Dumm gelaufen: Mitten in der Nacht hatte ein junger Autofahrer das Brems- mit dem Gaspedal verwechselt und war in Knetzgau mit seinem Wagen auf einen Strom-Verteilerkasten geprallt. Anstatt vor Ort zu bleiben und die Polizei zu rufen, suchte er schleunigst das Weite. Nun präsentierte Jugendrichter Martin Kober dem 20-Jährigen bei einem Strafprozess am Amtsgericht in Haßfurt die Rechnung für die Fahrerflucht: 935 Euro Geldstrafe und ein zweimonatiges Fahrverbot.

Als der 20-Jährige am 3. April dieses Jahres von der Spätschicht nach Hause fuhr, wollte er sich unterwegs noch schnell aus einem Automaten eine Packung Zigaretten ziehen. Die Sicherheitsschuhe noch an den Füßen, passierte ihm das Missgeschick. Sein Auto prallte gegen den Verteilerkasten. Es muss ziemlich geknallt haben, denn an seinem Auto waren der Kotflügel und die Stoßstange eingedellt. Damit war klar, dass auch der Verteilerkasten ordentlich etwas abgekriegt hatte.

Trotzdem setzte er sich flugs hinters Steuer und fuhr nach Hause. Damit hatte er sich des unerlaubten Entfernens vom Unfallort - auf gut Deutsch: der Unfallflucht - schuldig gemacht. Um sich nicht strafbar zu machen, hätte er mindestens 30 Minuten am Unfallort warten und am besten per Handy die Polizei benachrichtigen müssen, stellte der Vorsitzende Richter klar.

Vermutlich hatte der Pechvogel eine unruhige Nacht, denn am anderen Morgen entschloss er sich, zur nächsten Polizeidienststelle zu fahren und den Unfall zu melden. Die Beamten aber kamen ihm zuvor und stoppten ihn bereits in Haßfurt vor einer Ampel. Er wurde schon gesucht, weil Anwohner, die in der Nacht von dem Krach aufgeschreckt wurden, die Autonummer des Unfallwagens notiert und die Polizei alarmiert hatten.

Der bislang unbescholtene junge Mann erhielt einige Wochen später einen Strafbefehl vom Amtsgericht. Der sah eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen á 40 Euro und ein dreimonatiges Fahrverbot vor. Dagegen erhob der Heranwachsende Einspruch, nachdem er sich einen Rechtsbeistand genommen hatte. Deshalb kam es zum Prozess. Vor allem das Fahrverbot traf ihn hart: Er ist beruflich auf ein Fahrzeug angewiesen.

Bei der Strafzumessung spielt es eine wichtige Rolle, wie hoch der entstandene Schaden ist. Im vorliegenden Fall teilte die Überlandzentrale Lülsfeld mit, dass der Schaden mindestens 1600 Euro beträgt. Damit handelt es sich im juristischen Sinn um einen bedeutenden Sachschaden, weil die Grenze von 1300 Euro überschritten ist.
Immerhin erreichte der junge Bursche aus dem Landkreis mit seinem Einspruch einen Teilerfolg: Die Geldstrafe wurde aufgrund seines geringen Einkommens gemindert und das Fahrverbot auf zwei Monate reduziert. Diese Zeit kann er wohl überbrücken - dank seiner Mutter, die einige Wochen lang für ihn Chauffeur spielen darf.