Immer wieder gab es Zoff in der Beziehung zwischen dem 20-jährigen Angeklagten und seiner um drei Jahre jüngeren Freundin, immer wieder kam es zu Handgreiflichkeiten, immer wieder war Schluss - und immer wieder versöhnte man sich. In diesem Tenor - frei nach dem Motto: "Sie küssten und sie schlugen sich" - schilderte der zurzeit in der Justizvollzugsanstalt in Ebrach einsitzende Mann das Verhältnis zu Verflossenen. Weil er im Februar letzten Jahres seiner Ex eine scheuerte und ihr im Mai ein Kissen gegen den Kopf schleuderte sowie zwei Mal die Tür absperrte und sie einschloss, wurde die Haftstrafe, die der junge Mann verbüßt, vom Jugendschöffengericht rechtskräftig um weitere zwei Monate aufgestockt.

Es war gegen 11.30 Uhr am Faschingssonntag 2015, als man anfing, mit Wodka und Baccardi "vorzuglühen", erzählte der Angeklagte. Danach besuchte er mit seiner Freundin den Sander Faschingszug, und beide gingen ins Festzelt. Irgendwann sei er mit seiner Liebsten auf den Spielplatz gegangen, wo sie miteinander Sex gehabt hätten, sagte der Beschuldigte freimütig.


Handfester Streit

Doch das erotische Abenteuer schlug auf dem Rückweg in Streit um. Worum es ging, blieb unklar, aber das Mädchen, so der Häftling, habe sein Handy genommen, auf den Boden geworfen und ihm ein "Verpiss dich!" an den Kopf geschleudert. Daraufhin habe er ihr "im Reflex mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen", gestand er. Nach zwei Tagen war alles vergeben und vergessen und etwa eine Woche später tauschte das Pärchen sogar Ringe aus und feierte Verlobung, wie deutlich wurde.

Der nächste Punkt der Anklage bezog sich auf das, was sich in den späten Abend- und Nachtstunden am 8. und 9. Mai 2015 in einer Wohnung abspielte. Wieder gab es Zank zwischen den beiden. Durch Alkohol enthemmt, spuckte er sie an, warf ihr ein Kissen ins Gesicht und versperrte die Türen. Aber das Muster wiederholte sich: Nach einigen Stunden vertrug man sich wieder und besiegelte die neue Harmonie liebevoll.
Da es sich bei dem Angeklagten strafrechtlich gesehen um einen "Heranwachsenden" handelt, wurde dessen Lebenslauf ausführlich beleuchtet. Jugendgerichtshelfer Franz Heinrich beschrieb die Maßnahmen des Jugendamtes, die sich über einen Zeitraum von etwa zehn Jahren hinzogen. Um den schon früh verhaltensauffälligen Buben auf den rechten Weg zu bringen, versuchte man es nacheinander mit der Betreuung in einer heilpädagogischen Tagesstätte, mit intensiver sozialpädagogischer Einzelbetreuung und mit einer Unterbringung in zwei Heimen.


Ein Scherbenhaufen

All diese Bemühungen der Jugendhilfe konnten nicht verhindern, dass der Angeschuldigte schon sechs Vorstrafen auf dem Kerbholz hat. Unterm Strich stehe man heute "gewissermaßen vor einem Scherbenhaufen", resümierte der Pädagoge.

Nachdem die Beweisaufnahme abgeschlossen war, ging Jugendrichter Martin Kober ausführlich auf das Urteil des Amtsgerichts Schweinfurt vom 15. Oktober 2014 ein. Damals wurde der Heranwachsende wegen dreifachen Diebstahls zu einer zehnmonatigen Jugendstrafe verurteilt. Gut sechs Monate hat er in Ebrach abgesessen. Staatsanwalt Stephan Jäger plädierte dafür, die laufende Gefängnisstrafe in das neue Urteil einzubeziehen und die Haftdauer um sechs Monate zu verlängern.

Rechtsanwalt Albrecht Imhoff lenkte das Augenmerk des Schöffengerichts auf den Umstand, dass sein Mandant voll geständig sei und dass er sich fest vorgenommen habe, sofort nach Entlassung aus dem Knast eine stationäre Sucht- und Drogentherapie zu beginnen. Auch über seine berufliche Perspektive habe er sich Gedanken gemacht: Eine Ausbildung als Lagerist schwebe ihm vor. Das Jugendschöffengericht nahm ihm den guten Willen ab und stockte die Haftstrafe nur maßvoll auf.