Die Palette des heutigen Motorradangebots ist groß. Viele Hersteller sind auf dem Markt, die sich mit ihren Zweiradprodukten überbieten, die technisch perfekte Maschinen herstellen, teils auffallend im Aussehen, PS-stark, kraftvoll, für Straße und Gelände, um die Wünsche ihrer Kunden zu befriedigen. Solche Maschinen sind an der Tagesordnung und vor allem zu Beginn des Frühjahrs und im Sommer auf den Straßen häufig anzutreffen.

Im 60. Jahr unterwegs

Zu denen, die mit Motorrädern jüngerer Bauart unterwegs sind, zählt Josef Wunder aus Ebern nicht. Er hat es lieber gemütlicher. Wenn er sich auf seinen Oldtimer, eine BMW R25/3 schwingt, weiß er, dass er das, was er unter oder zwischen seinen Schenkeln hat, in jahrelanger liebevoller Kleinarbeit restauriert hat. "Meine nunmehr 59 Jahre alte BMW bedeutet mir viel. Auf die passe ich auf wie auf meinen Augapfel", sagt der 77-jährige Rentner mit hörbarem Stolz. Wenn er mit seinem "BMW-Wunder", wie er scherzhaft sagt, unterwegs ist, zieht er viele Blicke auf sich. Schon das BMW-typische Motorengeräusch des Einzylindermotors lässt von weitem aufhorchen.

Der frühere Fernmeldeangestellte, der bis zu seinem Ruhestand im Jahr 2000 bei der Polizeiinspektion Ebern beschäftigt war, hat viel Zeit und einen "Batzen" Geld in das Motorrad gesteckt. "Das darf ich meiner Frau gar nicht sagen, was es gekostet hat, bis die BMW so dasteht wie sie heute zu sehen ist", sagt Josef Wunder. Im Laufe von fünf Jahren hat er dem Familienbudget "einiges abgezwackt", um ein Teil nach dem anderen zu besorgen.

"Nachdem ich pensioniert war, habe ich mich daran gemacht, je wie ich Lust und Laune hatte, das Motorrad aufzupäppeln. Fünf Jahre habe ich so nach und nach daran geschraubt und gebastelt, bis ich im Jahr 2006 fertig war." Josef Wunder hat sich auch extra eine Hebebühne gekauft, um sich das Montieren zu erleichtern. "Es ist ja so eine Sache mit dem Kreuz", sagt er.

Für 500 Mark gekauft

Wo kommt das gute Stück überhaupt her? "Meine beiden Buben, Harald und Ralf, haben die BMW in einem jämmerlichen Zustand in Lußberg entdeckt und am 20. Januar 1989 gekauft", sagt Wunder. Er zeigt sogar noch den Kaufbeleg vor, einen vergilbten Papierfetzen, auf dem der Kauf besiegelt wurde. 500 Mark wurde für das verrostete Vehikel bezahlt.

Die BMW wurde im Jahr 1955 in München gebaut, wird in diesem Jahr also 60 Jahre alt. Das Datum der Erstzulassung ist der 01.07.1955. "Übrigens", sagt Wunder, "hatte die BMW einen Mann aus Rentweinsdorf als Erstbesitzer."

Die Maschine hat 250 Kubikzentimeter Hubraum und leistet "satte" dreizehn Pferdestärken, die den Einzylindermotor antreiben. Die Typenbezeichnung lautet R 25/3. Zwei Personen können auf der Maschine fahren. Hat Josef Wunder auch schon einmal seine Frau Luise mit dem Oldtimer ausgefahren? "Nein", sagt er, "die krieg ich da nicht drauf, die hat zu viel Angst, mit mir auf dem Motorrad zu fahren." Das Motorrad ist auch seitenwagentauglich. Einen Seitenwagen hat Josef Wunder allerdings nicht dazu. Vielleicht würde seine Luise sich ja da reinsetzen.

"Ohne jegliche Beanstandung"

Da für das Motorrad keinerlei Papiere mehr vorhanden waren, musste sich der Oldtimerliebhaber neue besorgen. Nachdem er vom Kraftfahrtbundesamt das "Ok" hatte, dass die Maschine nicht gestohlen war, konnte er bei BMW einen Brief anfordern, der ihm dann von der hiesigen Zulassungsstelle ausgestellt wurde. Nun musste die "Wunder-BMW" schnell zugelassen werden. Beim TÜV gab es keine Probleme. "Ohne jegliche Beanstandung kam die BMW beim TÜV durch." HAS - WJ 3, lautet das amtliche Kennzeichen, welches der Maschine zugeteilt wurde. Es ist ein Saisonkennzeichen was zum Fahren von April bis Oktober des Jahres berechtigt.

Josef Wunder gesteht, dass er nicht so der Fachmann in Sachen Oldtimer war. Deshalb besuchte er viele Oldtimertreffen, z.B. in Frickendorf oder in Eyrichshof. "Ich bin da immer auf Leute zu, die auch alte Motorräder hatten. Von denen habe ich mir viele Tipps geholt, wo ich Ersatzteile finde oder spezielle Werkstätten, wohin man sich wenden kann. "Viele Teile der Maschine", so erzählt Wunder, "mussten in Fachwerkstätten bearbeitet werden, damit ich sie wieder verwenden konnte."
Und, wie war es, als das gute Stück fertig war, wie war die erste Ausfahrt? "Daran habe ich keine gute Erinnerung", sagt Josef Wunder. Das Motorrad sprang einwandfrei an und die Fahrt konnte losgehen. Nach einigen Kilometern allerdings ging der Motor aus. "Ich habe dann festgestellt, dass sie, immer wenn sie kalt war, auch prima lief. Sobald sie warm wurde, ging sie aus." Das brachte den Bastler in Rage. "Damals hätte ich am liebsten mit dem Hammer alles zusammen geschlagen", sagt er nicht ganz ernst gemeint. Vor allem fand er des Übels Ursache nicht, bis er einen Insidertipp erhielt. Er solle sich doch mal an einen Mann, der in Feldkirchen wohnt, wenden, wurde ihm geraten. Dieser Mann habe die Maschine bei BMW mit konstruiert oder gebaut. Der "alte Herr" aus Feldkirchen sagte ihm, dass nur zwei Ursachen in Frage kommen könnten, warum die Maschine nicht laufe. Einmal könne es an der Tankbelüftung liegen, oder an der Zündspule. Diese war es dann schließlich auch. Sie wurde gegen eine neue ausgetauscht und das Problem war behoben. "Seitdem schnurrt meine BMW einwandfrei", freut sich Josef Wunder.

Verkauf ausgeschlossen

Nachdem alles fertig war, konnten Ausfahrten stattfinden. "Öfters fahre ich kleinere Strecken, zwischen zehn und 30 Kilometern im näheren Umkreis", so Wunder. Im Oktober hat er eine Tagestour in den Thüringer Wald unternommen. Das waren etwa 250 Kilometer.
Für sein "gutes Stück" wurden ihm schon 7000 Euro geboten. "Ich verkaufe meine BMW garantiert nicht. Da steckt zu viel persönliche Arbeit und Herzblut drin." Also wird Josef Wunder auch in Zukunft ab und zu mit seiner BMW R25/3 gemächlich über die Landstraßen tuckern. Wie ist es, wenn PS-starke Maschinen an einen vorbeiziehen, sodass man das Gefühl hat, man selbst würde stehen? "Das stört mich überhaupt nicht, über dieses Alter bin ich hinweg." "Und", sagt er mit breitem Grinsen im Gesicht, "ein neues Motorrad kann sich jeder kaufen, eines wie meines muss man schon suchen."