Der langjährige Stadtrat Karl Hornung und der ehemalige Bürgermeister Baptist Bräutigam hatten sich für die Gründung eines Kindergartens im ehemaligen Schulhaus in Weisbrunn stark gemacht, und das Gebäude bot auch die räumlichen Voraussetzungen dafür. Es gab ja sogar neben den zwei Gruppenräumen eine kleine Turnhalle, einen Personalraum und auch eine Küche. Dies alles wurde komplettiert mit einem riesigen Außengelände, in dem man sich auch im Freien entsprechend austoben konnte.

Roswitha Burger erinnert sich noch gut an den Beginn. "Von einem Tag auf den anderen erschienen da 50 Kinder in der Einrichtung, die noch nie zuvor in einem Kindergarten waren. Dabei kamen die Kinder aus allen Stadtteilen und wurden von der Firma Ziegler in einem vollgestopften Kleinbus nach Weisbrunn gebracht."
Die 50 Buben und Mädchen wurden in zwei Gruppen zu je 25 Kindern betreut. Und: Natürlich waren alle schon mindestens 3 Jahre alt.


Dorfgemeinschaft steht voll hinter ihrem Kindergarten


Als ein herausragendes Merkmal in dem Stadtteil von Eltmann sieht die scheidende Leiterin es, dass die Dorfgemeinschaft von Anfang an voll hinter dem Kindergarten stand und dies immer wieder bei allen möglichen Veranstaltungen unter Beweis stelle, wie sie unterstrich. Ganz besonders gelte das für das traditionelle Sommerfest.

Aber auch mit dem Träger, der Stadt Eltmann, habe man nie Schwierigkeiten gehabt. Hier nennt sie die ehemaligen Bürgermeister Schömig und Heinz Krönert genauso wie den jetzigen Bürgermeister Michael Ziegler, die jederzeit ein offenes Ohr für Wünsche hatten und alle viel für den Kindergarten getan hätten.
Aber auch die Eltern seien sehr mit der pädagogischen Arbeit zufrieden und hätten dies auch bei einer anonymen Umfrage deutlich gemacht.


Rahmenbedingungen immer auf der Höhe der Zeit


Roswitha Burger bestätigt, dass sich in den nun fast 40 Jahren des Bestehens des Kindergartens natürlich viel getan hat. So sei die Einrichtung schon mehrmals umgebaut worden. Vor kurzem sei eine Kinderkrippe eingerichtet und ebenso sei der Außenbereich und das Spielgelände völlig umgestaltet worden. Die Unterstützung durch den Elternbeirat sei bei solchen Angelegenheiten immer vorbildlich gewesen.

Im Jahre 1985/86 hätte sich sogar der Stadtrat einmal in einer schwierigen Situation gesehen, denn er musste die Aufnahme von Kindern aus Eltmann in Weisbrunn untersagen. Hier hatte man nämlich solch einen Zuspruch, dass die oberste Grenze erreicht war und man wünschte sich damals, dass Kinder nur halbtags in den Kindergarten kommen. Dies galt insbesondere für die Dreijährigen.

1994/95 fand dann doch eine Erweiterung zur drei Gruppen statt, wobei vor allem die ehemalige Lehrerwohnung voll in die Einrichtung integriert wurde. Während der Baumaßnahme waren die Kinder ein dreiviertel Jahr in das Gemeindehaus in Lembach ausgelagert.


Förderung der Kinder von Anfang an im Mittelpunkt


Neben den äußeren Bedingungen und Voraussetzungen änderten sich die inhaltlichen Schwerpunkte in den vier Jahrzehnten. Glich der Kindergarten einst eher einer Aufbewahrungsanstalt? "Dies war bei uns in Weisbrunn noch nie der Fall. Wir haben von Anfang an die Kinder sehr intensiv auf die Schule vorbereitet und dazu auch Vorschulmappen eingesetzt. An der Lehrerakademie in Dillingen waren Ellen Steinhäuser vom Kindergarten Limbach und ich vom Kindergarten Weisbrunn die einzigen Erzieherinnen aus Bayern, die sich mit Lehrerinnen und Lehrern über die Vorschulerziehung austauschten. So war es kein Wunder, dass wir dies in unserer eigenen Einrichtung bestens umsetzen wollten."

Aber die Zusammenarbeit zwischen Kindergarten und Grundschule sei hier in Eltmann schon immer sehr gut gewesen und mit der Umsetzung des Soft-Step-Programms sei man gerade hier beispielhafte Schritte gegangen. Allmonatlich findet eine Begegnung oder Aktion der Kindergärten mit den Schülern der ersten Klassen statt.

Den größten Unterschied in der Entwicklung der Kindergärten sieht Roswitha Burger darin: "Die Kinder werden immer jünger, die Betreuungszeiten werden immer länger. Der Kindergarten wird immer mehr zu einem Dienstleistungsunternehmen, und manchmal habe ich den Eindruck, dass nicht die Bedürfnisse des Kindes im Vordergrund stehen, sondern die der Eltern".

Natürlich kämen jetzt auch schon die früheren Kinder als Mama und Papa zu ihr und meldeten ihre Kinder an. "Dabei ist es manchmal schon äußerst interessant, dass du viele Kinder wieder in ihren Eltern erkennst. Das Schönste aber ist, dass die meisten Eltern ihre Kindergartenzeit in sehr guter Erinnerung haben und auch den Kontakt zu den Erzieherinnen sehr pflegen."


Die Einrichtung heute


In den Kindergarten Weisbrunn gehen heute 65 Kinder in drei Gruppen. 15 Kinder besuchen das "Rabennest", das gleichzeitig Kinderkrippe ist, während die anderen 50 Regelplätze in der "Igelgruppe" und dem "Spatzennest" sind. Das jüngste Kind ist bisher mit neun Monaten geschickt worden - natürlich eine besondere Aufgabe und Herausforderung für die Erzieherinnen.

Große Freude, unterstreicht Rowitha Burger, sei es im letzten Jahr gewesen, dass Weisbrunn für das Projekt "Sprache und Integration" ausgewählt wurde. Da bezuschusst nun die Bundesregierung eine Fachkraft, die sich mit der Sprache im Kindergarten befasst. Ein großer Gewinn für den Kindergarten.

Natürlich hat sich in all den Jahren der Personalschlüssel geändert. So leisten heute zehn Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen ihren Dienst, fünf in Vollzeit und fünf in Teilzeit.

Bei ihrem Rückblick kommen Roswitha Burger ein paar Tränen. Ihr Traumberuf war Erzieherin und so ist es bis heute geblieben. Sie erinnert sich an ihre Kindheit. Schon im ersten Jahrgang als Grundschülerin löcherte sie einst ihre Mutter: "Wann darf ich denn wieder einmal in den Kindergarten gehen?" In Weisbrunn erfüllte sich ihr Traum, auch der Traum von einer guten Arbeitsstelle; sie weiß: "Alle gehen gern auf ihre Arbeit."


Neue Leiterin ist ein Eigengewächs


Rowitha Burger freut sich, dass jetzt ein Eigengewächs aus dem Kindergarten Weisbrunn ihre Nachfolge übernimmt. Daniela Dütsch besuchte schon als Mädchen den Kindergarten, natürlich bei Roswitha Burger, und sagte damals schon zu ihrem Opa: "Wenn ich groß bin, fahre ich Auto, rauche ich und werde wie Roswitha."

Von Rauchen war nie die Rede während ihres Lebens, das Autofahren ist natürlich unerlässlich und nun ist sie nicht nur Erzieherin, sondern wird auch Leiterin wie Roswitha. Daniela Dütsch absolvierte ihr Vorpraktikum und Berufspraktikum in Weisbrunn, ist seit 2006 Erzieherin, wurde später mit der Gruppenleitung beauftragt. Am 1. März, wenn sie offiziell neue Leiterin des Kindergartens Weisbrunn ist, schließt sich der Kreis.


Große Verabschiedung von Roswitha Burger


Das Ende der Ära Burger für den Kindergarten Weisbrunn ging natürlich nach fast 39 Jahren nicht einfach so unbemerkt über die Bühne. Vielmehr war es verbunden mit einer großen Abschiedsfeier, zu der Bürgermeister Michael Ziegler viele Gäste eingeladen hatte. Mit bewegenden Worten stellte er die Leistungen von Roswitha Burger heraus. "Mit viel Herzblut und Leidenschaft hat sie ihren Kindergarten geleitet und ihm ihre Handschrift aufgedrückt. Sie hat ohne Zweifel große Fußstapfen hinterlassen." Für den verdienten Vorruhestand wünschte er ihr alles erdenklich Gute.

Das Personal präsentierte ein Abschiedslied und hatte eigens einen Film mit Glanzlichtern aus dem Kindergartenjahr gedreht, den sie sich immer wieder einmal vor Augen führen könne.

Ihre Nachfolgerin Daniela Dütsch dankte namens des Personals Roswitha Burger für ihre Fürsorge, wenn es um Belange des Personals ging.

Weitere Gruß- und Dankesworte sprachen die ehemalige Schulleiterin Sigi Funck, Rektor Angelika Schmitt, die Kindergartenleiterinnen Christine Hofmann (Eltmann) und Ellen Steinhäuser (Limbach), Thomas Knöttner für den Elternbeirat, Fritz Schmitt für das Personal der Stadtverwaltung, Christine Krause für den Kindergartenverein sowie Jürgen Malinowski namens aller Vereine von Weisbrunn.

Schließlich stellten sich auch noch die "Fidelen Weisbrunner" ein, um die langjährige Leiterin musikalisch zu verabschieden.