62 Jahre ist Heinz-Dieter Schmidt alt. Eigentlich könnte er vom Alter her noch weiter als Trommler bei der Bürgerwehr in Königsberg mitmarschieren. "Seit 27 Jahren bin ich dabei und habe 28 mal getrommelt, aber nun geht es nicht mehr", sagt er. Eine Hüftoperation vor einigen Jahren macht ihm so zu schaffen, dass er die weiten Wege und Anstiege auf dem nicht gerade fußfreundlichen Pflaster in Königsberg nicht mehr schafft. "Vier Kilometer waren es in diesem Jahr am Probeauszug, 17 Kilometer insgesamt im letzten Jahr an Pfingsten! Die Strecken sind sehr lang. Das schaffe ich nicht mehr mit der schweren Trommel".

Sonst hätte er gerne weiter gemacht. Aber nun wird er am Pfingstdienstag aus seinem Amt verabschiedet. "Es tut schon weh, aufhören zu müssen!" Seinem Abschied sieht er mit gemischten Gefühlen entgegen. Noch einmal nimmt er am Auszug der historischen Bürgerwehr in Königsberg teil. Der Auszug der Truppe am Dienstag nach Pfingsten markiert den Höhe- und Schlusspunkt des Pfingstfests in der Stadt.

Ein besonderer Augenblick

Gerne erinnert er sich an seine Zeit als aktiver Trommler in der Bürgerwehr zurück. Auch sein erster Einsatz ist ihm noch in lebendiger Erinnerung, als er in der historischen Uniform am Pfingstmontagabend zum damaligen Tambourmajor Hans Stark durch die Gassen von Königsberg ging, um zum ersten Mal im Trommlercorps mitzutrommeln. Ein besonderer Augenblick in seinem Leben, an den er heute noch gerne und mit etwas Stolz zurück denkt.

Gerne denkt er auch an die vielen Ausflüge mit historischen Hintergründen der Bürgerwehr, wie nach Colmar oder zum Hambacher Schloss.

Sinnbild der Revolution

Die Königsberger Bürgerwehr und der jährlichen Auszug ist für Heinz-Dieter Schmidt heute noch ein Sinnbild der Revolution von 1848 und des Kampfes um die Bürgerrechte. Damit soll nicht nur eine Tradition verbunden werden, sondern sollen die Bürger auch jetzt noch immer wieder wach gerüttelt werden, die ihnen zustehenden Rechte zu bewahren und für sie zu kämpfen.

Die Jugend zieht mit

So sieht er die Zukunft der Bürgerwehr in Königsberg auch sehr positiv. Es wird immer wieder Männer geben, die in ihr mitmarschieren. "Es sind sogar mehr als vor Jahren. Waren es vor zwanzig Jahren vielleicht sechzig oder manchmal siebzig Ausmarschierer, so waren es beim letzten Probeauszug am Himmelfahrtstag diesmal 94. Das zeigt doch, dass Interesse da ist". Besonders freut es ihn, dass auch die Jugend in Königsberg mitzieht und sich rege für die Bürgerwehr interessiert.

Seine Trommel hat Tambour Heinz-Dieter Schmidt, der am Pfingstdienstag mit allen Ehren verabschiedet wird, schon abgegeben. Doch dieser Tag ist für ihn nur ein Abschied vom Kommando, denn: "Ich werde bei der Bürgerwehr weiter mitmarschieren. Dann halt nicht mehr im Trommlercorps mit der schweren Trommel, sondern als einfacher Mitmarschierer im Bataillon und der Bürgerwehr auf diese Weise treu bleiben, so lange es gesundheitlich geht!"