Der Bauch zwickt und zwackt, der eigene Hausarzt hat schon Feierabend, ein Blaulicht-Einsatz ist aber auch noch nicht notwendig. Für ein solches Szenario - krank, aber nicht in Lebensgefahr - gibt es den Ärztlichen Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern (KVB).

Wählt der Haßberge-Patient die "116 117", erfährt er, wo in seiner Nähe ein Bereitschaftsarzt Dienst hat. Dort kann es dann auch sein, dass er auf einen Psychotherapeuten trifft. Kein Witz, sondern Wirklichkeit, seitdem neuerdings alle Ärzte mit Approbation und kassenärztlicher Zulassung verpflichtet sind, Bereitschaftsdienste zu leisten - und zwar auch solche, die über keine allgemeinmedizinische Praxisroutine verfügen.


Fit für Bereitschaftsdienst
Egal ob Augen-, Haut- Röntgenärzte oder Pathologen, ja selbst Psychiater und ärztliche Psychotherapeuten sind seit 20. April 2015 zum Bereitschaftsdienst verpflichtet.
Führt die Neuregelung nicht zu einer Verunsicherung sowohl bei den Patienten als auch bei den Ärzten?, will unsere Zeitung von Ernst Schlereth wissen, der bei der KVB Regionalleiter für den ärztlichen Bereitschaftsdienst in Franken ist. "Das mag sein", gibt er zu. Aber jeder Arzt habe kraft seiner Ausbildung die Befähigung für einen Bereitschaftsdienst und könne sich gegebenenfalls auch noch zusätzlich auf die Anforderungen vorbereiten. So unterstützt die KVB zum Beispiel Hospitationen oder bietet Schulungen an, um die Ärzte fit für den Bereitschaftsdienst zu machen.

Ziel ist es, so viele Ärzte wie möglich in der Region zu akquirieren, erklärt KVB-Sprecherin Birgit Grain. Schon jetzt bereite man sich so auf die Folgen des demografischen Wandels vor, denn immer älter werdende Ärzte - besonders auf dem Land - können nicht auf Dauer mit Bereitschaftsdienst belastet werden. Deshalb werde aktuell auch ein Vertretungspool mit Nicht-Vertragsärzten - dies sind Mediziner ohne Niederlassung - kontinuierlich aufgebaut, ergänzt Birgit Grain.

Ernst Schlereth verweist überdies darauf, dass es für die Ärzte die Möglichkeit gebe, über eine "Vertreterbörse" einen "Ersatzmann" zu finden.

Künftig ein Standort?
Bisher wird der Bereitschaftsdienst von den niedergelassenen Ärzten im Bereich Haßfurt sowie Ebern/Hofheim selbst organisiert. Geht es nach Landrat Wilhelm Schneider (CSU), soll sich dies aber bald ändern: Er will einen zentral organisierten Bereitschaftsdienst im Landkreis Haßberge einrichten. So sieht das auch die Reform der Kassenärztlichen Vereinigung vor: Nach und nach sollen die zentralen Bereitschaftspraxen in Bayern installiert werden.

Straubing könnte als Pilot-Region möglicherweise noch in diesem Jahr komplett auf das neue Konzept umgestellt werden. Der Bereitschaftsdienst soll dann - in Straubing wie künftig im Landkreis Haßberge - wie folgt aufgebaut sein: In einer regionalen Bereitschaftspraxis - verhandelt wird aktuell wohl zum Beispiel mit der Haßfurter Klinik als Träger - sind zwei Ärzte im Dienstplan vorgesehen. Einer, der die Haßberge-Patienten in Haßfurt ambulant behandelt, und einer, der die Hausbesuche im ganzen Landkreis übernimmt - von Rauhenebrach bis Bundorf, von Riedbach bis Ebern. Zusätzlich gibt es noch einen Fahrer, der die Haubesuche begleiten soll.
Die strikte Trennung vom sogenannten Fahr- und Sitzdienst der Bereitschaftsärzte ist neben der Abgabe von Diensten an Nichtvertragsärzte ein entscheidender Baustein der neuen Struktur. Und: An eben dieser Lösung führt laut Schneider "kein Weg vorbei".

Ende April verkündete der Landrat, es gebe noch Klärungsbedarf mit den Hausärzten im Bereich Haßfurt-Maintal-Steigerwald. Trotzdem ging der Politiker schon damals davon aus, dass diese Lösung kommt.
Unstimmigkeiten gibt es wohl immer noch. Ein Arzt aus dem Landkreis schildert, dass die Meinungen zwischen den Ärzten im südlichen und nördlichen Landkreis rund um die Hofheimer Gegend wohl stark auseinander gehen würden: "Da ist ein tiefer Graben", sagt der Mediziner, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte: "Die einen Ärzte sehen es als Zwang, die Dienste in einer zentralen Bereitschaftspraxis zu leisten, andere als Wohltat."

Wenn der zentrale Standort kommt, rechnet der Arzt damit, dass alle "Fachärzte auf Biegen und Brechen Facharztgruppen bilden werden". Damit drohe dann wieder ein Verlust an Ärzten, die den allgemeinmedizinischen Bereitschaftsdienst übernehmen könnten... Die Alternative zur Zentralisierung wäre laut Wilhelm Schneider, dass der Bereitschaftsdienst außerhalb des Landkreises organisiert werde - zum Beispiel in Schweinfurt. Das wolle niemand, sagte der Landrat schon Ende April.