Am zweiten Verhandlungstag blieb der Prozess um eine Körperverletzung beim letztjährigen Altstadtfest in Ebern bis zuletzt spannend. Während Rechtsanwalt Hubertus Krause auf Freispruch für seinen Mandanten - der bis zuletzt vehement seine Unschuld beteuerte - plädierte, forderte Staatsanwalt Daniel Heppt eine Geldstrafe von 3600 Euro. Das Urteil: Da das Gericht den Faustschlag aufs Auge eines 22-jährigen Studenten für erwiesen hielt, muss der 25-jährige Angeklagte 2800 Euro Geldstrafe zahlen.

Wie berichtet, war es in der Nacht vom Montag, 25. Juli, auf den 26. Juli, also quasi zum Ausklang des Stadtfestes, zu der tätlichen Auseinandersetzung gekommen. Dabei erlitt das Opfer einen Faustschlag aufs linke Auge und musste vorübergehend in der Uniklinik in Erlangen behandelt werden. Auslöser für den Zoff war zunächst ein verbaler Streit, den der Bruder des Studenten mit einem anderen Festbesucher hatte.


Auslöser: ein umgestoßenes Glas

Der Geschädigte wollte diesen Streit eigentlich nur schlichten, stieß dabei aber aus Versehen ein Bierglas um. Und dass dabei der Gerstensaft auf die Hose seiner Freundin spritzte, dieses Missgeschick war nach Überzeugung von Amtsrichterin Ilona Conver das Motiv für den nachfolgenden Schlag. Staatsanwalt Daniel Heppt gab zu, dass man aufgrund der unterschiedlichen Zeugenaussagen über den Tatzeitpunkt diskutieren könne, hielt das "Kerngeschehen" aber für eindeutig erwiesen. Er sprach in seinem Plädoyer von einem "Augenblicksversagen" und "einmaligen Aussetzer unter Alkoholeinfluss" und beantragte eine Geldstrafe von 3600 Euro.

Der Verteidiger hingegen hob die zahlreichen Ungereimtheiten und Widersprüche hervor, die sich bei den insgesamt zehn Zeugenaussagen ergeben hatten. Eigentlich, resümierte er, hätten nur die beiden Brüder den Angeschuldigten belastet. Viele andere Zeugen hätten den Abend ganz anderes geschildert, beziehungsweise gar nicht mitgekriegt, dass es zu einer Rauferei gekommen sei. Daraus folgerte er, dass die Verletzungen des Geschädigten nicht von seinem Schützling stammen könnten.

Wie die Vorsitzende in ihrer Urteilsbegründung erläuterte, schloss sie sich im Wesentlichen den Argumenten des Staatsanwalts an. Sie sprach zwar ebenfalls von "zahlreichen Unschärfen" bei der Beweisaufnahme, hielt aber den Faustschlag für nachgewiesen. Es gebe keinerlei Anhaltspunkte, so die Richterin, weshalb die Brüder den ihnen flüchtig bekannten Angeklagten hätten "hinhängen" sollen. Weiterhin beklagte sie, dass offensichtlich etliche Zeugen ihre Wahrheitspflicht nicht ernst genug genommen hätten. Ob die dabei gemachten unrichtigen bzw. unvollständigen Angaben auf unzulässigen Absprachen oder auf die "Vernebelung" durch den damaligen Alkoholkonsum zurückzuführen seien, sei nicht mehr klärbar.

Die Verteidigung ließ offen, ob sie Rechtsmittel gegen das Urteil einlegen will.