Wegen Körperverletzung in drei Fällen muss er nach Weisung des Jugendamtes 50 Arbeitsstunden in einem sozialen Bereich leisten, entschied das Amtsgericht Haßfurt in dem Strafprozess.

Am 5. Mai dieses Jahres sowie einige Tage später ließ der junge Bursche insgesamt dreimal die Fäuste fliegen. Ursache der Aussetzer: Das Zusammenwirken von Alkohol, Tabletten und psychischer Krankheit spielte eine entscheidende und verhängnisvolle Rolle. Erst kurz zuvor aus einer Klinik entlassen, griff der 19-Jährige in einer Knetzgauer Diskothek zu Bier und Schnaps.

Dort ereigneten sich denn auch die beiden ersten Ausraster. Aus nichtigem Anlass schlug er an diesem ersten Mai-Wochenende einem 32-jährigen Mann so hart ins Gesicht, dass dessen Nase blutete. Und bei dieser Gelegenheit bekam auch ein 27 Jahre alter Staplerfahrer sein Fett ab: Die Schläge des reizbaren Halbwüchsigen führten zu einer Platzwunde auf dessen Stirn, die im Haßfurter Krankenhaus genäht werden musste. Zudem konnte das Opfer eine Woche aufgrund ärztlichen Attestes nicht zur Arbeit gehen.

Dass die älteren, körperlich dem eher schmächtigen Angeklagten überlegenen Männer auf tätliche Gegenwehr verzichtet hatten, lobte Jugendrichter Martin Kober in den höchsten Tönen. "Ihr vernünftiges Verhalten verdient allen Respekt", betonte der Jurist in dem Verfahren.

Nur wenige Tage später kam es zu einem erneuten Eklat: Wiederum alkoholisiert schlug der 19-jährige Mann in einer Privatwohnung erneut mit der Faust zu. Sein Opfer erlitt ein Veilchen.

Zwar ist der Beschuldigte nicht einschlägig vorbestraft, aber wegen einer Alkoholfahrt auf dem Mofa wurde er schon einmal verurteilt. Während die Staatsanwältin für einen dreiwöchigen Dauerarrest plädierte, machte sich Jugendgerichtshelfer Franz Heinrich für gemeinnützige Arbeitsstunden stark. Er wies darauf hin, dass der arbeitslose Heranwachsende eine ambulante Therapie absolviert, um einen künftigen Kontrollverlust zu verhindern.

Auch beruflich ist noch nicht alles verloren: Nach der Mittelschule hatte der Verurteilte eine Ausbildung begonnen. Aufgrund der hohen Fehlzeiten war das für die Ausbildungsfirma irgendwann nicht mehr tragbar und er wurde kurz vor der Abschlussprüfung entlassen.

Jetzt räumt ihm die Handwerkskammer die Möglichkeit ein, die Gesellenprüfung nachzuholen - und vielleicht kriegt er doch noch die Kurve.