Die Flüchtlinge sind keine Last, sie sind ein Glück für unsere Stadt". Diese Aussage einer Hofheimerin stellte der Vorsitzende des Freundeskreises Asyl in Hofheim, Professor Eike Uhlich, bei der Eröffnung der Ausstellung "Asyl ist Menschenrecht" am Mittwoch im Interkommunalen Bürgerzentrum Hofheim (BZH) in den Fokus seiner Ausführungen. Die Ausstellung schildert die Lage in Kriegs- und Krisengebieten sowie in den Nachbarregionen. Sie informiert über Fluchtursachen und Fluchtwege und berichtet über die Situation an den EU-Außengrenzen sowie im Inneren Europas und Deutschlands.
Auch wenn die Wanderausstellung nicht ganz neu sei, habe sie nichts an Aktualität verloren, sagte Uhlich. Sie zeige plakativ und in authentischen Bildern das Leid der Menschen.


Zurzeit 75 Asylbewerber

Uhlich sieht die Ausstellung auch als Abbild der Flüchtlingssituation im Stadtgebiet Hofheim. Bei der Gründung des Freundeskreises Asyl Hofheim vor zwei Jahren seien 17 Mitglieder beigetreten, heute zähle der Verein 43. Damals befanden sich 17 Asylsuchende in einer Unterkunft in Hofheim, heute 75 in sieben Unterkünften.
Laut dem Vorsitzenden würden in Hofheim so viele Flüchtlinge ehrenamtlich betreut werden, wie zum Beispiel in ganz Lettland, Estland oder Littauen. "Asyl hat die Lufthoheit in Hofheim", so der "alte Doktor, dem die Arbeit noch so viel Freud und Spaß macht", wie sich Professor Uhlich selbst bezeichnet. Man merkt ihm an, dass ihm die Asylsache eine Herzensangelegenheit ist.
Da zurzeit viele Deutschstunden gegeben werden müssen, forderte er hauptsächlich die pensionierten Lehrer auf, nicht zu Hause herumzusitzen, sondern sich beim Asyl-Freundeskreis einzubringen. Als Arbeitsprinzipien des Freundeskreises nannte er "alle mitnehmen, Organisationsprinzipien einhalten und nach allen Seiten offen sein und auf allen Ebenen verknüpfen".


Selbst ein "Flüchtling"

Uhlich bezeichnete Hofheim als seine "zweite Heimat", nachdem er vor 35 Jahren aus Dresden geflohen sei. Die Arbeit im Asylkreis sei auch Zeichen der Dankbarkeit dafür, dass die Deutschen 70 Jahre in Frieden, Freiheit und Demokratie leben durften. Deshalb hätten hierzulande alle die Pflicht, denen zu helfen, die nichts von alledem hätten. Bei der Asyl-Willkommenskultur im Landkreis würden sich besonders Zuwendung, Vertrauen und Menschlichkeit auszeichnen, erklärte Professor Uhlich.


Ein Vorzeigeprojekt

Landrat Wilhelm Schneider (CSU) stellte besonders die sehr gute Zusammenarbeit zwischen den Ehrenamtlichen und seiner Behörde heraus. Die Unterbringung und Integration sei eine Herausforderung und Chance zugleich. In Hofheim sei mit dem Freundeskreis Asyl ein Vorzeigeprojekt entstanden, das Söhne und Töchter bekommen habe. Bereits in 20 Kommunen des Landkreises wären Asylsuchende flächendeckend untergebracht worden.
Frisch von der Kreisausschusssitzung kommend, konnte Landrat Schneider mitteilen, dass beschlossen wurde, in einem Modellprojekt in Kooperation mit der Caritas Haßberge eine Vernetzung der ehrenamtlichen Helfer im Landkreis vorzunehmen und dafür eine Fachkraft einzustellen.


"Im Meer des Schreckens"

Hofheims Bürgermeister Wolfgang Borst (CSU) würdigte die vielfältigen Aufgaben, die vom Freundeskreis Asyl "im Meer des Schreckens" geleistet werden. Hofheim könne zwar nicht das Geschehen in der Welt beeinflussen, sehrwohl jedoch, wie in der Stadt mit Flüchtlingen umgegangen wird.
Verschiedene Gäste berichteten darüber, wie es in ihren Gemeinden mit der Flüchtlingssituation aussieht. Bürgermeister Günter Pfeiffer (FW) sagte, dass mangels Gebäude-Leerständen bislang keine Flüchtlinge in seiner Gemeinde zu finden sind. Das Landratsamt stehe zurzeit aber mit einem Pensionsbesitzer in Verhandlungen. Bürgermeister Dieter Möhring aus Aidhausen (FW) hat bereits mehr Erfahrungen gemacht. Er verschwieg nicht, dass anfangs mit Schwierigkeiten gekämpft wurde, durch viel Dazulernen heute aber eine gute Atmosphäre in den drei Ortsteilen herrsche, wo Asylsuchende untergebracht sind. Jede Ortschaft betreue "seine Flüchtlinge", die hilfsbereit und freundlich wären, selbst. Die ehrenamtlichen Helfer hätten eine bittere Pille zu schlucken, weil jetzt Flüchtlinge, die schon in Vereine integriert sind und Ausbildungsplätze haben, Aidhausen wieder verlassen müssen.


Normaler Umgang ist wichtig

Helmut Ott, Leiter der Mittelschule Hofheim, berichtete von einer gemischten Klasse, in der man den Flüchtlingskindern eine "zweite Heimat" bieten wolle. Norbert Zettelmeier erklärte, dass die katholische Kirche voll hinter der Asylpolitik in Hofheim stehe. Kurz vor der Ausstellungseröffnung seien 16 Flüchtlinge in Hofheim angekommen, die im Obergeschoss des Pfarrheims als Notfallunterkunft empfangen worden seien. "Besser als in einem großen Auffanglager", erklärte Zettelmeier, der deutlich machte: "Asyl ist Menschenrecht und Christenpflicht".
Sein evangelischer Kollege, Pfarrer Sieghart Sapper, der in seiner Studienzeit in einem Asylantenheim wohnte, meinte, ein ganz normaler und persönlicher Umgang mit den Asylanten sei sehr wichtig. Die Ausstellung kann in nächster Zeit im Nebengebäude des Hofheimer Bürgerzentrums besichtigt werden.