Wie, so fragt man sich, kommt jemand auf die Schnapsidee, mit einem Brecheisen in die eigene Kneipe einzubrechen, die dort hängenden Geldspielautomaten zu knacken und die dabei erbeutete Kohle von 3240 Euro in seinem Auto zu bunkern? Vielleicht ist an der flapsigen Rede von der Schnapsidee etwas dran, schließlich hatte der 46-jährige Einbrecher etwa acht Bier intus. Finanzielle Not oder Versicherungsbetrug jedenfalls scheiden als Motiv aus. Wegen eines besonders schweren Falls von Diebstahl verurteilte das Amtsgericht Haßfurt den Gastwirt in einem Strafprozess zu einer sechsmonatigen Bewährungsstrafe und 90 Stunden gemeinnütziger Arbeit.
Abgespielt hat sich die von Staatsanwalt Bernd Lieb als "abstruse Geschichte" bezeichnete Tat am 25. April dieses Jahres um zwei Uhr in der Frühe. Da hatten alle Gäste das Lokal in einer Kleinstadt im Kreis Haßberge bereits verlassen, und der Pächter saß noch alleine herum.

Da er seinerzeit mit seiner Frau einen mords Ärger und Stress hatte, war er gar nicht gut drauf. Statt zu seiner Angetrauten heim zu gehen, worauf er jedenfalls keinen Bock hatte, kam er auf eine andere Idee. Aus lauter Frust und Langeweile spielte er - zum Zeitvertreib - einfach an einem der Glücksspielautomaten herum. Aber Fortuna war ihm auch da nicht hold und als der Wirt noch Geld verlor, kriegte der Automat sein Fett ab: Der rabiate Mann schlug so wütend auf das Gerät ein, dass eine Glasscheibe zersplitterte. Jetzt kam er schlagartig wieder zur Besinnung. Wie soll ich das bloß meiner Frau erklären, fragte er sich verzweifelt.

Einbruch erschien als einziger Ausweg

Und just kam ihm der rettende Einfall. Einen Einbruch vorzutäuschen, das erschien ihm in diesem Moment der einzige Ausweg. Also griff er sich aus der Werkzeugkiste ein Brecheisen, ging vor die Tür und versperrte sie. Dann hebelte er sie mit dem Eisen auf und spielte in seinem eigenen Lokal den Einbrecher. Er demolierte fünf Spielautomaten und holte über 3000 Euro heraus. Als sein Blick auf die Dart-Automaten fiel, zögerte er. Denn ausgerechnet am kommenden Abend war ein Dart-Turnier angesetzt, und da mussten die Geräte ja funktionieren. Deshalb ließ er von den Geschicklichkeitsspielen mit den Wurfpfeilen die Finger.

Am nächsten Morgen rief er den Automatenaufsteller an. Das ist ein alter Kumpel. Der setzte sich sofort ins Auto und war kurz darauf vor Ort. Als er das Bild der Verwüstung sah, merkte er gleich, dass irgendetwas nicht stimmte. Obwohl der angerichtete Sachschaden mehr als 10.000 Euro betrug, verhielt sich der Wirt eigenartig unbekümmert. Zudem hätte ein Einbrecher das Geld in den Dartautomaten sicher nicht links liegen lassen.

Als der Automatenbetreiber seine Eindrücke bei der Polizei schilderte und sich die Beamten den Gastwirt näher zur Brust nahmen, flog die Räuberpistole schnell auf. Als "Kurzschluss-Handlung" bezeichnete der Beschuldigte seine haarsträubende Aktion gegenüber dem Richter. Das bereits rechtskräftige Urteil entspricht genau dem Strafmaß, das Staatsanwalt Bernd Lieb in seinem Plädoyer gefordert hatte.