Ein wunderschöner Dreiklang aus Musik, Gesang und gesprochenem Wort war die musikalische Lesung mit dem Autor Johannes Simon, der Sängerin Sophia Weinberger und dem Pianisten und Sänger Tobias Hümpfner. Die Veranstaltung, die unter dem Thema "Eine pralle Tüte Leben" stand, war vom Kulturamt Haßfurt angeboten worden und erfreute sich sehr großer Resonanz.
Aus der "prallen Tüte Leben" konnten die Besucher, die aus dem gesamten Landkreis nach Haßfurt gekommen waren, etwas mitnehmen. Denn die "Tüte" war gefüllt mit Worten, die zum Nachdenken anregen, Mut machen und der Seele gut tun. Aber auch die Lieder, die passend zu den Texten ausgewählt waren, gingen durch die schöne und ausdrucksstarke Stimme von Sophia Weinberger und die variantenreiche Begleitung von Tobias Hümpfner unter die Haut.


Eindrucksvoll

Johannes Simon aus Knetzgau hatte die Texte und die dazu passenden Bilder seinem 2014 erschienen Buch "Sinnzeit für Zweifler, Ungläubige und andere gute Christen" entnommen. In dem Werk behandelt er 21 Themen, die er in seinen offenen Gottesdiensten unter dem Motto "Sinnzeit" bisher zur Sprache gebracht hat.
Die Texte führen auf bemerkenswerte Weise den christlichen Glauben und das alltägliche Leben zusammen, was die Besucher tief beeindruckte. Denn die Texte drücken aus, welche Gedanken einen im Alltag bewegen, welche Antworten und Hilfe der Glaube bietet und was Johannes Simon aus seiner reichen Erfahrung als Pastoralreferent und Familienseelsorger den Menschen mitgeben kann.
So verwies er darauf, dass es zwar glücklich machen könne, anderen zu helfen. Dennoch sei jeder, wenn er ehrlich sei, auch auf andere angewiesen: "Jesus macht uns Mut, ein Leben für andere zu geben. Doch ich glaube, dass es unsere Verantwortung vor uns selbst, vor unseren Mitmenschen und vor Gott geradezu erfordert, auch Nehmerqualitäten zu zeigen."
"So stehen wir, Sie und ich, immer zwischen Geben und Nehmen!" Auch zum Thema "Helden des Alltags" bot er interessante Denkansätze, indem er unter anderem an den Polizeikommandanten Paul Grüninger in St. Gallen erinnerte, der 1938/39 hunderten jüdischen Österreichern und Deutschen zur Flucht in die Schweiz verhalf. "Helden sind Menschen, die in einer bestimmten Situation etwas nicht unbedingt Selbstverständliches tun - aus Überzeugung, aus gewachsenem Mut, aus Anteilnahme, aus Liebe", so Johannes Simon.
Auch mit dem letzten Thema, der Liebe, sprach er sicher vielen Besuchern aus der Seele. "In Paarbeziehungen und Freundschaften geht es um das Spiel von Nähe und Distanz. Die Heilige Schrift macht uns Mut, nicht allein zu bleiben", betonte er. Sein Fazit: "Es tut gut, wenn es ein Netzwerk gibt, von Gott und den Menschen gehalten, ein Netz, das trägt und Halt schenkt. Ich brauche und schätze das Netzwerk der Menschen um mich herum. Denn, wie es schon im Buch Kohelet in der Bibel heißt: Wenn jemand einen Einzelnen auch überwältigt, zwei sind ihm gewachsen und eine dreifache Schnur reißt nicht so schnell."


Musikalisch intensiviert

Vervollkommnet und intensiviert wurde die Lesung durch die Lieder, die Sophia Weinberger aus Obertheres und Tobias Hümpfner aus Steinsfeld darboten und die die Intention aufnahmen, sie in Töne verwandelten und die Saiten der Herzen der Zuhörer zum Klingen brachten.


Ein Abend für die Seele

Das bestätigte Ricarda Klauer aus Zeil, die den Abend sehr genossen hatte. "Es hat alles sehr gut zusammengepasst: die Texte, in die man sich sehr gut hineinversetzen konnte, und die Musik, die zum Träumen war", teilte sie mit. "Ich kenne zwar die Sinnzeit-Gottesdienste nicht, doch ich dachte, dieser Abend ist sicher etwas für die Seele. Daher bin ich heute hierhergekommen und jetzt bin ich total begeistert!"
Wer diese Lesung verpasst hat, kann sich auf den zweiten Teil freuen: Am Mittwoch, 9. Dezember, liest Johannes Simon um 19.30 Uhr unter dem Titel "Sternenhimmel" zusammen mit seiner Frau Annerose Simon beim Kulturamt Haßfurt in der Rathaushalle, musikalisch begleitet von Alev Kowalzik.