Er war nicht lange dabei. 1997 und 1998 für eine CD-Produktion und eine Welttournee. Immerhin. Davon zehrt er fast 20 Jahre danach noch: Ray Wilson (46), nach Peter Gabriel und Phil Collins der dritte Frontmann der Kultband "Genesis". Statt bei Riesen-Festivals, wie Rock im Park in Nürnberg, tritt er jetzt in kleineren Locations auf, so wie am Samstagabend in der Haßfurter Stadthalle.

Genesis-Musik, millionenfach und weltweit verkauft. Klingt angestaubt. Ist sie aber nicht. Im Gegenteil: Taufrisch kommt sie daher. Hat (wie bei edlen Weinen) einen hohen Reifegrad erreicht. Das Publikum, das da von den Stühlen aufspringt und herumhopst wie auf einer Drogenparty, aber auch. Sie stimmen in jeden Refrain ein, erheben ihre Körper und Stimmen, übernehmen den Gesangspart gar komplett. "Dann kann ich ja gehen", scherzt der Schotte Wilson, der das Mikrofon ins - einmal mehr - gut gefüllte Auditorium reicht.

Er hatte eben "In the air tonight" angestimmt. Eine Leihgabe von Phil Collins, mit dem er nie zusammengespielt hat. Ein weiterer Höhepunkt war "Solsbury hill", noch so ein Diebstahl aus fremder Feder, mit der es sich schmückt . Diesmal von Peter Gabriel. Und um die "Einbruchserie" komplett zu machen, klaut Wilson auch noch bei Mike Rutherfords Mechanikern. "Another cup of coffee."

Die Zuhörer verzeihen dem sympathischen Sänger diese "Vergehen", der die Klassiker in eingängige Arrangements verpackt, sich dabei junger, talentierter Musiker bedient, die Geige, Saxofon und Flöte ebenso beherrschen wie sein Bruder Steve die diversen Gitarren und Effektgeräte.

Zwischen den ganzen Genesis-Evergreens wie "Carpet crawlers", "Ripples", "No son of mine" "Follow you, follow me", "Hold on to my heart, "Jesus he knows me" und "Land of confusion" erklingen dann auch eigene Eigenwerke bzw. Genesis-Kompositionen, an denen er aktiv mitgewirkt hat, wie "Congo" oder "Not about us". Und die können sich durchaus hören lassen, obwohl sie es nie in den Radio-Äther oder Hitparaden schafften.

Auf Einkaufstour

Wilson hat eine fantastische Stimme, aber auch Songwriter-Qualitäten, wie sich bei "The actor" oder"Goodbye baby blue" erkennen lässt. Und was auch dazu führte, dass viele Besucher die Gelegenheit nutzen, auf dem Nachhauseweg noch seine aktuelle Sampler-Produktion mit mehreren CDs und einer DVD in die Manteltasche zu packen und das Geld auf den Verkaufstisch zu legen.

Der Retro-Trip hat ihnen Spaß gemacht, wie überhaupt der Genesis-Kult derzeit eine Renaissance erlebt, der allen, die seit 1967 daran beteiligt waren, mächtig Geld in die (Renten-) Kassen spült.

Seit drei Jahren ist Ex-Gitarrist Steve Hackett mit einem Genesis-Revisisted-Programm rund um den Globus unterwegs. Ex-Bassist und Gründungsmitglied Mike Rutherford tourt derzeit in den USA mit seinen Mechanics-Hits und ausgewählten Genesis-Songs (und kommt damit im Frühsommer auch nach Deutschland).

Musik bleibt lebendig

Mit der BBC-Produktion "Sum of the parts", das den Nukleus der Gruppe nach über 40 Jahren wie alte Schulfreunde wieder zusammenführte, erschien ein Dreifach-Album namens "R-kive", das die Schaffensperiode von 1970 bis jetzt im frischen Sound durch die Gehörgänge jagt (wobei auch ausgewählte Soloproduktionen Eingang fanden). Der ehemalige Peter-Gabriel-Schlagzeuger Jerry Marotta spielt auf der laufenden Europatour mit seinem Security-Projekt mehrere Songs des Epochal-Werkes "Lamb lies down on broadway" . Für Herbst hat sich die weltweite erfolgreichste Genesis- Coverband "The Musical box" (aus Kanada) in Heilsbronn/Nürnberg und München angesagt.

Obwohl die "Genesis" seit dem Juli 2007 auf keiner Bühne mehr stand, die Musik lebt auf vielen fort...



Noch mehr Genesis im Programm:

Mike Rutherford & Mechanics
- München, Muffathalle, 25. Mai;

Phil - Deutschlands bekannteste Phil-Collins-Coverband - Kulmbach, Plassenburg, 15. Juli;

Steve Hackett - Genesis Revisted - Freilichtbühne Loreley - 19. Juli;

The Musical box - Heilsbronn, Hohenzollernhalle, 3. Oktober; München, Zirkus-Krone-Bau, 5. November;

Weitere Infos:
www.genesis-fanclub.de