Ein aus dem Landkreis Bamberg stammender Kraftfahrer wurde am Freitag von Amtsrichterin Ilona Conver zu sieben Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Die Strafe wurde ausgesetzt auf Bewährung. Er hatte in über 30 Fällen Kisten vom Lager eines Getränkemarkts entwendet und das Pfand dafür kassiert.

Geständnis zu Beginn

"Ich gebe es zu, aber ich war nur sechs Mal da und nicht 32 Mal", sagte der Angeklagte. Wie er der Richterin schilderte, sei er im März 2014 durch Zufall auf den nicht abgesicherten Getränkemarkt im Landkreis Haßberge aufmerksam geworden, als er anhielt, um seine Notdurft zu verrichten. Auf der Suche nach einer Toilette war er auf das Gelände der Firma gekommen, gab der 59-Jährige an. Erst später sei ihm die Idee gekommen, Getränkekisten zu klauen, und so fuhr er erneut zum Lager des Getränkehändlers. Beim ersten Mal habe er nur sechs Kisten mitgenommen, danach jeweils zwischen 16 und 20 Stück. "Mir ist erst danach bewusst geworden, dass ich meine Familie und meinen Job damit aufs Spiel setze", sagte der Angeklagte.

Er habe aus der Not heraus gehandelt. Momentan laufe ein Insolvenzverfahren, und er habe sich über das zusätzliche Geld, das für ihn und seine Familie nun zur Verfügung stand, gefreut.

"Jetzt, wo es mir bewusst ist, tut es mir wahnsinnig leid, dass ich jemandem Schaden zugefügt habe", sagte der Kraftfahrer. "Wenn dort ordentlich zugeschlossen gewesen wäre, wäre ich nie auf die Idee gekommen, etwas zu klauen."

Es waren mehr Diebstähle

Ganz so harmlos kann es aber nicht gewesen sein. Denn die Diebstähle sollen schon früher begonnen haben. Das erste Mal stellte der 41-jährige Marktinhaber im Januar 2014 fest, dass vier Kisten fehlen. Daraufhin begann er, genau Buch zu führen, wie viele Kisten abends und wie viele morgens da waren. Die Aufzeichnungen zeigten klar: Regelmäßig verschwanden Kisten. So installierte er Kameras, legte sich sogar nachts selbst auf die Lauer.
Die Kamera-Aktion brachte schnell Erfolg. Immer wieder kam der selbe Mann, er fuhr er sogar mit seinem Wagen - ein größeres Modell - auf den Hof, um die Kisten nicht so weit schleppen zu müssen.

Der Dieb kam um vier Uhr

Eines Nachts im Mai lag der Marktinhaber wieder auf der Lauer. Gegen vier Uhr kam der Unbekannte auf seinen Hof. Der 41-Jährige rief die Polizei, und gemeinsam stellte man den nun Angeklagten. Er hatte gerade 24 Kisten in den Kofferraum geladen. Damit hörten die Diebstähle auf.

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft, Ilker Özalp, sah die Tat als erwiesen an. Der Angeklagte hatte gestanden. Und auch die 32 Diebstähle waren klar nachweisbar durch die Protokolle des Firmenchefs. Er rechnete die finanzielle Situation des Angeklagten mit ein und plädierte für eine zweimonatige Bewährungsstrafe. Außerdem forderte er Wiedergutmachungszahlungen.

Der Verteidiger Peter Streit hielt dem entgegen, dass nur sechs Diebstähle nachweisbar seien. Weil das Gelände nicht abgesperrt war, hätte es weitere Diebe geben können. Er forderte einen Monat Bewährungsstrafe.
In seinem letzten Wort betonte der 59-Jährige, der bereits 2013 wegen Diebstahl verurteilt worden ist, dass es ihm wahnsinnig leid tue.

Richterin Ilona Conver kam nicht umhin, dem Mann einen spürbaren Denkzettel zu geben: sieben Monate Haft, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung, eine Bewährungsauflage von über tausend Euro, und der Anklagte muss die Kosten des Verfahrens tragen. Für die Richterin war es Diebstahl in besonders schwerem Fall.

Neue Einnahmequelle geschaffen

776 fehlende Getränkekisten im Wert zwischen 3 und 4,50 Euro und das über mehrere Monate hinweg. Der 59-Jährige habe sich eine "nicht unerhebliche Einnahmequelle" geschaffen, sagte sie. Außerdem wertete Conver das Geständnis als Taktik, denn der Angeklagte habe nur die Diebstähle eingeräumt, bei denen er auf den Bildern klar erkennbar war. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.