Warum nur, so fragt man sich, erliegt die adrett gekleidete 19-Jährige immer wieder der Versuchung? Warum geht sie immer wieder dieses Risiko ein?

Nachdem sie bereits 2011 und nochmal 2012 wegen Diebstahls verurteilt wurde, stand die junge Dame nun erneut vor Gericht. Weil sie eine Dose Tabak und etliche Energy-Drinks hatte mitgehen lassen - und weil sie einschlägig vorbestraft ist - muss sie nun für zwei Tage in den Jugendarrest nach Würzburg einrücken.

Erwischt hat man die angehende Hotelfachfrau am 29. August nachmittags um 14 Uhr im Rewe-Markt in Ebelsbach. Auf die Frage von Richter Martin Kober nach dem Warum und Weshalb schilderte sie, dass ihr das Geld zum Monatsende hin ausgegangen sei.

Ziemlich am Ende

Außerdem sei sie damals gerade umgezogen und ihr Konto sei gepfändet gewesen. Die rhetorische Frage des Vorsitzenden, ob Tabak und Drinks in dieser Situation denn wirklich nötig wären, blieb bei der Vernehmung vor Gericht unbeantwortet.

Jugendgerichtshelfer Franz Heinrich beleuchtete den familiären und persönlichen Hintergrund der jungen Frau, für die (da unter 21 Jahren) noch das Jugendgerichtsgesetz gilt: Nach dem Hauptschulabschluss scheiterte die Jugendliche zweimal bei dem Versuch, eine Ausbildung zur Fleischereifachverkäuferin zu absolvieren. Schließlich fand sie eine Lehrstelle als Hotelfachfrau. Die Ausbildungszeit hat sie durchgehalten, nur ihre Prüfung im Juli dieses Jahres leider nicht gepackt.

Im Januar hat sie eine zweite Chance, ihre Ausbildung erfolgreich abzuschließen. In Bezug auf die Tat selber meinte der Pädagoge, dass die Angeschuldigte doch sehr blauäugig vorgegangen sei. Er stellte erhebliche Reifeverzögerungen bei der voll geständigen Heranwachsenden fest und schlug vor, bei der Urteilsfindung das Jugendstrafrecht anzuwenden.

Gemeinnützige Arbeit?

Staatsanwältin Isabel Schneider plädierte dafür, die Diebin zu 60 gemeinnützigen Arbeitsstunden zu verurteilen. Der rechtskräftige Richterspruch dagegen lautete: zwei Tage Kurzarrest. Bisher, betonte der Vorsitzende Martin Kober, sei die Verurteilte mit Geldauflagen davon gekommen. Das aber, folgerte er, habe wohl nichts genützt. Nun sei es an der Zeit, schwerere Geschütze aufzufahren. Eindringlich belehrte er die junge Frau, wohin es führt, wenn sie weiter den Langfinger spielt. Beim nächsten Mal, so der Richter, drohe Dauerarrest und wenn auch das nichts fruchte, müsse sie bei einer erneuten Verfehlung mit einer Jugendfreiheitsstrafe von mehr als sechs Monaten rechnen. Die Schadenshöhe spiele dabei so gut wie keine Rolle. Mit den Worten "Für Sie geht es um sehr viel, denken Sie darüber nach - es ist Ihre Entscheidung" schloss er seine ernste Ermahnung.