Wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis und Fahrens unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln saß eine 20-Jährige aus dem Landkreis Haßberge auf der Anklagebank vor dem Amtsgericht (Jugendgericht) in Haßfurt. Die junge Frau wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Sie war laut Anklageschrift von Staatsanwalt Arno Ponnath im Januar in einer Ortschaft in nördlichen Landkreis von der Polizei kontrolliert worden und zeigte dabei, um ihre Identität zu verschleiern, den Ausweis ihrer Schwester vor. Sie selbst hatte ihren Führerschein schon zuvor abgeben müssen.

Rechtsanwalt Jochen Kaller erklärte auf Frage von Richter Martin Kober für seine Mandantin, dass sie einräume, eine kurze Strecke von ihrer Wohnung zum Zigarettenholen gefahren sei. Dazu habe sie sich wohl entschlossen, weil sie unter dem Einfluss der Droge Amphetamin stand, führte der Verteidiger aus.

Seine Mandantin habe eine Ausbildungsstelle in Aussicht und wolle sich bessern. Da ein umfassendes Geständnis vorlag, konnte der Polizeibeamte, der als Zeuge geladen war, ohne seine Vernehmung entlassen werden. Der Richter stellte fest, dass die Angeklagte bisher sechs Einträge im Bundeszentralregister hat. Sie war bereits wegen Betrugs, Beleidigung, vorsätzlicher Körperverletzung, Fahrens ohne Fahrerlaubnis und wegen Urkundenfälschung aufgefallen.

Von einem "schwierigen Umgang" mit der Angeklagten berichtete Franz Heinrich von der Jugendgerichtshilfe. Schädliche Neigungen bejahte der Jugendgerichtshelfer. Er leitete aufgrund der Gesamtumstände keine günstige Perspektive für die Angeklagte ab. Es sei immer schwierig, mit ihr in Kontakt zu treten, wenn das überhaupt gelinge. Es liege eine gravierende Reifeverzögerung vor, erklärte der Experte dem Jugendgericht.


Zur Suchtberatung

Staatsanwalt Ponnath meinte in seinem Plädoyer, dass Jugendstrafrecht zur Anwendung kommen sollte. Die Angeklagte habe sich von bisherigen gerichtlichen Maßnahmen nur wenig, wenn überhaupt, beeindrucken lassen. Er beantragte eine Jugendstrafe von zehn Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt werden könnten, sowie eine Führerscheinsperre von einem Jahr und sechs Monaten. Sie solle für die Dauer von zwei Jahren einem Bewährungshelfer unterstellt werden und an drei Terminen einer Suchtberatung teilnehmen, forderte er.


Geldstrafe gefordert

Der Verteidiger der Angeklagten, Rechtsanwalt Jochen Kaller, führte aus, dass eine Jugendstrafe nicht zur Anwendung kommen könne, da das Gesetz dem entgegenstehe. Nach Erwachsenenstrafrecht sollte die Ahndung erfolgen und eine Geldstrafe von 65 Tagessätzen zu je 15 Euro hielt der Anwalt für angemessen.

Richter Martin Kober bejahte schädliche Neigungen und verurteilte die Angeklagte zu einem Jahr und sechs Monaten Freiheitsstrafe, die er auf drei Jahre zur Bewährung aussetzte. Der Verurteilten dürfe vor Ablauf eines Jahres keine neue Fahrerlaubnis erteilt werden. Auch wird sie für zwei Jahre einem Bewährungshelfer unterstellt. Mit seinem Urteil sei er am "unteren Rand" der gesetzlichen Möglichkeiten geblieben, sagte Kober. Das Urteil des Amtsgerichts ist noch nicht rechtskräftig.