "Puppe Moni" verliebte sich ganz in ihn "mei, is des a hübscher Mann. Der is genau mei Kragenweite". Und natürlich drückte sie ihn herzhaft mit einem Küsschen

Die Schauspieler des "schrägen Theaters" brachten dabei die "dümmsten Momente, die in Neubrunn in letzter Zeit passiert sind" auf die Bühne. Das war einmal die Aufstellung des Weihnachtsbaumes durch die Junge Union Neubrunn, die "Zwerge der CSU".

Voller Dramaturgie war die Geschichte von einem geschossenen und begrabenen Hund in Neubrunn. "Lucky, so hieß der Hund- fit, fidel und kerngesund. 12 Monate ist der Kleine bald, rennt halt ab und zu in den Wald. Beobachtet von einem Jäger, macht der Hund ganz schön Ärger. Ein Wilderer sah auch das Ganze und schoss dem Hund dann in die Ranze."

Als viele Nachforschungen ergebnislos blieben, wusste man sich nur noch einen Rat. "Niemand weiß, wer ihn erschossen - mir frag`n halt mal den Sendelbeck."

Und schließlich konnten die Besucher einen Boxkampf zwischen einem "Neubrunner Bär" und einem "Kirchlauterer Grischberla" erleben, aber ein Armdrücken mit Folgen, das sich bei einer Geburtstagsfeier ereignet hatte.

Die "Neubrunner Dorfmusikanten" sorgten unter Leitung von Stefan Krines für die entsprechende Stimmung und boten besondere Einlagen.

Ewald Stretz moderierte das Programm, bei dem man mit dem Auftritt des "AH-Balletts" und "Helene Fischer" (Fabian Schmitt), die auf einem Seil über den Besuchern auf die Bühne schwebte und dann mit dem Hit "Atemlos" die Besucher noch einmal von ihren Stühlen riss.