Was man vor der Nase hat, weiß man oft nicht zu schätzen. Doch Klaus und Monika Braungart leben in Nordrhein-Westfalen und loben aus dieser Distanz die Schönheit des Steigerwalds in den höchsten Tönen (siehe unten).

Die beiden machen regelmäßig Urlaub in Franken und schickten der Redaktion einen Brief mit einer Liebeserklärung an den Steigerwald. "Es war uns ein Bedürfnis, weil wir uns in Franken so pudelwohl fühlen", erzählt die 71-jährige Monika Braungart am Telefon.

Seit 15 Jahren macht sie mit ihrem Mann Klaus (75) im Steigerwald Urlaub - mindestens zwei Mal im Jahr. Das Vorurteil vom zurückhaltenden Franken kann sie nicht nachvollziehen. "Wenn wir im Wald Wanderer oder Waldarbeiter treffen, wird erst einmal ein Pläuschchen gehalten und geklönt."

In diesem Frühjahr waren sie noch nicht da - das Wetter machte nicht mit. Der Dauerregen hat auch den Anstieg der Besucherzahlen im Naturpark Steigerwald im Landkreis Haßberge ausgebremst. "Das ist sehr stark wetterabhängig, weil Wanderer und Radler zu unseren wichtigsten Besuchergruppen gehören", sagt Sandra Müller vom Tourismusverband Steigerwald. Nach der positiven Entwicklung der Touristenzahlen in den vergangenen Jahren müsse man in diesem Jahr einfach abwarten, sagt sie.

Mehr Gäste im Landkreis
Tatsächlich sind die Übernachtungszahlen im Landkreis Haßberge in der Vergangenheit rasant gestiegen. Der Aufschwung kam im Jahr 2010. Hatte das bayerische Landesamt für Statistik 2009 noch einen Rückgang der Übernachtungen zum Vorjahr verzeichnet, stieg deren Zahl von 157 216 in 2009 auf 166 847 in 2010 an. 2011 registrierte die Statistik 196 453 Übernachtungen und 2012 waren es bereits 220 843. Ob die Gäste im Steigerwald oder in den Haßbergen genächtigt haben, lässt sich daraus nicht ablesen.

Die Tourismusverbände Steigerwald und Franken dagegen bilanzieren die Zahl nach Urlaubsregionen, nicht nach Landkreisen. Die beiden Landschaften Haßberge und Steigerwald setzen sich über die Landkreisgrenzen hinweg.

Rüdiger Eisen , Geschäftsführer des Tourismusverbandes Steigerwald, freut sich über die Gesamtzahl von 1,8 Millionen Übernachtungen im Steigerwald 2012. "Bei uns gibt es alles, was Franken kulinarisch zu bieten hat: Bier, Wein, Meerrettich und Karpfen", erklärt er den Erfolg.

Auch das Ehepaar Braungart schätzt die kulinarischen Genüsse, aber noch mehr das fränkische Wesen: "Wir lieben die direkte Art der Franken."

Ein richtiger "Liebesbrief" an Franken
Klaus und Monika Braungart aus Westfalen sind vom Steigerwald und dem Frankenland überhaupt so begeistert, dass sie Land und Leute in einem Brief an den FT loben:

Das Schicksal wollte es vor 15 Jahren, da sind wir gen Süden nach Mittenwald gefahren. Dort hatten wir Kontakt mit einem Oberauracher Ehepaar. Wir wurden Freunde und verbringen seit der Zeit zwei Mal im Jahr unseren Urlaub im Steigerwald. Als passionierte Wanderer haben wir in jungen Jahren vorwiegend die Alpenregion bevorzugt. Nun zwingt uns das Alter dazu, die Mittelgebirge oder Waldregionen zu erwandern. Wir sammeln Wandersteige wie andere Leute Briefmarken. Bekannt sind uns auch die Haßberge, dort haben wir den Amtsbotenweg von Königsberg bis Coburg erwandert. Der Steigerwald-Panoramaweg fehlt uns noch in der Sammlung. Einige Etappen sind uns schon bekannt. Von Bamberg bis Eschenau und Falkenstein. Dieses herrliche Fleckchen Erde, abseits vom Massentourismus mit gut beschilderten Wanderwegen, ist für uns genau das Richtige. Stundenlang den Wald genießen und dem Vogelgezwitscher lauschen. Immer dabei einen Rucksack mit Proviant, eine Wanderkarte und die Mundharmonika. Erholung pur!
Die bodenständigen, sehr hilfsbereiten Leute, die mit schwerer Arbeit ihre Weinberge bestellen und immer zufrieden sind, genau so wie die Waldarbeiter, bewundern wir sehr. Ein Loblied müssen wir noch der fränkischen Küche, dem fränkischen Wein und der Gastfreundschaft der Leute aussprechen.
In einen Landgasthof im Steigerwald kehren wir regelmäßig ein. Dort fühlen wir uns sehr wohl, genießen bei Sonnenschein den Biergarten und besonders die Grillabende mit Musik. Hier sitzen Einheimische, Biker und Wanderer zusammen bei gutem Essen, Bier und Wein.
Wenn man so den Steigerwald kennt, wie beschrieben, wünscht man sich, dass man noch lange lebt, um es zu genießen.