Das Verfahren gegen ihn wurde zwar eingestellt, allerdings nur gegen eine Geldauflage von 500 Euro, die der Kreisverkehrswacht Haßberge zugute kommt.

Die Situation, die der andere Unfallbeteiligte im Zeugenstand schilderte, kennt jeder Autofahrer. Am 6. März diesen Jahres kurz nach sieben Uhr abends fuhr der Handelsvertreter mit etwa 120 Stundenkilometern mit seinem VW Golf hinter einem Lastwagen her. Im Rückspiegel sah er weit hinten einen BMW auf der Überholspur. Er dachte kein Problem und scherte zum Überholen auf die linke Fahrbahn aus. Doch der Angeklagte, der im BMW am Steuer saß, dachte gar nicht daran, abzubremsen, sondern "zog volles Rohr durch", so der Golf-Fahrer. Dabei knallte der rechte Außenspiegel des BMW gegen den linken Außenspiegel des Golfs. Dann düste der BMW davon.

Der Beschuldigte gab eine etwas andere Version zu Protokoll. Demnach sei es während des Überholvorgangs gewesen, als der Golf auf seine Fahrbahn ausscherte. Dann habe er ein kurzes "Klack" gehört. Auf Nachfrage von Ilker Özalp, der die Staatsanwaltschaft vertrat, gab der 50-jährige Angeklagte zu, zwischen 180 und 200 Stundenkilometer schnell gefahren zu sein. Bei der nächsten regulären Ausfahrt, so der flotte Fahrer, sei er rausgefahren und habe fünf Minuten gewartet, bevor er seine Fahrt fortsetzte.

Kurz bevor der Golf-Fahrer den schnellen BMW aus den Augen verlor, konnte er dessen Nummernschild erkennen. Er erstattete Anzeige bei der Polizei. Wenige Tage später ließ er den Außenspiegel seines Wagens reparieren. Kosten: 433,33 Euro. Die Rechnung beglich er aus seinem Geldbeutel. Merkwürdig erscheint die Tatsache, dass der Außenspiegel des BMW nicht einen Kratzer aufwies. Der Geschädigte äußerte die Vermutung, dass der Angeklagte bereits am nächsten Tag den Spiegel am BMW reparieren ließ.

Hubertus Krause, der Verteidiger des 50-Jährigen, signalisierte, dass sein Mandant bereit sei, außergerichtlich dem Unfallgegner dessen Reparaturkosten zu erstatten. Die strafrechtliche Würdigung ergab, dass die Schuld des Mannes mit dem Bleifuß nicht so schwer war, dass es zu einer Verurteilung kommen muss. Mit Zustimmung von Ilker Özalp stellte Strafrichterin Ilona Conver das Verfahren mit der 500-Euro-Geldauflage ein.