Die Hofheimer Allianz ist auf einem guten Weg. Dies belegen die Preise, mit der der Gemeindeverbund immer wieder ausgezeichnet wird. Jetzt haben diese Kommunen, alle Mitgliedsgemeinden der VG Hofheim plus Maroldsweisach, sogar ihren eigenen Weg (gebaut): Den Radweg entlang der Staatsstraße 2275, der am Samstag im Rahmen eines großen Festes ab 11 Uhr in Ermershausen eröffnet wird. Der Weg knüpft nicht nur eine neue Masche im Radwegenetz des Landkreises, sondern bildet auch den Lückenschluss zwischen Maintal und Haßgau samt Übergang zum Grabfeld im Norden. Zudem stellt er eine Datenautobahn dar. Im Untergrund wurde gleichzeitig ein leistungsstarkes Glasfaserkabel verlegt, das an einen Internet-knoten in Schweickershausen/Thüringen angebunden ist.


Anspruchsvolle Steigungen

Viele Vorteile also, dennoch war der Bau, der am Ende um die fünf Millionen Euro kostet (800 000 Euro steuern die Kommunen bei) nicht unumstritten. Neben bisweilen großen Eingriffen in die Landschaft tauchte die Fragwürdigkeit auf, ob die Strecke wegen der Steigungen von Radlern überhaupt angenommen wird? Anstiege zwischen acht und zehn Prozent gilt es zu bewältigen.

8,2 Kilometer ist der Neubauabschnitt lang. Angaben über die Höhenmeter, die es zu meistern gilt, fehlen bislang. Einer, der die Verbindung schon mehrfach getestet hat, ist Jürgen Bergmann, Architekt aus Eichelsdorf. "Den neuen Radweg finde ich eine gute Sache. Bisher war es als Radfahrer nicht ungefährlich auf der Staatsstraße, gerade die kurvige Eichelsdorfer Steige Richtung Stöckach hochzufahren. Überholende Autos kamen einem da manchmal ziemlich nah, wenn plötzlich Gegenverkehr auftauchte. Durch den seitlichen Radweg ist die Gefahr an dieser Stelle und auch der an der Schweinshauptener Steige ist beseitigt."


Erste positive Testfahrten

Wie der durchtrainierte Bergmann auch auf Facebook-Videos bekundet, sei die Strecke "aufgrund der nicht unerheblichen Steigung nicht zu unterschätzen". Im Zuge der immer beliebteren E-mobilität, auch bei Touristen, sollte der Radweg kein Problem darstellen. "Landschaftlich sehr reizvoll und auch ein schöner Rundweg von Hofheim über Maroldsweisach mit der Einkehr beim Hartleb oder dem Steinerlebnispfad auf dem Zeilberg und Rückweg über das Baunachtal", empfiehlt der Eichelsdorfer Radfan, der sich für sein Büro natürlich auch auf den baldigen Ausbau des DSL-Netzes bis nach Hofheim freut.

Während der Bauzeit von über einem Jahr waren massive Erdbewegungen notwendig. 31 300 Kubikmeter an Aushub verzeichnet der Chef des Planungsbüros, TBW aus Eltmann, Peter Ruck. "26  000 Kubikmeter davon wurden wieder eingebaut, der Rest abgefahren." Felsenkeller, teils zum Fledermaus-Luxushotel umfunktioniert, sorgten entlang der Route für einige Herausforderungen.

Über die Fledermaus-Keller unkte ein Maroldsweisacher Gemeinderat: "Betonbunker mit Klagemauer". Ebenso sorgte die Schweinshauptener Steige und die hohen Böschungen vor und hinter Schweinshaupten für Probleme, wie Ruck einräumt.

Was Spötter auch als Canyons schmähen, hat nach Rucks Überzeugung Vorteile: "Die Sichtverhältnisse für Autofahrer und auch die Zufahrten zu Feldwegen wurden wesentlich verbessert."
 


Aktentasche auf Gepäckständer

Ob der Ermershäuser Bürgermeister Günther Pfeifer (FW) bei künftigen Fahrten zur Verwaltungsgemeinschaft mit der Aktentasche auf dem Gepäckständer nach Hofheim strampelt, darf bezweifelt werden, aber gerade für den Fahrradtourismus erwarten sich die Bürgermeister eine spürbare Belebung. "Wir bringen das überregionale Radwegenetz voran und zwar auf einer sicheren Verbindung", findet Peter Ruck, wobei die Staatsstraße westlich von Birkenfeld überquert werden muss, da die Radwegtrasse die Straßenseite wechselt. "Die Zeiten, dass sich Radler Schleichwege durch den Wald suchen mussten, ist jedenfalls vorbei", so Ruck.